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Der ICE unterwegs nach Paris : Lange Schwangerschaft, schwere Geburt

ICE-Schaffner: Auf der internationalen Strecke müssen die Deutschen den Kaffee servieren Bild: dpa

Demnächst fährt der ICE nach Paris und der TGV nach Stuttgart. Deutsch-französische Rivalitäten gibt's trotzdem. Rauchen im Zug geht zum Beispiel nur auf deutschem Territorium. Und die französischen Schaffner weigern sich, Kaffee zu servieren.

          Einem Reisegast Kaffee servieren - das ist unter der Würde eines französischen Bahnschaffners. Wenn demnächst der ICE bis Paris fährt, werden in den gemischten Zugbesatzungen daher die deutschen Zugbegleiter diese Aufgabe übernehmen. Die Kollegen von der Staatsbahn SNCF haben sich, unterstützt von ihren Gewerkschaften, erfolgreich gegen die Mehrarbeit gewehrt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Zwist um den Kaffeeausschank ist nur ein Beispiel für die vielen Hürden, die Deutsche und Franzosen für ihr gemeinsames Gleisprojekt überwinden müssen. Alle Beteiligten sprechen von einer schweren Geburt. Einen Namen hat das Kind noch nicht. Es ist auch gut möglich, dass die SNCF und die Deutsche Bahn erst nach der Entbindung heiraten, ihr geplantes Gemeinschaftsunternehmen also nach der Aufnahme des Zugbetriebes gründen, heißt es in Führungskreisen beider Unternehmen.

          Endspurt mit Reibereien

          Immerhin zweifelt niemand mehr am 10. Juni 2007 als Geburtstermin. Der ICE wird dann täglich mit drei Zugpaaren (hin und zurück) die Strecke Frankfurt-Paris bedienen und der TGV dreimal täglich die Verbindung Paris-Stuttgart. Zur Eröffnung lockt die Deutsche Bahn mit einem zeitlich begrenzten Angebot für die Fahrt nach Paris ab Frankfurt, Mannheim oder Stuttgart von 29 Euro. Später soll die Fahrt in der zweiten Klasse 99 Euro kosten, in der ersten Klasse 171 Euro.

          Seit 1992 arbeiten Deutsche und Franzosen an dem Projekt - und kommen selbst im Endspurt nicht ohne Reibereien aus. Die Verträge für die Gründung des geplanten Gemeinschaftsunternehmens sind noch nicht unterschrieben, unter anderem weil die kartellrechtlichen Prüfungen auf europäischer Ebene noch laufen. Für die Namensfindung wurde nach internen Fehlversuchen eine Agentur beauftragt. Am 10. Juni beginnt auch noch nicht das einst versprochene Vollprogramm. Es setzt mit täglich fünf Verbindungen sowie einem zusätzlichen TGV-Angebot zwischen München und Paris erst am 9. Dezember ein. Dann erreicht der ICE zwischen Paris und Frankfurt auch seine geplante Fahrtzeit von 3 Stunden 50 Minuten; von Juni bis Dezember wird er noch rund 20 Minuten länger brauchen. Gegenüber den heute nötigen sechs Stunden ist die Zeitersparnis jedoch allemal erheblich.

          Rauchen im ICE? Nur auf deutschem Territorium!

          In den Zügen werden die Reisenden auf einige Neuerungen stoßen. Die Zugbegleiter werden nicht mehr an der Grenze wechseln, sondern in gemischten Teams durchgängig die Reisenden betreuen. Deutsche Lokführer werden den TGV und französische den ICE steuern. Die Ausbildung dafür, vor allem der Sprachunterricht, ist in vollem Gange. Gewisse Annäherungen haben beide Seiten geschafft: Die DB wird für die Fahrt von Frankfurt nach Paris eine Reservierung vorschreiben, ganz so wie es die SNCF für den TGV schon immer tut, und die Franzosen werden in der ersten Klasse des TGV eine warme Mahlzeit am Platz anbieten.

          Das Rauchen wird im ICE in den Raucherabteilen gestattet sein - aber nur auf deutschem Territorium, denn Frankreich hat den Tabakkonsum in öffentlichen Räumen verboten. Im TGV dagegen wird das Rauchen auch in Deutschland untersagt sein, denn in den französischen Zügen gibt es schon lange keine Aschenbecher mehr. Allerdings plant die DB, noch in diesem Jahr das Rauchen im ICE ganz zu verbieten, womit sich dieser deutsch-französische Unterschied auflösen würde, heißt es bei der DB.

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