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Die Herdprämie : Zu schade für den Sprachmülleimer

Herdprämie Bild: AP

Die Herdprämie ist zum Unwort des Jahres gekürt worden. Ab damit in den Sprachmülleimer, freut sich die CSU. Dabei wird das Wort noch dringend gebraucht. Denn es trägt zur Wahrheitsfindung in einer widersprüchlichen und bisweilen verlogenen Debatte bei.

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          Nach „Humankapital“ und „Hartz IV“ hat es also die „Herdprämie“ zum Unwort des Jahres geschafft. Eltern, insbesondere aber Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen, würden mit diesem Ausdruck diffamiert, finden die sprachkritischen Professoren um den Frankfurter Philologen Horst Dieter Schlosser, die alljährlich Unworte küren. Doch ihre Begründung trägt nicht weit: Eltern werden mit dem Begriff Herdprämie nicht deswegen bloßgestellt, weil sie zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu erziehen, sondern weil sie sich für diese selbstverständliche und ureigenste Aufgabe vom Staat bezahlen lassen wollen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Urheber des teuren Plans, Eltern künftig mit einem besonderen „Betreuungsgeld“ fürs Elternsein zu entlohnen, ist die CSU. Verständlich, dass sich ihr familienpolitischer Sprecher Johannes Singhammer über das neue Unwort freut und fordert, der Begriff „Herdprämie“ müsse „ab sofort in den Sprachmülleimer wandern und auch für immer dort bleiben“.

          Beitrag zur Wahrheitsfindung

          Bloß nicht. Für den Sprachmülleimer ist die Herdprämie anders als „Hartz IV“ viel zu schade. Die Herdprämie wird noch gebraucht, bringt sie doch den Kern der verfehlten politischen Idee, den Staat in jeden Winkel der Familie zu holen, ebenso einprägsam wie ironisierend auf den Punkt. Als Kampfbegriff hilft die „Herdprämie“, die familienpolitischen Positionen zu klären. Sie trägt damit zur Wahrheitsfindung in einer widersprüchlichen und bisweilen verlogenen Debatte bei.

          Denn schließlich will die CSU mit dem Betreuungsgeld genau das erreichen, was die „Herdprämie“ viel besser zum Ausdruck bringt: Sie will Eltern, genauer gesagt: Frauen möglichst davon abhalten, ihre Kleinkinder in die neuen Krippen zu geben, die der Staat doch gerade – mit Zustimmung derselben CSU – unter hohen Subventionen auf den Weg bringt. Statt sich diesem Widerspruch in ihrer Politik zu stellen und klare Prioritäten zu setzen, verklären die C-Parteien das Betreuungsgeld nach Kräften als Mittel zu „echter Wahlfreiheit“ für die Familie.

          In solchen Argumentationsketten wurzelt die deutsche Staatsverschuldung. Eine Subvention (Krippe, Kindergartenplatz) zieht die nächste (Betreuungsgeld) nach sich. Klientel um Klientel will bedient werden, an schönen Begründungen mangelt es nie. Sollte die „Herdprämie“ dazu beitragen, die Einführung des Betreuungsgeldes zu stoppen, hätte sie einen Ehrenplatz im Wörterbuch verdient.

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