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Deutsche Bahn : Mehdorn verhandelt über Umzug nach Hamburg

  • Aktualisiert am

Vom Potsdamer Platz an die Alster? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Deutsche Bahn wird mit ihrer Konzernspitze möglicherweise von Berlin nach Hamburg umziehen. Bahnchef Mehdorn und Hamburgs Erster Bürgermeister von Beust haben entsprechende Verhandlungen bestätigt. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit kritisiert die Pläne.

          Die Deutsche Bahn AG erwägt, ihre Konzernzentrale von Berlin nach Hamburg zu verlegen. Bahnchef Hartmut Mehdorn und Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) teilten am Freitag mit, derzeit würden Gespräche über eine Verlagerung geführt.

          Es gebe aber bisher keine endgültige Entscheidung. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kritisierte die Pläne der Bahn und forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu auf, einzugreifen.

          Traditionell gewachsener Standort

          In Mehdorns Mitteilung heißt es, eine „Verlagerung zentraler Funktionen“ der Bahn nach Hamburg sei im Gespräch, weil sich die Hansestadt „vor allem im Bereich der weltweiten Logistik als traditionell gewachsener und damit geradezu natürlicher Standort anbietet, in den die Bahn dann auch investieren würde“. Für Hamburg enthalte das Vorhaben auch interessante städtebauliche Aspekte. Es werde weiter intensive Gespräche geben.

          Die Bahn verläßt die Hauptstadt

          Von Beust und Mehdorn kündigten außerdem an, daß sich die Bahn „in einem stufenweisen Verfahren“ an der Hamburger Hafengesellschaft sowie dem Nahverkehrsunternehmen Hamburger Hochbahn (HHA) beteiligen wolle. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLa) ist ein führendes Unternehmen der Seeverkehrswirtschaft, das nicht nur am Hafenumschlag beteiligt ist, sondern auch am sogenannten Hafen-Hinterlandverkehr über Bahnstrecken. Die Bahn will damit ihre Position in der Logistik sowie im Regional- und Stadtverkehr absichern.

          Wowereit: „Schwerer Schlag für die Region“

          Ein Umzug der Bahn-Zentrale wäre ein schwerer Schlag für die ganze Region, sagte Wowereit am Freitag. „Es kann nicht hingenommen werden, daß das bundeseigene Unternehmen Bahn den Standort Berlin im Stich läßt.“ Von Merkel erwartet Wowereit nun „Einsatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen im strukturschwachen Ostdeutschland“.

          Der Regierende Bürgermeister äußerte Zweifel daran, daß die Entscheidung vom Vorstand der Bahn allein getroffen worden sei. Eine derart wichtige Entscheidung könne nicht ohne das ausdrückliche Einverständnis des Eigentümers erfolgen.

          Die Bahn, die ihre Zentrale erst 1994 von Frankfurt nach Berlin verlegt hat, beschäftigt in Berlin und Brandenburg rund 20.000 Mitarbeiter. In der Konzernzentrale am Potsdamer Platz arbeiten rund 800 Beschäftigte. Der Mietvertrag läuft 2009 aus.

          Bahn wirklich privatisierungsfähig?

          Im Hamburger Rathaus hieß es am Freitag, über die Höhe der Beteiligung der Bahn werde noch verhandelt. Eine Mehrheitsbeteiligung des Konzerns wird dabei offenbar nicht ausgeschlossen. Die Stadt will durch eine solche Beteiligung die Zukunft der Unternehmen sichern. Die Beteiligung weiterer Investoren sei willkommen, sagte von Beust. Beim geplanten Einstieg in das Nahverkehrsunternehmen HHA, das unter anderem die U-Bahn in Hamburg betreibt, dürfte das Bundeskartellamt ein Wort mitzureden haben, das die Expansion der Bahn in dieser Sparte skeptisch beobachtet.

          Veränderungen werde es auch bei der S-Bahn geben, die derzeit schon von der Bahn betrieben wird, hieß es. Sie solle stärker in das Bahnnetz integriert werden. Die Gespräche seien auf einem „sehr konstruktiven und erfolgversprechenden Weg, ohne daß es bisher endgültige Entscheidungen gibt“, betonten beide Seiten.

          „Nukleus des deutschen Nahverkehrs“

          Hamburg wolle bei den Verhandlungen sicherstellen, sagte von Beust, daß beide Unternehmen weiter ihre angestammten Aufgaben im Sinne der Stadt erfüllten. Allein bei der HHLa seien für die nächsten Jahre ohnehin Investitionen von etwa einer Milliarde Euro geplant.

          Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) sagte, Hamburg würde zu einem „Nukleus des deutschen Nahverkehrs“ werden, zum anderen der bedeutendste Logistikstandort in Deutschland. Von Beust erwartet offenbar heftigen Widerstand aus der Politik. Peiner sagte ferner, das Vorhaben werde zeigen, ob die Bahn privatisierungsfähig sei oder ob die Politik Unternehmensentscheidungen beeinflusse.

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