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Deutsche Bahn : ICE-Strecke Köln-Frankfurt wird zum Millionengrab

  • Aktualisiert am

Haarrisse an den Gleisen bereiten der Bahn Kopfzerbrechen Bild: ddp

Nicht nur die Streiks setzen der Bahn derzeit zu. Laut Fachleuten erfordert unerwartet starker Verschleiß einen Austausch fast aller Schienen auf der Vorzeigestrecke zwischen Köln und Frankfurt.

          Eine der Vorzeigeverbindungen der Deutschen Bahn AG, die ICE3-Strecke zwischen Frankfurt und Köln, entwickelt sich für den Konzern zu einem Millionengrab. Nach Recherchen des Deutschen Depeschendienstes müssen in den kommenden zwei Jahren die Schienen auf nahezu der gesamten zweigleisigen, 180 Kilometer langen Strecke vorzeitig ausgetauscht werden. Der Grund dafür ist nach Angaben aus Bahnkreisen die enorme Belastung der Schienen, die sich aus dem hohen Tempo der Züge, der Beschaffenheit des Geländes und der modernen Zugtechnik ergibt. Fachleute schätzen die Kosten für den Schienenaustausch auf 60 bis 80 Millionen Euro.

          Die Bahn teilte auf Anfrage lediglich mit, es gebe bisher keine Planungen, die Schienen auszutauschen. Den besonderen Anforderungen „an diese hoch beanspruchte Strecke“ werde durch ein „intensives Präventionsprogramm“ mit regelmäßigen Schleifarbeiten Rechnung getragen. Der Verlauf einer Trasse beeinflusse die Abnutzung einer Schiene nicht.

          „Headchecks“ setzen den Schienen zu

          Schienenspezialisten innerhalb und außerhalb des Bahnkonzerns, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Bahn AG nicht genannt werden wollen, bezeichneten diese Aussage aber als „nicht nachvollziehbar“. Die Anzahl von Kurven, Steigungen und Gefällen sowie die Geschwindigkeit seien für den Verschleiß der Stahlschienen von entscheidender Bedeutung. Genau diese Faktoren prägen die ICE3-Strecke Köln-Frankfurt: Sie ist für Hochgeschwindigkeiten von etwa 300 Stundenkilometern ausgelegt, kurvenreich und hat teilweise ungewöhnlich starke Steigungen und Gefälle.

          Den Dom im Blick: In einer Stunde und 16 Minuten gelangt man von Frankfurt nach Köln

          Feine Risse an den Schienenoberflächen, sogenannte Headchecks, bereiten Bahnunternehmen in Europa seit Jahren Kopfzerbrechen. Das Phänomen tritt zunehmend auf und hängt nach Angaben von Experten unter anderem mit der modernen Antriebstechnik neuerer Züge zusammen. Früher musste oft eine Lok den ganzen Zug in Bewegung setzen. Dabei drehten die Räder leicht durch, ein Teil der Antriebskraft ging verloren. Heute sorgen Anti-Schlupfregelungen dafür, dass die Antriebskraft voll auf die Schiene übertragen wird. Das Material wird dabei aber viel stärker belastet.

          „Das war so nicht kalkuliert“

          Außerdem verfügen bei modernen Triebzügen nicht nur die Loks über einen Antrieb, sondern auch etliche der Waggonachsen. Dadurch wird die Kraftübertragung auf die Schiene erhöht, was diese stärker belastet. Dieses Problem wird nach Angaben von Bahnkennern durch die hohe Geschwindigkeit und die Topographie auf der Strecke Köln-Frankfurt noch verschärft. Dort würden Headchecks so oft auftreten, dass die Schienen drei- bis viermal häufiger geschliffen werden müssten als ursprünglich angenommen. Dabei werde jeweils etwa ein Millimeter Stahl abgetragen.

          „Diese Belastungen und Auswirkungen waren so nicht kalkuliert“, sagte ein Bahnfachmann. „Da entwickelt sich offenbar eine Dynamik, der das Material nicht lange genug standhalten kann.“ Die Folgen sind nach übereinstimmender Aussage mehrerer Experten dramatisch: Statt nach erwarteten etwa 12 bis 15 Jahren müssten die Schienen auf nahezu der gesamten, erst im Jahr 2002 fertiggestellten Strecke bereits nach sechs oder sieben Jahren ausgetauscht werden. Der Austausch eines Meters Schiene kostet etwa 90 Euro. Insgesamt sind auf der Strecke rund 700.000 Meter Schienen verbaut.

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