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Die Politik soll helfen : Bauern protestieren gegen niedrige Milchpreise

  • -Aktualisiert am

Milchbauern starten in Hohenwestedt in Schleswig-Holstein ihre Protest-Fahrt nach München. Bild: dpa

Nach Protesten in Großbritannien und Frankreich gehen Milchbauern nun auch in Deutschland auf die Straße. Sie fordern Hilfe angesichts der niedrigen Preise für Milch, Fleisch und Getreide.

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          Weil die Preise für Milch, Fleisch und Getreide auf niedrigem Niveau sind, fordern auch deutsche Landwirte immer nachdrücklicher Hilfen von der Politik. Deutsche und dänische Milchbauern haben an diesem Montag mit rund 50 Traktoren eine mehrtägige Sternfahrt begonnen, die von Schleswig-Holstein nach München führen soll. Aus mehreren Bundes- und europäischen Nachbarländern wollen sich Landwirte anschließen.

          Der Vorsitzende des Milchbauernverbands BDM Romuald Schaber forderte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich für die Bauern stark machen solle. Viele Betriebe seien gefährdet und hielten sich nur mit Krediten über Wasser.

          Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) warnte vor der größten Milchbauern-Krise seit Gründung der Bundesrepublik. Milchbetriebe erhöhten verzweifelt ihre Produktion, was Überangebot und Preisverfall beschleunige. „Wir wollen nicht, dass jetzt reihenweise Betriebe über die Wupper gehen“, sagte Habeck.

          Beide forderten – wie der Deutsche Bauernverband –, dass die Superabgabe von EU-weit insgesamt 900 Millionen Euro zur Mengenreduzierung verwendet werde. Diese war bis zur Abschaffung der Milchquote im Frühjahr von Bauern gezahlt worden, die mehr als erlaubt produzierten.

          Der Präsident des Westfälischen Bauernverbandes Johannes Röring (CDU) sagte der Zeitung „Westfalenpost“, die Situation für die Bauern sei dramatisch; Politik und alle Beteiligten der Wertschöpfungskette „vom Acker bis zur Ladentheke“. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) solle dies schnell organisieren.

          Der rapide fallende Milchpreis bringt seit Monaten Tausende Bauern in Existenznot. Wegen eines Überangebots an Milch kostet der billigste Liter in den Supermärkten derzeit nur noch 55 Cent, die Bauern erhalten davon rund 27 Cent. Vor einem Jahr bekamen sie fast vierzig Cent je Kilo ausgezahlt.

          Proteste in England und Frankreich

          Der Weltmarktpreis erreichte im vergangenen Monat den tiefsten Stand seit sechs Jahren, teilte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am vergangenen Donnerstag mit. Vor sechs Jahren hatten die Milchbauern den schwersten Preiseinbruch der vergangenen Jahrzehnte erlebt. Sie erhielten nur rund 23 Cent je Kilo Milch und protestierten in Brüssel und Berlin vehement. 

          In mehreren europäischen Ländern gibt es nun wieder Bauernproteste. Im Südwesten Englands protestierten Landwirte in der vergangenen Woche mit einer Blockade aus Traktoren gegen den Milchpreis-Verfall. Sie versperrten die Zufahrt zu einem Verteiler-Zentrum für Supermärkte in Bridgewater nahe Bristol.

          Viele wüssten nicht, wie sie durch den kommenden Winter kommen sollten, sagte ein Sprecher der Gruppe. Die Bauern bekommen nach eigenen Angaben weniger für ihre Milch als die Produktion kostet. Zuvor hatten wütende französische Bauern Lastwagen mit Milch aus Deutschland und Polen an der Grenze aufgehalten.

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