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F.A.Z. exklusiv : Deutsche Eliten sorgen sich wegen Trumps Politik

Für manche furchterregend: Donald Trump bei einer Veranstaltung in Washington Bild: Reuters

Wie wird Donald Trump regieren? Nicht alle deutschen Eliten fürchten den neuen Präsidenten Amerikas gleichermaßen. Es gibt auch Verständnis. Das zeigen erste Ergebnisse des neuen F.A.Z.-Elite-Panels.

          Mit dem Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten an diesem Freitag verknüpfen die deutschen Eliten wenig Hoffnung. Ob in Wirtschaft, Politik und Verwaltung – die hiesigen Führungskräfte sehen Donald Trumps Regierung mit größeren Sorgen entgegen. Jeder Zweite rechnet mit einer Verschlechterung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses, eine Chance auf eine Verbesserung sehen nur 2 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 517 Entscheidern, die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach für die Frankfurter Allgemeine und die Zeitschrift „Capital“ nach der Wahl des Präsidenten im Dezember durchgeführt hat.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Die Risiken verorten die Eliten vor allem in der Außen-, Wirtschafts- und Handelspolitik des künftigen mächtigsten Mannes Amerikas. Befürchtet werden zunehmender Protektionismus und Isolationismus, nur 4 Prozent teilen diese Sorge nicht. Unterschiedlich ist die Bewertung: Während 58 Prozent der befragten Politiker „große Risiken“ sehen, hält die Mehrheit der Unternehmer und Manager diese Risiken für „begrenzt“. Optimistischer antworten die Wirtschaftseliten auch auf die Frage, ob sie mit Trump „auch Chancen“ verbänden. Das halten immerhin zwei Drittel der Führungskräfte aus den Unternehmen für möglich, aber nicht einmal ein Drittel der politischen Spitzen.

          Pessimistischer als die Unternehmer sind die Politiker auch für die deutsche Wirtschaft. 50 Prozent rechnen damit, dass den deutschen Unternehmen durch Trump Nachteile entstehen werden. Hingegen glauben das nur 41 Prozent der Wirtschaftsvertreter. Dass die Trump-Regierung für Deutschland ökonomisch vorteilhaft sein könnte, glauben nur 4 Prozent der Befragten. Die Hälfte erwartet, es werde sich nicht viel ändern.

          Wird Trump als Präsident ruhiger?

          Die landauf, landab heiß diskutierte Preisfrage lautet jedoch: Wird Trump nach Amtsantritt einen gemäßigteren Kurs einschlagen als im Wahlkampf und in den Wochen danach, in denen er seine Gegner in Politik, Wirtschaft und Medien öffentlich heftig attackiert hat? Hier sind die deutschen Eliten gedämpft zuversichtlich. Mit einem „etwas gemäßigteren Kurs“ rechnen 68 Prozent, mit einem deutlich gemäßigteren weitere 23 Prozent (siehe Grafik).

          Nach Ansicht der deutschen Führungskräfte wird Trump die Vereinigten Staaten jedoch politisch noch stärker auseinandertreiben und die Gesellschaft auch sozial weiter spalten. Lediglich 15 Prozent trauen ihm zu, die amerikanische Politik zu versöhnen, und nur 6 Prozent glauben, er werde die soziale Kluft verringern. Gut die Hälfte der Befragten befürchtet übrigens auch in Deutschland eine ähnliche politische Polarisierung, die Gefahr einer sozialen Spaltung wird hingegen viel geringer veranschlagt. Dass sich weite Bevölkerungskreise hierzulande von der etablierten Politik abwenden, weil sie sich vernachlässigt fühlen, treibt dabei die Wirtschaft weit stärker um als die Politik.

          Was Trumps Einfluss auf die amerikanische Wirtschaft angeht, ist man ambivalent. Ein Drittel der Befragten glaubt, die amerikanischen Unternehmen profitierten mittelfristig, ein Drittel befürchtet Schäden. Entsprechend überwiegen die Zweifel, dass sich die wirtschaftliche Lage und die Chancen vieler Amerikaner durch den Machtwechsel verbessern werden. Die Entscheider aus der Wirtschaft sind hier mit 34 Prozent etwas zuversichtlicher als die Politiker mit 21 Prozent, insgesamt halten zwei Drittel der Befragten eine positive Wirkung für unwahrscheinlich.

          Welchen Umgang soll Berlin pflegen?

          Wie sollte die Bundesregierung mit Trump umgehen? Mehrheitlich lautet der Rat, unterschiedliche Positionen klar zu benennen, selbst auf die Gefahr hin, dass dies die Beziehungen beeinträchtigen könnte. Nur ein gutes Drittel empfiehlt ein vorsichtigeres Vorgehen und Zurückhaltung mit Kritik. Einer Position, die Trump klar vertritt, bringen die deutschen Entscheider aber Verständnis entgegen: Mehr als 80 Prozent halten seine Forderung nach deutlicher Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Nato-Partner für berechtigt, ebenso seinen Wunsch nach stärkerer Beteiligung Europas an den Stationierungskosten amerikanischer Truppen in europäischen Ländern. Mehr als 60 Prozent glauben, der neue Präsident werde den militärischen Schutz Europas zurückfahren. Daher wünschen sich drei Viertel der deutschen Führungsspitzen den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Armee und das Bemühen um ein engeres Verhältnis zu Russland (86 Prozent).

          Die repräsentative Umfrage ist Europas exklusivstes Panel. Befragt hat das Institut für Demoskopie Allensbach 350 Vorstände oder Geschäftsführer der Wirtschaft, außerdem 116 Führungskräfte der Politik (Präsidenten oder Vizepräsidenten der Parlamente, Fraktionsvorsitzende, Minister, Staatssekretäre aus Bund und Ländern) sowie 51 Spitzen von Bundes- und Landesbehörden. Weitere Ergebnisse der Umfrage erscheinen am Freitag.

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