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Reaktionen auf Trumps Sieg : „Black Tuesday für Welthandel“

  • Aktualisiert am

Seine Anhänger umjubeln Donald Trump. Die deutsche Wirtschaft dagegen ist nicht in Feierlaune. Bild: Reuters

Donald Trump wird neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt, vor allem wegen Trumps Position zum Freihandel. Amerika dürfe sich nun nicht abschotten.

          Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Sieg von Donald Trump bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen verunsichert. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte am Mittwoch in Berlin, die meisten Deutschen hätten sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Jetzt herrsche große Unsicherheit angesichts Trumps Ankündigungen im Wahlkampf.

          „Keiner weiß derzeit, was in der kommenden Zeit davon tatsächlich umgesetzt wird“, sagte Wansleben. „Die Verunsicherung ist deshalb gerade auch bei den deutschen Unternehmen groß.“ Sie hofften nun darauf, dass wesentliche Säulen der internationalen Zusammenarbeit von der neuen amerikanischen Regierung nicht aufs Spiel gesetzt werden.

          Der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einem „Black Tuesday für den Welthandel“. BDI-Präsident Ulrich Grillo warnte Trump derweil davor, die amerikanische Wirtschaft abzuschotten. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die amerikanische Wirtschaft“

          Amerika sei einer der wichtigsten Partner für Deutschland in der Welt. Die deutsche Wirtschaft werde auch weiterhin für ein faires TTIP-Abkommen werben. Trump hatte das Freihandelsabkommen im Wahlkampf dagegen als „größte Gefahr“ für amerikanische Unternehmen kritisiert.

          Wichtigster Abnehmer deutscher Produkte

          „Wir gratulieren Donald Trump zum Sieg dieses nervenzehrenden Wahlkampfs“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, am Mittwoch in Berlin. „Wir sind gespannt, was nun folgt und setzen auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem 45. Präsidenten Amerikas.“

          Bei Volkswagen sieht man vor dem Hintergrund der Ermittlungen im Abgasskandal Trumps Sieg derweil mit Sorge. "Ich hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht noch nachteiliger auf den VW-Konzern auswirkt", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Mittwoch. VW warte "sehnsüchtig auf eine Aussage über die Höhe der Strafe“, um endlich Planungssicherheit zu haben. Auch beim Daimler-Chef Dieter Zetsche herrsche „eine gehörige Portion“ vor ob des Wahlergebnisses. Für eine Beurteilung der Folgen sei es aber noch viel zu früh. Es bleibe abzuwarten, wie Trumps Außen- und Wirtschaftspolitik aussehen werde.

          Vor Frankreich und Großbritannien sind Amerika der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte. Die Bundesrepublik lieferte 2015 Waren im Wert von knapp 114 Milliarden Euro nach Amerika - fast zehn Prozent aller deutschen Ausfuhren. Begehrt in Übersee sind etwa Auto- und Autoteile, Maschinen, Chemieprodukte und Elektrotechnik. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts hängen in Deutschland direkt und indirekt mehr als eine Million Arbeitsplätze an Exporten in die Vereinigten Staaten.

          Umgekehrt importierte Deutschland aus Amerika Güter für gut 59 Milliarden Euro, etwa Chemieprodukte und Maschinen. Die Bundesrepublik ist fünftgrößter Abnehmer amerikanischer Produkte nach China, Kanada, Mexiko und Japan. Zudem haben viele amerikanische Firmen hierzulande Niederlassungen. 630.000 deutsche Jobs befinden sich laut Ifo in Betrieben, die von amerikanischen Firmen kontrolliert werden.

          „Wir haben eine funktionierende Demokratie in Amerika“

          Der Präsident des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher, erwartet kurzfristige Verwerfungen auf den Finanzmärkten, doch würden sich die Wellen wie nach dem Brexit wohl schnell wieder glätten. „Schnell wird man feststellen, das sich eigentlich nicht so viel ändern wird. Viele seiner verrückten Pläne - etwa in der Steuer- und Handelspolitik - wird Trump nicht umsetzen können. Wir haben eine funktionierende Demokratie in Amerika. Auch der mächtigste Mann der Welt kann nicht tun, was er will“, so Fratzscher.

          In Sachen TTIP sieht er derweil fürs Erste schwarz. Das Abkommen werde wohl zumindest für vier Jahre erst einmal auf Eis gelegt. Das werde Europa mehr schmerzen als Amerika. Massive Schäden für die deutsche Wirtschaft erwartet er allerdings nicht.

          Für Dennis J. Snower, den Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel ist Trumps Sieg „ein weiterer, großer destabilisierender Faktor. „Viele seiner Aussagen im Wahlkampf waren Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft.“ Dabei werde Freihandel auch unter Trump essentiell für Amerikas Wohlstand sein.

          Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schrieb in der Nacht, als ein Sieg Trumps zunehmend wahrscheinlicher wurde, in einem Kommentar für die „New York Times“, er verstehe das Land, in dem er lebe, nicht mehr. Er habe gedacht, das Land wäre bei allen rassistischen Problemen und Misogyne, offener und toleranter geworden und dass die große Mehrheit der Amerikaner die demokratischen Werte hoch hielten. Doch offenbar habe er falsch gelegen. Eine große Anzahl von Menschen, weiße, hauptsächlich aus ländlichen Gebieten, hingen offenbar einen Ideal eines patriarchischen Amerikas an mit einer klaren Hierarchie der Rassen.======================= Bild =======================)

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