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Kommentar : Mut zur Hysterie

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Anstatt auf technische Innovationen zu setzen, moralisieren die Grünen mit ihren Kanzelreden. Andersdenkende sind „industrienah“ oder „zynisch“.

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          Die Grünen setzen auf das Prinzip der radikalen Vereinfachung durch Moralisierung. Es scheint zu funktionieren, je komplexer die Welt ist. Harald Ebner, in der Partei zuständig für die Gentechnikpolitik, ist ein Großmeister dieser Disziplin, Fraktionschef Anton Hofreiter nicht minder.

          Die Frage: Ist das am weitesten verbreitete Pestizid Glyphosat für Menschen gesundheitsschädlich? In der Wissenschaft sagen es manche so, manche so. Je umstrittener die wissenschaftlichen Einschätzungen sind, desto klarer fallen die Antworten der Grünen aus. Das Glyphosat wollen sie schon länger aus dem Chemieschrank der Bauern raus haben. Andersdenkende sind wahlweise „industrienah“ oder „zynisch“.

          Die Glyphosat-Kampagne sah zunächst wie ein Stellvertreterkrieg gegen die Gentechnik aus - am Glyphosat hängt Monsantos globales Geschäft mit den „Genpflanzen“. Doch nun spricht Ebner vom totalen Pestizid-Ausstieg. Ökobauern zeigten seit Jahrzehnten, wie es gehe (warum nicht: seit Jahrhunderten?). Doch wenn dieser Ausstieg nur so einfach wäre. Seit der „grünen“, also agrar-chemischen Revolution der 1960er Jahre, wird mehr als die doppelte Weltbevölkerung von fast gleicher Fläche besser ernährt. Der Ausstieg ist Utopie. Technische Innovationen führen dahin, grüne Kanzelreden machen nur trotzig.

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