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F.A.Z.-Exklusiv : Die Bahn zahlt Frauen mehr als Männern – manchmal

Stößt mit ihrem Gesetzesentwurf auf Gegenwind: Manuela Schwesig (SPD) Bild: dpa

Die große Koalition streitet über das Lohngleichheitsgesetz. Die Deutsche Bahn hat schon mal nachgeprüft. Doch was kam dabei bei dem Großkonzern heraus? Das Ergebnis ist interessant.

          Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) stößt mit ihren Plänen für ein Gesetz gegen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern auf starke Widerstände in der großen Koalition. Ein Gesetzentwurf, den sie im Herbst fertiggestellt hatte, fand bisher keine Billigung, weil die dort vorgesehenen neuen Berichts- und Transparenzvorschriften die Unternehmen aus Sicht der Union stärker belasten würden als politisch vereinbart war. In den kommenden Wochen wollen Regierungspartner nun jedoch mit einer Arbeitsgruppe auf Spitzenebene eine Lösung suchen, wie nach dem Koalitionsgipfel vom Dienstagabend aus dem Kreis der Beteiligten zu hören war.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Deutsche Bahn, die mit 300.000 Beschäftigten und dem Staat als Eigentümer stets unter besonderer Beobachtung steht, hat schon unabhängig davon die Verhältnisse im eigenen Haus näher untersucht. Die interne Prüfung bezog sich auf die insgesamt fünf Führungsebenen. Die Ergebnisse, die dieser Zeitung vorliegen, fallen nach Auffassung des Managements zufriedenstellend aus. Der Kernsatz lautet: „Frauen und Männer in Führungspositionen verdienen bei der Deutschen Bahn gleich.“

          Bei genauem Hinsehen zeigten sich je nach Führungsebene zwar durchaus kleinere Unterschiede zwischen den Vergütungen. Diese Unterschiede hatten aber offenbar keine erkennbare Schlagseite zu Lasten der weiblichen Beschäftigten – im Gegenteil: Auf der dritten Führungsebene, so die Erkenntnis, liegen die Grundgehälter der dort tätigen Frauen sogar um 2 Prozent über dem Vergleichsniveau der männlichen Kollegen. Unter den Tarifbeschäftigten sei die Gleichbezahlung gleichwertiger Tätigkeiten im Grundsatz ohnehin durch die Tarifverträge sichergestellt.

          Frauenanteil von derzeit 23 auf 25 Prozent steigern

          „Wir haben bei der Vergütung klare und faire Spielregeln“, stellt Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber fest. „Wir bezahlen nach Verantwortung, Kompetenzen und Erfahrung, das Geschlecht darf dabei keine Rolle spielen.“ Was vor diesem Hintergrund von den Plänen aus dem Hause Schwesig zu halten sei, will Weber auch auf Nachfrage nicht bewerten. Schwesig könnte sich indes bestätigt sehen, dass der in ihrem Gesetz enthaltene Ansatz einer Prüfung möglicher Lohnungleichheiten mit Hilfe von Auskunftsrechten und Berichten offenbar auch in den Unternehmen selbst auf Interesse stößt.

          Den ursprünglichen Anlass für die Prüfung bei der Bahn lieferte freilich ein anderes Gesetzeswerk, das schon in Kraft getreten ist: die neue Frauenquote. Sie stellt das Unternehmen vor die Aufgabe, quer durch alle Konzernbereiche mehr Frauen für Führungspositionen zu finden. Vor diesem Hintergrund habe man sichergehen wollen, dass dem nicht eine unerkannte Benachteiligung von Frauen in Lohnfragen im Wege stehe, heißt es. Daneben wurden neue Modelle für flexible Karrierewege und Arbeitszeitgestaltungen auf den Weg gebracht.

          Das Ziel der Bahn ist es, den Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft bis 2020 von derzeit 23 auf 25 Prozent zu steigern. Auf den Führungspositionen beträgt der Anteil derzeit gut 18 Prozent und soll auf 20 Prozent steigen. Die aktuelle Untersuchung der Lohnverhältnisse soll deshalb kein Sonderfall bleiben. Vielmehr werde die Entwicklung von nun an jedes Jahr überprüft, kündigte Weber an.

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