https://www.faz.net/-gqe-7ibfv

Deutscher Arbeitsmarkt : Jede fünfte neue Stelle in Teilzeit

Vor allem bei Frauen bleibt die Teilzeit ein häufiges Arbeitsmodell Bild: dpa

Teilzeitarbeit bleibt ein beliebtes Modell in Deutschland - vor allem für Frauen. Und für Arbeitslose ist sie häufig eine Brücke zurück in die Berufswelt.

          Deutschland bleibt Teilzeitland: Im vergangenen Jahr war jede fünfte neu besetzte Stelle mit weniger als 32 Wochenstunden ausgeschrieben, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag bekanntgab. Hinter den Niederlanden liegt Deutschland mit einer Teilzeitquote von mehr als 26 Prozent in Europa auf Platz zwei.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Dreiviertel der Neueinstellungen im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Arbeitsmarktforscher zudem weiblich, damit bleibt Teilzeitarbeit eine Frauendomäne. Das hänge vor allem mit den Branchen zusammen, in denen Teilzeitarbeit stark verbreitet sei. Im „weiblich dominierten Dienstleistungsbereich“ liege die Quote bei mehr als einem Drittel, für Handel, Verkehr und Gastgewerbe sei es ein Fünftel. In der öffentlichen Verwaltung sei zudem der Anteil der Neueinstellung in „kleiner Teilzeit“ (weniger als 20 Wochenstunden) am größten. In den Männerdomänen Bau und Verarbeitendes Gewerbe spielt Teilzeit dagegen eher eine untergeordnete Rolle, hier werden die meisten neuen Arbeitsverhältnisse in Vollzeit abgeschlossen.

          Beruf und Familie besser vereinbaren

          „Betriebe können über Teilzeitstellen ihr Arbeitsvolumen leichter dem aktuellen Bedarf anpassen und Engpässe überbrücken“, erklären die IAB-Forscher zur Bedeutung von Teilzeitstellen für den Arbeitsmarkt. Diese Form der reduzierten Arbeitszeit biete Beschäftigten die Möglichkeit, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Außerdem diene sie Arbeitslosen als Brücke in die Berufswelt: 2012 waren 8 Prozent der neu eingestellten Teilzeitbeschäftigten zuvor länger als ein Jahr arbeitslos, weitere 14 Prozent kamen aus der „Stillen Reserve“, sie hatten keine Beschäftigung, waren aber nicht arbeitslos gemeldet. „Bei der Besetzung von Vollzeitstellen kommen diese Personengruppen seltener zum Zuge“, heißt es.

          Aus Sicht der Betroffenen sei wichtig zu wissen, dass Teilzeitarbeit zu geringeren Rentenanwartschaften führe als Vollzeitarbeit und das Risiko der Altersarmut erhöhe. Dazu kämen noch Einbußen beim Einkommen sowie Nachteile für die Karriere. Deshalb müsse für Teilzeitkräfte zumindest die Möglichkeit bestehen, die wöchentliche Arbeitszeit schrittweise auszuweiten „Flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle, Angebote zur Telearbeit und Möglichkeiten zur Kinderbetreuung sind Teile einer familienfreundlichen Personalpolitik“, schreiben die Autoren der IAB-Studie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland rund 1,8 Millionen Teilzeitbeschäftigte, die gerne mehr arbeiten würden.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.