https://www.faz.net/-gqe-x3gf

Deutscher Solarstrom : Die Geschichte einer Fehlentwicklung

  • -Aktualisiert am

Solarstrom gibt's in Deutschland sogar vom Kirchendach Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Solarenergie boomt. Doch ihre Rolle in der Energieversorgung ist gering, ihr Beitrag zum Klimaschutz überschaubar. Warum man trotzdem meint, im schattigen Deutschland immer mehr Solarstrom erzeugen zu müssen - und damit den Strompreis nach oben treibt.

          Die Farbe ist ihr Markenzeichen: Sie schimmern bläulich, die in den zurückliegenden Jahren zu Tausenden auf deutschen Hausdächern und rekultivierten Tagebauen aufgestellten Photovoltaikanlagen. Doch ihre Allgegenwärtigkeit steht im Widerspruch zu den mitunter vollkommen falschen Vorstellungen über Nutzen und Kosten dieser vom Grundsatz her faszinierenden Technik: Mit ihr gelingt es, die elektromagnetische Strahlungsenergie der Sonne direkt in elektrischen Strom umzuwandeln.

          Zwar müssen Solarzellen mehrere Jahre die Sonne „anzapfen“, bis sie die zu ihrer Herstellung benötigte Energiemenge eingefahren haben. Doch der Vorteil, auf eine unbegrenzt zur Verfügung stehende Energiequelle zurückgreifen zu können, macht das mehr als wett. Zudem handelt es sich hier um eine sichere Technik. Weder hohe Temperaturen noch große Drücke müssen beherrscht werden. Es ist folgerichtig, wenn die Photovoltaik genutzt und ihre Effizienz weiter gesteigert wird.

          Kapitulation vor der Solar-Lobby

          Bis zu diesem Punkt gibt es keine Meinungsunterschiede. Die Geister scheiden sich jedoch beim Wie und Wo - und hier kann einiges falsch laufen. So hat man mit fadenscheinigen Argumenten im Zuge der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für eine weitere üppige Alimentierung des von den Photovoltaikanlagen geernteten Solarstroms argumentiert. Und sich damit durchgesetzt, so dass wie bisher viel zu hohe Vergütungssätze gezahlt werden müssen. Denn eine Kürzung um 8 Prozent in den kommenden beiden Jahren und um 9 Prozent im Jahr 2011, anstelle des bisher gültigen Degressionswerts von 5 Prozent, ist eine klare Kapitulation vor der Solar-Lobby.

          Bundespräsident Köhler beim Besuch des erfolgreichen Solarzellenproduzenten Q-Cells

          Eine Deckelung der Förderung, wie sie von wirtschaftsliberalen Abgeordneten gefordert wurde, und eine „nachhaltige“ Absenkung der garantierten Verkaufspreise um 30 Prozent hatten keine Chancen: Man dürfe beim Klimaschutz nicht zurückfallen, wurde gebetsmühlenhaft vorgetragen. Auch das zweite Argument überzeugt nicht: Die Unternehmen der Solarbranche müssten bei einem zu schnellen und zu starken Absenken der Vergütungssätze um ihre Existenz fürchten.

          Beitrag zum Klimaschutz ist überschaubar

          Wie völlig daneben diese Darstellung ist, zeigen nüchterne Fakten: So trägt der Sonnenstrom mit einer installierten (Spitzen- oder Peak-)Leistung von derzeit 4000 Megawatt lediglich mit 0,7 Prozent zu der in Deutschland benötigten Strommenge bei. Auch die in Aussicht gestellten Kapazitätszuwächse werden an dieser Außenseiterrolle wenig ändern. So nennt die Solarbranche für die nähere Zukunft Jahreszubaumengen von rund 1500 Megawatt, so dass aufaddiert in sieben Jahren Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 15.000 Megawatt installiert sein werden - und dann rund 2 Prozent der Stromproduktion übernehmen könnten. Dass die Solarenergie in Deutschland eine „tragende Säule“ der Energieversorgung werden könnte, wie wie es die Solarwirtschaft in Aussicht stellt, ist also vollkommen unrealistisch.

          Damit ist auch ihr Beitrag zum Klimaschutz überschaubar. Zwar klingt es überzeugend, wenn die Solarbranche damit zu trumpfen versucht, dass ihre Anlagen im Jahr rund 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden helfen. Doch relativiert sich diese für Laien nur schwer zu fassende Größe, wenn man weiß, dass durch das unspektakuläre Steigern des Wirkungsgrads aller deutschen Kohlekraftwerke um einen einzigen Prozentpunkt rund 4,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger entstehen würden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer

          Kritik an AKK : „Eine Zumutung für die Truppe“

          Aus der Opposition gibt es heftige Kritik an der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin. Kanzlerin und Union würden die „gebeutelte Bundeswehr“ für Personalspielchen missbrauchen, beklagt die FDP.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.