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Deutsche Exportstärke : Leistung im Überschuss

Die Deutschen haben ein riesiges Auslandsvermögen angehäuft. Man kann es aber auch übertreiben. Mehr Investitionen hierzulande sind angesagt.

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          Es ist gar nicht einfach, Leistungsbilanzen zu interpretieren. Sind große Überschüsse ein Zeichen von Stärke, sind Defizite immer ein Zeichen von Schwäche? Vor einer simplifizierten Sicht sollte man sich hüten. Jahrelang haben die Deutschen ihre Exportüberschüsse bejubelt. Dass diese mit Kapitalexport einhergehen, wurde meist übersehen. Prinzipiell ist es durchaus klug, dass ein alterndes Land einen Teil seiner Ersparnis nutzt, um – hoffentlich mit guter Rendite – im Ausland Sach- und Finanzinvestitionen zu tätigen.

          Die Deutschen haben inzwischen ein riesiges Auslandsvermögen angehäuft, das ein Polster sein soll, wenn die Folgen der Kinderlosigkeit voll zuschlagen. Aber man kann es auch übertreiben. Zum Teil sind die hohen Leistungsbilanzüberschüsse auch ein Spiegel der inländischen Investitionsschwäche. In der Euro-Krise haben sich die Unternehmen aus Verunsicherung zurückgehalten.

          Nun wäre endlich ein Investitionsaufschwung zu erhoffen. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen. Auch der Staat sollte mehr gegen den Verfall der Infrastruktur investieren. Auf diese Weise würden übermäßig hohe Leistungsbilanzüberschüsse allmählich abgeschmolzen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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