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G-20-Gipfel : Im Zeichen des Terrors

Schweigeminute für die Pariser Terror-Opfer Bild: dpa

Das G-20-Treffen in Antalya wird als Gipfel im Schatten der Mordtaten von Paris in Erinnerung bleiben. Die Kanzlerin sagt zwar, man wolle sich die Tagesordnung nicht von den Terroristen diktieren lassen. Aber wer interessiert sich jetzt gerade für Klimapolitik?

          Die fürchterlichen Terroranschläge prägen das zweitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs aus den zwanzig wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt, das keine 48 Stunden später begann. Frankreichs Präsident François Hollande sagte seine Reise in die Türkei ab. Er muss in diesen Tagen der geschockten Nation Halt geben. Der Kampf gegen den Terrorismus und der Umgang mit der Flüchtlingskrise wurde deshalb sofort zum dominierenden Thema in Belek, ein paar Kilometer am Meer entlang von Antalya entfernt.

          Gleichwohl bemühte man sich zu demonstrieren, dass man nicht gewillt ist, sich die Tagesordnung von blutrünstigen Killern diktieren zu lassen. Also redete man vorher wie geplant über Klimaschutz, über Entwicklungsstrategien und die Wachstumsagenda. Aber wen interessiert das wirklich nach den Anschlägen in Paris?

          Über der Küste von Antalya lag somit von Anfang an ein Schatten. Die türkische Stadt am Mittelmeer liegt keine 600 Luftlinien-Kilometer vom syrischen Aleppo entfernt. Zur irakischen Grenze ist es etwa doppelt so weit. Das sind die beiden Staaten, in denen die Terrormilizen des selbsternannten „Islamischen Staates“ wüten. Nach Europa und erst recht nach Paris sind es zwar noch viele Kilometer mehr. Aber spätestens seit Freitag weiß man, dass solche Entfernungsangaben nichts mehr bedeuten.

          Auf einem anderen Feld haben die Deutschen das längst zu spüren bekommen. Die Türkei, die selbst schon deutlich mehr als zwei Millionen Flüchtlinge allein aus Syrien aufgenommen hat, ist der Startpunkt der sogenannten Balkanroute. Über diese kommen so viele Menschen, die vor Terror und Armut fliehen, nach Deutschland, dass sich die hiesigen Kommunen an der Grenze des Möglichen entlanghangeln müssen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in der Folge mit ihrer Willkommenspolitik unter erheblichen Druck geraten – nicht zuletzt aus den eigenen Reihen. Das Gipfeltreffen in der Türkei bietet ihr nun eine weitere Chance, mit Gastgeber Recep Tayyip Erdogan auszuloten, wie im Südosten der Europäischen Union die Grenze besser gegen illegale Übertritte geschützt werden kann. Der Terror in der französischen Hauptstadt zeigt, wie wichtig das ist: Es geht nicht nur um die Kontrolle des Flüchtlingszustroms, sondern auch darum, das Einsickern weiterer Terroristen zu verhindern. So bestimmen die Terroristen zwar nicht die Tagesordnung, aber doch alle Gespräche in Antalya.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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