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Deutsche Reserven in Amerika : Nervenkrieg um den Goldschatz

Goldig und gut gesichert: Blick auf die Barren im Tresor der Bundesbank in Frankfurt Bild: Marc Darchinger

1500 Tonnen deutsches Gold liegen in New York. Unions-Abgeordnete machen Druck auf die Bundesbank für eine schnellere Rückholung. Die Währungshüter wehren sich gegen Unterstellungen.

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          Kurz vor der Präsentation des Jahresgeschäftsberichts der Bundesbank drängen Kritiker die Währungshüter zu einer schnelleren Rückführung ihrer im Ausland lagernden Goldreserven nach Deutschland. Mehr als die Hälfte der fast 3400 Tonnen Gold der Bundesbank, die gut 100 Milliarden Euro Marktwert haben, liegen im Ausland, allein etwa 1500 Tonnen in New York bei der amerikanischen Notenbank Fed. Nachdem der Rechnungshof vor gut einem Jahr kritisierte, dass die Goldbestände nur mangelhaft überprüft würden, und daraufhin im Bundestag Unruhe entstand, hat die Bundesbank ein neues Lagerstellenkonzept vorgestellt: Bis zum Jahr 2020 sollen 300 Tonnen Gold aus New York und 374 Tonnen aus Paris abgezogen werden. Doch es gab Verzögerungen. Im vergangenen Jahr trafen nur 37 Tonnen Gold in Frankfurt ein, davon 5 Tonnen aus New York. Das erregte einige Kritiker im Bundestag.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          „Bei dem bisherigen Tempo, das die Bundesbank an den Tag legt, ist es zweifelhaft, ob das Ziel von 674 Tonnen erreicht wird und ob sie es überhaupt erreichen will“, sagt CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder dieser Zeitung. Es gebe heute „keinen Grund mehr, das Gold im Ausland zu lagern“, findet er. Im Kalten Krieg war es richtig, das Gold weit im Westen zu lagern, sagt Mißfelder, der auch Beauftragter der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ist. Heute aber sollte man das Gold komplett im Inland lagern, findet Mißfelder – „für den Krisenfall“. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler bemängelt, dass die Bundesbank keine regelmäßigen physischen Kontrollen des Goldes in New York durchführe, wie es der Rechnungshof angemahnt habe. „Die Haltung der obersten Hüter des Goldschatzes ist mir zu lässig“, sagt der CSU-Vize.

          „Die Amerikaner haben uns gesagt: Das ist euer Gold“

          Das will die Bundesbank nicht auf sich sitzen lassen. Schon länger nimmt der Bundesbank-Vorstand besorgt zur Kenntnis, dass es in der Bevölkerung wabernde Zweifel an der Existenz des deutschen Goldes in den Tresoren der Fed gibt, die sich in etwa 25 Metern Tiefe unterhalb Manhattans befinden. „Holt unser Gold heim!“, fordert eine Bürgerinitiative. Deren Appell haben inzwischen 15.300 Bürger unterzeichnet, darunter der eurokritische frühere FDP-Abgeordnete Frank Schäffler und der Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, der für die AfD kandidiert. Bis hinauf in die Spitzen der deutschen Politik würden Verschwörungstheorien gehört, heißt es verärgert in Frankfurt. Die Kritik einiger Unionsabgeordneter geht den Währungshütern mächtig auf die Nerven. Nach Informationen dieser Zeitung gab es sogar einen empörten Anruf im Kanzleramt deswegen.

          Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betont im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die bisherige Besichtigung und der Heimtransport des Goldes keinerlei Unregelmäßigkeiten gezeigt hätten. Die Zusammenarbeit verlaufe reibungslos. „Ich war in New York, wir haben uns die Barren angeschaut, haben einzelne ausgewählt, herausgenommen und gewogen – die Prüfung lief zu 100 Prozent zufriedenstellend“, betont er. „Die Amerikaner haben uns gesagt: Das ist euer Gold, ihr könnt es jederzeit zurückholen.“ Dies werde auch nicht als Affront gewertet. An dem Plan, bis 2020 rund die Hälfte des Goldes in Deutschland zu lagern, gebe es keine Abstriche. „Der Bundesbankvorstand hat sich mit dem neuen Lagerstellenkonzept gebunden“, bekräftigt Thiele. Nach dem kritischen Bericht des Rechnungshofs seien mit der Fed erweiterte Rechte für die Bundesbank-Revisoren ausgehandelt worden. Über Details sei aber Vertraulichkeit vereinbart worden. Man habe den Haushaltsausschuss des Bundestages informiert, der habe nichts mehr auszusetzen.

          Ist ein schneller Rücktransport notwendig?

          Und noch eines stellt Thiele klar, was zu Gerüchten geführt hatte: Es gebe keine Verleihgeschäfte mit dem deutschen Gold im Ausland. Bis 2008 habe man zwar geringe Teile des Goldes in London zeitweise verliehen, um mit den Einnahmen die dortigen Lagerkosten zu decken. Das sei aber vorbei. „Seit 2009 gibt es keine Goldleihe mehr.“

          Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle, setzt sich deutlich ab von den Aussagen seiner Parteifreunde Mißfelder und Gauweiler. „Ich bin davon überzeugt, dass die deutschen Goldreserven in New York, Paris und London immer sicher verwahrt waren und es weiterhin sind. Zweifel daran kann ich nicht nachvollziehen“, sagt er. Historisch rühren die Goldbestände aus den fünfziger und sechziger Jahren, als die Amerikaner ihre Handelsdefizite mit Deutschland im Bretton-Woods-System mit Gold beglichen. „Die Notwendigkeit für einen schnelleren Rücktransport sehe ich nicht, zumal auch die Kosten nicht unerheblich sind“, findet Barthle.

          Tatsächlich hat die Bundesbank für den Heimtransport der 37 Tonnen Gold rund 600.000 Euro bezahlt – ein Promillebetrag im Vergleich zum Wert. Teuer ist vor allem die Versicherung von Flugtransporten. Es kann immer nur eine Tonne je Flug transportiert werden, deren Marktwert derzeit bei gut 30 Millionen Euro liegt. Zur währungspolitischen Bedeutung des Goldes sagt Thiele. „Das Gold hat zwei wichtige Funktionen: Es dient im Inland der Vertrauensbildung. Das Gold im Ausland liegt dort auch als Währungsreserve für den Krisenfall. Wir könnten es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit in Fremdwährung tauschen. Es ist nicht unsere eiserne, sondern die goldene Reserve.“

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