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Desertec und Nabucco : Auf der Suche nach einer sicheren Energieversorgung

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Bild: F.A.Z.

Gleich zwei Milliardenvorhaben wurden am Montag vorgestellt: das Wüstenstrom-Projekt und die Nabucco-Pipeline. Beide Projekte sind visionär. Doch während Wüstenstrom Zukunftsmusik ist, könnte die Nabucco-Leitung den Weg in die russische Gasknechtschaft deutlich verringern. Ein Kommentar von Andreas Mihm.

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          Internationale Konzerne haben jetzt gleich zwei milliardenschwere Infrastrukturprojekte für die Energieversorgung Europas vorgestellt: das Desertec-Programm zur Nutzung von Sonnenenergie aus den Wüstenregionen Afrikas und die Gaspipeline Nabucco, die Erdgas aus dem kaspischen Becken über die Türkei und den Balkan nach Mitteleuropa transportieren soll. Beide Projekte sind bemerkenswert, visionär und auf jeden Fall ambitioniert.

          Das Wüstenstromprojekt ist ferne Zukunftsmusik — auch wenn die damit einhergehenden klima- und umweltpolitischen Verheißungen noch so süß klingen mögen. Die technischen Voraussetzungen für den Bau von Kraftwerken und Leitungen mögen gegeben sein, doch müssen sie im großen Maßstab erst erprobt werden.

          Hat jemand schon einmal die beteiligten Länder gefragt? Die werden darauf dringen, den sauberen Strom zunächst für die eigene Entwicklung zu nutzen. Auch müssen für Kraftwerke und Leitungen gigantische Summen bereitgestellt werden; die Rede ist von 400 Milliarden Euro.

          Billig wird die saubere Wüstenenergie nicht. Das wissen auch die beteiligten Versicherungs-, Industrie- und Energiekonzerne. Bis auf weiteres dürfte ihnen die Vision vom kohlendioxidfreien Sahara-Strom eher helfen, sich grün anzumalen. Ob es die Versorgungssicherheit erhöht, Strom zu importieren, statt hierzulande zu erzeugen, darf nach den verschiedenen Erdgaskrisen unter Beteiligung der Ukraine auch bezweifelt werden.

          Deshalb ist der Bau der Nabucco-Gasleitung so wichtig. Sie verhindert den Weg in die russische Gasknechtschaft zwar nicht, könnte sie aber deutlich verringern. Das gilt sowohl für die Europäer als auch die potentiellen Lieferländer wie Aserbaidschan, Turkmenistan oder Kasachstan. Wenn die Europäer dort ihr Gas direkt einkaufen, kann das auch die Unabhängigkeit der Staaten in Russlands Hinterhof stärken.

          Entsprechend groß ist das Interesse Russlands, weiter den Zugriff auf deren Gasfelder zu behalten. Die Politik hat das, wenn auch spät, erkannt und Nabucco auf die Beine geholfen. Die Bundesrepublik hat ihre diplomatischen Aktivitäten im kaspischen Becken verstärkt, die EU den Druck auf die Türkei erhöht. Das jetzt in Ankara unterzeichnete Regierungsabkommen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Versorgungssicherheit. Eine Garantie ist es nicht.

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