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Bauernproteste : Von armen Milchbauern kann keine Rede sein

Landwirte auf dem Odeonsplatz in München protestieren gegen sinkende Milchpreise. Bild: dpa

Nächste Woche beraten die EU-Agrarminister über Hilfen für die Milchbauern. Dabei erhalten die schon heute Milliardensummen von der Europäischen Union.

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          Milchbauern aus ganz Deutschland haben heute in München gegen den Preisverfall bei der Milch protestiert. Auf Transparenten warfen sie der Politik vor, der Entwicklung tatenlos zuzusehen und damit Existenzen zu vernichten. Die Bauern waren zuvor mit Hunderten Traktoren ins Münchner Zentrum gefahren. Die Kundgebung war Abschluss einer bundesweiten Sternfahrt von Landwirten aus mehreren Regionen, die vergangenen Montag in Schleswig-Holstein begonnen hatte. Rund 3000 Landwirte auf 500 Schleppern nahmen nach Verbandsangaben allein an der Aktion in München teil.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Viele der rund 80.000 Milchbauern in Deutschland bangen um ihre Existenz, weil ihre Einnahmen aus der Milchproduktion in diesem Jahr stark zurückgehen. Seit dem vergangenen Jahr ist der Auszahlungspreis, den sie von den Molkereien erhalten, um mehr als zehn Cent pro Kilo Rohmilch gefallen.

          Schon vor anderthalb Jahren hatte der ehemalige EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vor einer neuen Milchkrise gewarnt. Den deutschen Milchbauern ging es damals so gut wie seit langem nicht. Sie erhielten mehr als 40 Cent je Liter. Ciolos aber hatte schon im Mai 2014 das Ende der Milchquote ein Jahr später im Blick. Wenn erst einmal jeder Bauer soviel Milch produzieren dürfe, wie er wolle, werde das zwangsläufig Auswirkungen auf die Preise haben, warnte er damals. Tatsächlich stieg die Milchproduktion in der EU im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent und damit stärker als in Neuseeland oder den Vereinigten Staaten, wo die Wachstumsrate bei knapp 2 Prozent lag.

          Inzwischen ist die Krise eingetreten. Der Preis ist klar unter die Marke von 30 Cent je Liter - oder je Kilogramm, der maßgeblichen Einheit im Milchsektor - gesunken. Das lag nicht nur am Anstieg des Angebots. Parallel dazu ging die Nachfrage wegen der schwächeren Wirtschaft in Asien und wegen des Russlands-Embargos zurück. Prompt fordern die Milchbauern neue EU-Hilfen und einige die Wiedereinführung der Milchquote. Am 7. September beraten die Agrarminister auf einem Sondertreffen in Brüssel darüber.

          Quote gegen Milchseen und Butterberge

          Die Milchquote hatte die EU in den achtziger Jahren eingeführt, um die ausufernde Milchproduktion - Stichwort Milchseen und Butterberge  - und den damit verbundenen Verfall der Milchpreise in den Griff zu bekommen. Zuvor konnten die Landwirte soviel produzieren, wie sie wollten. Die EU garantierte ihnen einen Mindestpreis (Interventionspreis), zu dem sie überschüssige Milch und Milchprodukte einlagerte. Mit der Einführung der Milchquote durfte jeder Bauer nur noch eine bestimmte Menge Milch im Jahr produzieren. Überschritt er diese Quote, musste er Strafe zahlen, die sogenannte Superabgabe. Zuletzt zahlten die Bauern dafür 900 Millionen Euro.

          2013 aber beschlossen die EU-Staaten und das Europäische Parlament endgültig, die aus der Zeit gefallene Milchquote abzuschaffen. Zwei Gründe gab es dafür: Die Quote hat das Ziel, den Preis zu stabilisieren, nur sehr begrenzt erreicht. Das lag auch daran, dass die Quote von Anfang an viel höher lag als der Verbrauch in Europa. Vor allem aber hat die EU schon vor Jahren die Devise ausgegeben, die Agrarpolitik grundsätzlich stärker am Markt ausrichten. Das geschah im Milchsektor auch in dem Bewusstsein, dass die Nachfrage nach Milch auf der Welt, nicht zuletzt in Asien, mittelfristig auf jeden Fall steigt.

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