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Kommentar : Deutschland in Rekordlaune

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Der Export brummt: Container im Hamburger Hafen Bild: AP

Mag der Krieg in der Ukraine heftiger toben als zuvor und Griechenland die Währungsunion in die nächste Krise stürzen – Deutschlands Wirtschaft brummt. An der Börse jagt ein Kursrekord den nächsten. Dafür gibt es gute Gründe.

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          Mit Börsenkursen verhält es sich wie mit Konjunkturprognosen. Sie wechseln ständig ihre Richtung. Ende November bliesen Ökonomen noch Trübsal. Manche einer wollte aus einer Delle eine Krise machen. Die deutsche Wirtschaft sei gar nicht so stark, der Aufschwung längst zu Ende, es drohe sogar eine Rezession, wenn die Europäische Zentralbank nicht sofort noch mehr Staatsanleihen kaufe. So hieß es damals, obwohl der Einzelhandel auf gute Weihnachtsgeschäfte hoffte, die Verbraucher sich über den Preissturz von Öl freuten und es auch den weichen Euro schon gab. Dennoch schauten manche Ökonomen lieber in den Rückspiegel.

          Bild: F.A.Z.

          Zu jener Zeit sollte mit Büchern wie „Die Deutschland-Illusion“ das Land wachgerüttelt werden, weil Deutschland angeblich von seiner Substanz lebe. Für den Autor Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat sich das gelohnt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) beauftragte ihn herauszufinden, wie mehr investiert werden kann.

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          Kaum fängt das neue Jahr an, ist die Tristesse verflogen. Mag der Krieg in der Ukraine heftiger toben als zuvor und Griechenland die Währungsunion in die nächste Krise stürzen – Deutschlands Wirtschaft brummt und an der Börse jagt ein Kursrekord den nächsten. Dafür gibt es gute Gründe. Die Unternehmen verdienen gut, so viele Menschen wie nie haben Arbeit, die Löhne steigen, das Land steuert auf Vollbeschäftigung zu.

          Für Deutschland ist die ultralockere Geldpolitik viel zu expansiv

          Die Leute geben ihr Geld mit vollen Händen aus. Der angeblich konsumfaule Deutsche ist die wichtigste Stütze der Konjunktur. Inzwischen machen die Ausgaben der Verbraucher mehr als Hälfte der deutschen Wirtschaftsleitung aus.

          Auch die vermeintlich schwindsüchtigen Investitionen treiben das Wachstum. Denn in Wahrheit investieren die Unternehmen immer mehr Geld in Maschinen und Fahrzeuge. Der weiche Euro beflügelt außerdem die Exportwirtschaft. Deutschland steigerte im vergangenen Jahr seine Ausfuhr auf einen neuen Rekord.

          Übrigens sorgt Deutschlands Wirtschaft für mehr Wachstum in Europa und beutet seine Nachbarn nicht aus, wie manch einer unterstellt. Angesichts der guten Lage feiern Börsianer laufend neue Rekorde. Sie vertrauen darauf, dass die Party weitergeht, solange die EZB die Musik auflegt.

          Bild: F.A.Z.

          Für Deutschland ist die ultralockere Geldpolitik viel zu expansiv. Aber die gibt es, solange in Italien, Frankreich oder Hellas Stillstand herrscht. Der von Strafzinsen geplagte Sparer hat also bis auf weiteres die Wahl: Soll er sein Geld ausgeben? Oder vielleicht doch Aktien kaufen?

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