https://www.faz.net/-gqe-8dczh

In Grafiken : Was kostet Bargeld? Und was bringt’s?

Ein Mitarbeiter eines Gelddruckkonzerns nimmt eine Qualitätskontrolle an frischen Zehn-Euro-Scheinen vor. Bild: dpa

Der 500-Euro-Schein steht kurz vor dem Schredder, den Gebrauchtwagen darf man vielleicht bald nicht mehr bar bezahlen – Münzen und Scheine haben es schwer. Warum? Und warum lohnt sich Bargeld trotzdem? Ein Überblick.

          Dürfen wir einen Gebrauchtwagen bald nicht mehr bar bezahlen? Die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins sorgen derzeit für Gesprächsstoff – und sie sind nicht der einzige Angriff auf das Bargeld. Schon kommende Woche diskutiert im Bundestag der Finanzausschuss über eine Obergrenze für Barzahlungen.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der frühere Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier glaubt, eine Abschaffung des Bargelds sei verfassungswidrig, die Bundesbank warnt vor einem Vertrauensverlust der Deutschen in die europäische Währung und die Deutschen selbst wollen sich ihr Bargeld erst gar nicht nehmen lassen.

          Warum die Deutschen ihr Bargeld behalten wollen

          In der Diskussion um Obergrenzen oder gar die Abschaffung des Bargeldes wird vor allem eines sehr deutlich: Die Deutschen hängen an Münzgeld und Banknoten. Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten bevorzugt das bargeldlose Bezahlen mit Kredit- oder Giro-Karte und nur drei Prozent bezahlen am liebsten mit einem mobilen Zahlungsmittel.

          In einer anderen Umfrage haben sich im vergangenen Jahr drei Viertel der Befragten dagegen ausgesprochen, dass Deutschland dem Weg Dänemarks folgt, das Händlern die Annahme von Bargeld inzwischen freistellt. Warum?

          Die Gründe für die Vorliebe der Deutschen für haptisch fühlbares Geld scheinen naheliegend zu sein: Geldaufbewahrungsfunktion, Datenschutz und die direkte und schnelle Zahlweise an der Kasse - ganz ohne umständlich eine Pin eingeben zu müssen oder auf der Quittung zu unterschreiben. Doch ganz so einfach ist es nicht.

          Befragte, die eine EC-Karte bevorzugen, gaben Komfortgründe häufiger an, als jene, die am liebsten mit Bargeld bezahlen. Sicherheitsbedenken scheinen von allen Zahlungsmitteln am ehesten gegen das Bargeld zu sprechen: Wenn es gestohlen wird, kann jeder Dieb es sofort ausgeben, ohne dass er dafür noch eine Pin bräuchte und ohne dass seine Transaktionen nachverfolgt werden könnten. Eine EC-Karte erscheint den Befragten durch den Pin-Schutz dann doch sicherer - zumal sie nach einem Diebstahl durch einen kurzen Anruf gesperrt und damit nutzlos gemacht werden kann.

          Allerdings gaben auch 37 Prozent der Befragten an, auf Bargeld zurückzugreifen, weil die Händler kein anderes Zahlungsmittel akzeptierten. Zwar lässt sich seit einigen Jahren eine Entwicklung hin zum bargeldlosen Bezahlen auch in Cafés oder kleineren Lebensmittelgeschäften beobachten, doch Barzahlungen werden meist noch bevorzugt - und sind zudem gebührenfrei, während für Kreditkartenzahlungen oft eine Gebühr entrichtet werden muss. Für die Händler hingegen ist die Barzahlung nicht kostenlos: Nicht nur fallen Transportkosten und Personalkosten an, die Lagerung und der Transport wollen versichert sein. Auch Zinsverluste für frei umlaufendes Bargeld stellen Kosten dar für die Gesamtwirtschaft und jeden Einzelnen.

          Eine Obergrenze für Bargeldzahlungen würde in Deutschland dennoch keine Mehrheit finden. Das Bargeld komplett abzuschaffen, fänden nur acht Prozent der Befragten gut. 61 Prozent könnten auf die kleinen, kupferfarbenen Cent-Münzen verzichten. Beim 500-Euro-Schein sind es 45 Prozent.

          Die Händler würden das nicht unbedingt gut finden. Denn für sie wird es teurer. Nach Erkenntnissen des Einzelhandels-Instituts EHI kostet der Umgang mit Bargeld die Händler typischerweise rund zwei Promille vom Umsatz – für Wechselgeld, Transport und Einzahlung. Für Kreditkarten fallen rund 8 bis 10 Promille an, die an Banken und Kreditkarten-Anbieter gezahlt werden.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max wieder fliegen dürfen. Unter den Forderern ist auch Chesley "Sully" Sullenberger, der mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte schrieb.

          Topmeldungen

          Nur Verlierer: Taugt die neue Grundsteuer-Reform überhaupt?

          Mehrbelastung : Die neue Grundsteuer schafft viele Verlierer

          Die Reform der Grundsteuer hat zum Ziel, die Steuerzahler zukünftig nicht mehr zu belasten. Doch selbst wenn die Städte den Hebesatz anpassen, zahlen manche mehr.
          Rechnet sich die Bundesregierung den Haushalt schön?

          Vor Kabinettsbeschluss : FDP kritisiert unehrlichen Bundeshaushalt

          Am Mittwoch will das Kabinett den Bundeshaushalt für das kommende Jahr absegnen. Die Industrie ist unzufrieden mit den Plänen und fordert mehr Investitionen. Die FDP sieht dagegen Rechentricks und geplatzte Träume.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.