https://www.faz.net/-gqe-7n2dy

Devisenmärkte : Britische Notenbank wusste lange von Währungsmanipulationen

Hochhäuser in der „City of London“, dem Bankenzentrum Londons. Bild: REUTERS

Banken haben die Währungsmärkte manipuliert. Großbritanniens Notenbank hatte schon vor acht Jahren Hinweise darauf - aber reagiert hat sie nicht.

          Der Verdacht auf  weitreichende Manipulationen im internationalen Devisenhandel droht zum nächsten Skandal für die internationale Bankenbranche zu werden. Jetzt gerät in den Ermittlungen erstmals auch eine Zentralbank - und damit eine staatliche Aufsichtsbehörde -  ins Zwielicht: Die Bank of England wusste bereits 2006 über Hinweise auf Manipulationen Bescheid, ohne darauf zu reagieren. Erst im vergangenen Sommer sind die Vorwürfe publik geworden und haben eine Welle von Ermittlungen ausgelöst. London ist das wichtigste Zentrum der Welt für den Devisenhandel.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Am Mittwoch gab die britische Notenbank bekannt, im Zuge einer internen Untersuchung sei ein Mitarbeiter vom Dienst suspendiert worden. Es gebe bisher zwar keine Anhaltspunkte, dass Angestellte in die mutmaßlichen Tricksereien von Devisenhändlern verwickelt seien, aber man erwarte die „rigorose Einhaltung interner Kontrollprozesse“, heißt es in einer Mitteilung. Zugleich kündigte die Zentralbank eine Untersuchung der Vorgänge durch externe Anwälte an. Bisher seien bereits zehntausende von E-Mails und sonstigen elektronischen Nachrichten, sowie zahlreiche Telefonmitschnitte überprüft worden.

          Hintergrund der Suspendierung sind Anschuldigungen, wonach zwei Angestellte der Bank of England bereits im April 2012 während einer routinemäßigen Besprechung mit Devisenhändlern über die Absprachen informiert worden sind und keine Einwände dagegen erhoben haben. Die Ermittlungen der Aufsichtsbehörden begannen dagegen erst im vergangenen Jahr. Die Bank of England hält sich bis heute weitgehend bedeckt, was damals besprochen worden ist.

          Die Notenbank veröffentlichte am Mittwoch allerdings Sitzungsprotokolle, die sie weiter unter Druck bringen könnten: Demnach berieten Notenbanker und Devisenhändler schon im Juli 2006 über Manipulationshinweise bei einem wichtigen Preisfestsetzungverfahren. Doch dies blieb lange folgenlos.  Erst heute steht das sogenannte „WM/Reuters-Fixing“ im Mittelpunkt der Ermittlungen. An den regelmäßgen Sitzungen von Notenbankern und Devisenmarktexperten von Geschäftsbanken nahmen meist auch Vertreter der Deutschen Bank teil.

          Die Untersuchungen sind derzeit eines der brisantesten Themen im internationalen Bankgeschäft. Auf dem Spot-Markt werden jeden Tag Devisen im Volumen von rund 2 Billionen Dollar umgeschlagen. Einerseits gelten Manipulationen wegen der Größe des Marktes als schwierig. Andererseits können wegen des hohen Umsatzes mit minimalen Preisverschiebungen hohe Gewinne erzielt werden. Der Verdacht weckt Erinnerungen an den schwelenden Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze, der zu milliardenschweren Strafzahlungen gegen Banken geführt hat. Auch im Gold- und Erdölhandel laufen Ermittlungen. Im Devisenmarkt versuchen inzwischen rund ein dutzend Aufsichtsbehörden in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien Licht ins Dunkel zu bringen.

          Die Ermittlungen drohen auch die Deutsche Bank in Bedrängnis zu bringen, die Marktführer im Währungsgeschäft ist. Weitere große Akteure sind die Citigroup aus den Vereinigten Staaten, Barclays aus Großbritannien und die Schweizer UBS. Die vier Institute zusammen kontrollieren rund die Hälfte des globalen Devisengeschäfts. Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere Devisenhändler entlassen. Insgesamt sind bisher knapp zwei dutzend Fälle bekannt geworden, in denen sich Banken von Mitarbeitern im Devisengeschäft getrennt haben. Dass nun mit der Bank of England auch eine Zentralbank personelle Konsequenzen zieht, ist dagegen ein Novum.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rezos Video : Jeder Like ein Armutszeugnis

          Das Video „Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo ist ein Dokument der Zeitgeschichte: Propaganda von der ganz feinen Sorte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.