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Deutsche Bistümer : Reich wie eine Kirchenmaus

Schöner Wohnen: Der neu erbaute Dienst- und Wohnsitz des Bischofs Tebartz-van Elst in Limburg hat alle Kostenvoranschläge übertroffen. Bild: Kretzer, Michael

Mehr als 30 Millionen Euro hat Bischof Tebartz-van Elst bislang für seine Residenz ausgegeben. Der Fall zeigt, wie reich die durch Steuergeld versorgte Kirche in Deutschland ist.

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          Der spektakulär kostspielige Ausbau des Limburger Bischofssitzes treibt selbst Kirchenvertreter zu drastischen Vergleichen. Stadtdekan Johannes zu Eltz beispielsweise sprach in seiner Sonntagspredigt im Frankfurter Dom von nicht weniger als einer „Kernschmelze der Kirche“. Nach einem solchen Vorfall werde kein Stein auf dem anderen bleiben, sagte er voraus.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Alle Erfahrungen mit der katholischen Kirche lehren, dass sich der Dekan in doppelter Hinsicht irren dürfte. Wörtlich genommen, ist nicht zu erwarten, dass eine Abrissbirne die bisherigen Baufortschritte auf dem Domberg niederreißen wird. Und auch im übertragenen Sinne ist höchst unwahrscheinlich, dass die Finanzen der katholischen Kirche grundlegend neu geordnet werden. Warum auch? Viele der deutschen Bistümer zählen zu den reichsten der Welt. Da sind die 31 Millionen Euro für den neuen Bischofssitz – um es mit den Worten eines ehemaligen Chefs der Deutschen Bank zu sagen – „nur Peanuts“.

          Auf gewaltige 430 Milliarden Euro schätzt Kirchenkritiker Carsten Frerk das Vermögen der Kirchen in Deutschland, davon soll rund ein Drittel Kapitalvermögen sein. Der Berliner Politologe hat jahrelang zu deren Finanzen recherchiert und schließlich das „Violettbuch Kirchenfinanzen“ geschrieben. Ob seine Schätzung auch nur annähernd zutrifft, lässt sich von außen nicht beurteilen. Das Problem ist, dass nur der Bistumshaushalt öffentlich ist. Das eigentliche Vermögen eines bischöflichen Stuhls bleibt vertraulich. In der Regel kennen nur der Bischof und seine engsten Vertrauten die Zahlen.

          Das Vermögen kennen oft nur der Bischof und seine Vertrauten

          Auch die evangelischen Landeskirchen haben ihre Finanzen bislang in einen öffentlichen Verwaltungshaushalt und einen nicht-öffentlichen Vermögenshaushalt getrennt. Allerdings stellen die Protestanten gerade auf das neue kirchliche Finanzwesen um, in dem Vermögenswerte und Schulden in einer Bilanz aufgeführt werden. Für Frerk, den die Kirchen als voreingenommen und atheistisch abkanzeln, liegt der Grund für die bisherige Geheimniskrämerei auf der Hand: „Für die Geschäftsidee der großen Kirchen ist Transparenz sehr schädlich. Einer reichen Organisation spendet niemand Geld.“ Die Deutsche Bischofskonferenz konnte am Dienstag keine Angaben zum kirchlichen Vermögen machen. Eine Begründung dafür, warum es in fast allen Bistümern geheim gehalten wird, war auch nicht zu erhalten.

          Sollten die Vermögenswerte jemals vollständig öffentlich werden, dürfte eine Tintenpatrone nicht ausreichen, um die einzelnen Positionen auszudrucken. Das über Jahrhunderte angesammelte Vermögen ist vielseitig angelegt, vor allem in Grundstücken, Immobilien, kirchlichen Banken und Tausenden Beteiligungen. Hinzu kommen Erträge aus Erbschaften und Stiftungen, die meist ebenfalls dem bischöflichen Stuhl zugeordnet werden.

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