https://www.faz.net/-gqe-8uzln

Debatte im Millionen-Einkommen : Jetzt sollen Aktionäre Manager-Gehälter eindämmen

  • Aktualisiert am

Die Gehälter von Managern könnten ein wichtiges Thema im Bundestagswahlkampf werden. Bild: dpa

In den großen börsennotierten Konzernen verdient ein Vorstand 57 Mal mehr als ein durchschnittlicher Mitarbeiter, sagt die Grünen-Fraktionschefin. Die Diskussion um Manager-Gehälter wird hitziger.

          In der hitzigen Debatte über Manager-Gehälter steuert die große Koalition auf eine Stärkung der Aktionäre wenn es darum geht, die Vergütungsmaßstäbe in ihren Unternehmen festzulegen. Redner von Union und SPD betonten an diesem Freitag im Bundestag, dies sei bereits im gemeinsamen Koalitionsvertrag vereinbart worden.

          Umstritten bleibt dagegen, ob die steuerliche Absetzbarkeit von Vorstandsgehältern gedeckelt werden kann. Während die SPD dafür ist, warnen Bundesregierung und Union vor verfassungsrechtlichen Problemen. Die Opposition forderte das Regierungsbündnis auf, Gehalts-Exzessen in Vorstandsetagen konsequenter einen Riegel vorzuschieben und dabei auch üppige Manager-Renten einzubeziehen.

          „Für Erfolge sind viele verantwortlich“

          Jüngster Anlass für den Streit ist eine Zwölf-Millionen-Euro-Zahlung an das ehemalige VW-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt. Die Managerin, frühere SPD-Landesministerin und Richterin hatte den Autohersteller nach nur einem Jahr verlassen.

          Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte, im Mittel der Dax-Konzerne verdienten Vorstände dort heute 57 Mal mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer. Solche Gehälter seien auch nicht mehr durch Leistung und Verantwortung zu rechtfertigen: „Auch in Dax-Konzernen gilt: Es sind immer viele Menschen verantwortlich für den Erfolg.“

          Die große Koalition sei jahrelang untätig gewesen und wache jetzt im Wahlkampf auf. Die Grünen wollen erreichen, dass Unternehmen Abfindungen nur noch bis zur Höhe von einer Million Euro und Gehälter bis zu 500.000 Euro als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen können.

          „Ehrgeiz zur Lohndrückerei“

          Ob sich Vorstandsgehälter dadurch deckeln lassen, ist jedoch umstritten, auch in der Opposition. Die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte, eine Begrenzung der Absetzbarkeit werde keinen Konzern von weiteren Exzessen abhalten. Besser sei, die Managervergütung an die Lohnentwicklung der untersten Lohngruppe im Unternehmen zu koppeln, etwa im Verhältnis 1 zu 20.

          Statt auf den Aktienkurs, würden die Manager dann stärker darauf achten, dass auch die Arbeitnehmer von der Entwicklung des Unternehmens profitierten. „Der Ehrgeiz, jede Möglichkeit zur Lohndrückerei auszunutzen, würde schnell ermatten.“

          Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Michael Meister sagte, unangemessene Leistungen für Vorstände seien ein Indiz, dass der Aufsichtsrat seine Verantwortung nicht wahrgenommen habe. Bei Volkswagen seien das auch die Aufsichtsratsmitglieder der von den Grünen in Niedersachsen mitgetragenen Landesregierung. Außerdem sollte in der Debatte nicht vergessen werden, dass das Grundgesetz Vertragsfreiheit und Tarifautonomie festschreibe. Möglich sei aber, die Verantwortung für die Vorstandsvergütung vom Aufsichtsrat in die Hauptversammlung der Aktionäre zu übergeben.

          Eine Begrenzung des steuerlichen Betriebsausgabenabzugs lehnte Meister ab. Dies würde zu einer Doppelbesteuerung bei Arbeitnehmer und Arbeitgeber führen. Außerdem müsse auch hier das Grundgesetz beachtet werden. In Deutschland wird der Umsatz minus Abschreibungen und Kosten besteuert, zu denen auch die Gehälter gehören. Juristen warnen, dieses „Nettoprinzip“ zu verletzen, könnte ohne gute Begründung verfassungswidrig sein.

          SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider hielt dagegen an einer Deckelung der Absetzbarkeit auf 500.000 Euro fest. Er kündigte dazu binnen zwei Wochen einen Gesetzentwurf an.

          Mit der Verlagerung der Vergütungsentscheidung in die Hauptversammlung sei man auf dem richtigen Weg. Außerdem solle ein Verhältnis zwischen der Managervergütung und dem Durchschnittsverdienst festgeschrieben werden. Sollte mit der Union keine Einigung gelingen, werde das Thema im Wahlkampf eine Rolle spielen.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.
          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.