https://www.faz.net/-gqe-8jl18

Große Umfrage : Deutsche Finanzbranche sieht Frankfurt als Brexit-Gewinner

  • Aktualisiert am

Der Finanzplatz Frankfurt dürfte wichtiger werden, wenn die Briten die EU verlassen - erwartet zumindest die hiesige Branche. Bild: AFP

Mehr Bankgeschäfte, künftiger Sitz der Bankenaufsicht und mehr: Forscher der Frankfurter Goethe-Universität haben nachgefragt, was die hiesige Finanzgemeinde über den EU-Austritt der Briten denkt.

          Deutsche Banker, Börsianer und Anwälte sehen Frankfurt schon jetzt als den großen Gewinner eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. 95 Prozent der 400 befragten Unternehmen und Dienstleister aus der deutschen Finanzbranche glauben, dass die deutsche Bankenmetropole von dem Brexit profitieren wird, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt hervorgeht.

          Chancen sehen sie auch für Paris, das für 69 Prozent Nutznießer eines Bedeutungsverlusts Londons wäre. Alle anderen Städte rangieren unter ferner liefen.

          Mehrheit gegen Sonderrechte für London

          „Wir werden alles daran setzen, diese Jahrhundertchance für Frankfurt zu nutzen“, sagte Hubertus Väth, Geschäftsführer der Standortinitiative Frankfurt Main Finance. „Für uns ist klar, dass London der zentrale Finanzplatz bleibt. Daher wollen wir, dass Frankfurt die Brücke für London in die Eurozone wird.“ CFS-Geschäftsführer Volker Brühl rechnet aber mit einem scharfen Standortwettbewerb.

          Die größten Chancen für Frankfurt sehen die Befragten im Handel mit Wertpapieren und in deren Abwicklung. 78 Prozent gehen davon aus, dass Frankfurt hierbei an Bedeutung gewinnen werde. Nach einem Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Londoner LSE wäre zu erwarten, dass große Teile des Euro-Clearings von London nach Frankfurt wandern dürften - ohne den Zusammenschluss dagegen voraussichtlich nach Paris. Für jeweils die Hälfte der befragten Finanzexperten wird Frankfurt nach einem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs auch für das Firmenkundengeschäft (Corporate Banking) und die Vermögensverwaltung wichtiger.

          Zudem gehen 57 Prozent der Befragten davon aus, dass die EU-Bankenregulierungsbehörde EBA, die dann aus London wegziehen muss, in Frankfurt angesiedelt wird. Dort ist die Bankenaufsicht für die Währungsunion unter dem Dach der Europäischen Zentralbank ohnehin schon Zuhause.

          Sonderrechte für die Londoner Banken und Vermögensverwalter lehnen die deutschen Finanzprofis ab. Die EU solle Großbritannien nach dem Austritt keinen uneingeschränkten Zugang zum Binnenmarkt gewähren, finden 68 Prozent der Befragten. Bisher profitieren viele ausländischen Banken vom „EU-Pass“, der ihnen mit einer Lizenz in Großbritannien Finanzgeschäfte in ganz Europa ermöglicht.

          Topmeldungen

          UN-Klimagipfel in New York : War das alles, Frau Merkel?

          Mit ihrem Klimapaket enttäuschte die Bundesregierung viele. Auch in New York steht Merkel unter Rechtfertigungsdruck. Sie verweist auf die Bevölkerung – und den Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft.

          AKK in Amerika : Im Leer-Jet zum Pentagon

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer reist zum ersten Mal nach Washington. Ihr Terminplan überrascht – vor allem, wen sie alles nicht trifft.

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.