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Anhebung des Leitzinses : Amerika wagt die Zinswende

Janet Yellen, die Präsidentin des Gouverneursrates der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Bild: dpa

Notenbankchefin Janet Yellen beendet nach sieben Jahren die Ära des ultalockeren Geldes – und erhöht den Leitzins für die Vereinigten Staaten um 0,25 Prozentpunkte. Warum handelt die Federal Reserve jetzt?

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch die Zinswende beschlossen und verkündet. Unter Führung von Fed-Chefin Janet Yellen beendete sie die sieben Jahre währende Ära des ultralockeren Geldes und testierte damit der amerikanischen Volkswirtschaft, dass sie die schlimmsten Verwerfungen der Finanzkrise und der großen Depression hinter sich gelassen hat. Die letzte Zinserhöhung liegt schon mehr als neun Jahre zurück.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Fed hob mit der Entscheidung ihren Leitzinszielkorridor, der seit Dezember 2008 für Fed Fund Rates zwischen 0 und 0,25 Prozent liegt, um 0,25 Prozentpunkte an. Der neue Korridor liegt zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Die Zentralbank bleibt nach ihrer Aussage gleichwohl bei einer Geldpolitik, die locker genug ist, weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt und eine Inflation nahe an der Zielmarke von zwei Prozent zu erreichen.

          Inflation in Amerika

          Die einmütige Entscheidung trägt dem moderaten Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft und der nun schon sechs Jahre währenden Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt Rechnung. Die amerikanische Arbeitslosenquote liegt inzwischen bei 5 Prozent, zugleich weisen die hohen Zahlen von Arbeitnehmern, die Teilzeit arbeiten müssen, obwohl sie Vollzeit arbeiten wollen, und von entmutigten Amerikanern, die die Jobsuche eingestellt haben, dass die Unterbeschäftigungs-Situation fortdauert.

          Die Notenbank hat sich zur aktuellen Leitzinserhöhung durchgerungen, um eine Inflation zu verhindern und Gefahren für die Finanzstabilität zu minimieren. Aktuell gibt es schwache Indizien für eine inflationäre Preisentwicklung. Doch die Fed hält vor allem die niedrigen Energiepreise und Importpreise, die auf die Preise drücken, für vorübergehende Effekte.

          Zugleich erwartet sie, dass sich die Erholung des amerikanischen Arbeitsmarktes fortsetzt und damit zur Inflation beiträgt, die sich in Richtung der von der Fed angestrebten Zielmarke von zwei Prozent bewege. Voraussetzung für eine solche Entwicklung sind Lohnsteigerungen. Die Löhne, die seit Jahren stagnieren, sind zuletzt aber etwas gestiegen. Für das nächste Jahr wird  eine Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent bei einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent für die Vereinigten Staaten prognostiziert.

          Fed entzieht den Banken Geld

          Die Fed weist darauf hin, dass geldpolitische Maßnahmen erst mit einer gewissen Zeitverzögerung ihre Wirkung entfalten. Würde die Zentralbank zu lange warten mit der Einleitung der Normalisierung, drohte der Fed eine Zwangslage: Sie wäre zu einer abrupten Straffung der Geldpolitik gezwungen, würde die Konjunktur überschießen. Ein solcher Zinsschrift aber würde die Finanzmärkte in Turbulenzen stürzen und im schlimmsten Fall die Volkswirtschaft in eine Rezession abrutschen lassen. Die Fed betont, dass in nächster Zukunft nur graduelle weiter Zinsschritte zu erwarten sind.

          Um den gewünschten Leitzinsanstieg zu bekommen, muss die Zentralbank zu bisher weniger getesteten Mitteln der Geldpolitik greifen. Die üblichen Offenmarkt-Geschäfte, mit denen Zentralbanken den Banken Geld entzogen, indem sie ihnen Anleihen verkauften, funktionieren nicht. In der Welt des „Quantitative Easing“ fällt die Möglichkeit aus, weil die Banken in Reserven schwimmen, nachdem die Fed zur Stimulierung der Wirtschaft Anleihen für rund vier Billionen Dollar erworben hat.

          Statt dessen kommen andere Werkzeuge in Einsatz: Die Fed zahlt den Banken einen höheren Zinssatz von 5 Prozent für die Einlagen, die sie über die Mindestanforderungen hinaus bei der Fed parken. Das dürfte die Zinsen steigen lassen. Das zweite Instrument: Die Fed verkauft den Banken Anleihen mit dem Versprechen, sie später zurückzukaufen und entzieht den Banken damit Geld.

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