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Deutsche Konzerne in Amerika : Die Republikaner sind erste Wahl

Bekommt von Mitarbeitern deutscher Konzerne in Amerika einige Unterstützung: Donald Trump Bild: Reuters

Die Mitarbeiter deutscher Konzerne in Amerika spenden im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Trump und Clinton vor allem für die Partei des Milliardärs. Dafür gibt es vor allem pragmatische Gründe.

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          Man stelle sich vor: Mitarbeiter von Siemens und BASF gründen ein Komitee, sammeln Spenden ihrer Kollegen ein und verteilen sie auf Angela Merkels CDU und Sigmar Gabriels SPD, um etwa Kandidaten für die Bundestags- und Landtagswahl zu unterstützen. Da kommt es denn auch vor, dass sie das Füllhorn gezielt über eine Partei ausschütten. Das Szenario ist in Deutschland undenkbar. Die Finanzierung der Parteien ist schließlich vor allem staatlich über die Zahl der Wahlstimmen geregelt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Nicht so in den Vereinigten Staaten. Die Political Action Committees (PACs) sind wesentlicher Bestandteil des dortigen Wahl-Finanzsystems, das im Gegensatz zu Deutschland auf private Gelder angewiesen ist. Solche Spendenausschüsse sind weit verbreitet, in Verbänden, politischen Organisationen – und in Unternehmen. Wenn die schon nicht selbst spenden dürfen, dann zumindest deren Mitarbeiter.

          Klarer Favorit für die Spendenfreudigkeit

          Schätzungsweise 90 Prozent der in den Fortune 500 aufgelisteten Unternehmen haben solche Lobby-Organisationen in Amerika. Ausländische Konzerne machen genauso mit, damit auch deutsche. Die heißen Siemens PAC oder BASF PAC. Und die haben mit den konservativen Republikanern einen klaren Favoriten für ihre Spendenfreudigkeit (siehe Grafik). Bitter nur, dass sie nicht bei den Präsidentenwahlen mitmischen dürfen. Donald Trump und Hillary Clinton müssen ohne sie ihren erbitterten Wahlkampf betreiben.

          Die Organisation des deutschen Chemiekonzerns in den Vereinigten Staaten hat mehr als 700 Mitglieder, sie umfassen aktive und ehemalige Mitarbeiter von BASF Corp., müssen amerikanische Staatsbürger sein oder einen permanenten Wohnsitz in den Vereinigten Staaten haben.

          Das Komitee besteht aus 17 Mitgliedern. Es entscheidet über die Verteilung von Geldern, die in einem Topf gesammelt werden und bis ins Detail auch gemeldet sein müssen. Sie werden aktuell an Kandidaten der im November anstehenden Kongresswahlen vergeben, um sie im Wahlkampf zu unterstützen.

          So tun es die Beschäftigten von 13 deutschen Konzernen, und das nicht zu knapp. Laut der Organisation Center for Response Politics (CRP) sind in diesem Jahr bislang mehr als 2 Millionen Dollar zusammengekommen. Damit steuern sie allein 15 Prozent zu den 12,9 Millionen Dollar bei, die die PACs aller registrierten ausländischen Unternehmen bislang eingesammelt haben. Das wird mit zunehmender Intensität eines harten Wahlkampfs bis November noch deutlich zunehmen. Die amerikanischen BASF- Mitarbeiter sind mit knapp 560.000 Dollar am großzügigsten. Nur die Schweizer Bank UBS (980.000 Dollar) und der französische Pharmakonzern Sanofi (570.000 Dollar) sind spendabler.

          Professionell organisiert

          Entsprechend der Gesetze gebe BASF keine Gelder an Kandidaten zur Wahl in politische Ämter, hebt ein Unternehmenssprecher hervor. PACs seien keine Organisationen der BASF, sondern unabhängig. In ihnen würden sich Mitarbeiter engagieren, um Spenden zu sammeln, was im politischen System der Vereinigten Staaten gängige Praxis und Kultur in fast allen Unternehmen sei. Präsidentschaftskampagnen dürften sie nicht unterstützen. BASF beschäftigt an rund 100 amerikanischen Standorten 17.800 Mitarbeiter.

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