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Bizarre Umzugs-Debatte : Brexit würde zu Tauziehen um Arzneimittelagentur führen

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Bizarre Folge der Brexit-Diskussion: Wohin mit der Arzneimittelagentur? Bild: AFP

Das Referendum über einen möglichen Brexit beschwört so manche Debatte herauf. Diese hier ist bizarr und bislang kaum beachtet.

          2 Min.

          So manch bizarren Streit hat der womöglich näherrückende Brexit schon hervorgebracht. Hier ist ein bislang noch kaum beachteter: Er dreht sich um die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Sie beurteilt und überwacht Medikamente und spielt eine zentrale Rolle in der Arzneimittelzulassung in der EU. Und: Sie sitzt ausgerechnet in London.

          Das wirft natürlich die Frage auf, wo sie künftig sitzen soll, falls Großbritannien nach einem „Brexit“ nicht mehr Teil der Gemeinschaft sein sollte. Und es weckt Begehrlichkeiten, wie das Wall Street Journal berichtet. Angeblich sollen sich Dänemark, Schweden und Italien für die Agentur mit rund 750 Mitarbeitern interessieren. Und sich jeweils schon eifrig in Stellung bringen, obgleich in allen drei Ländern betont wird, man wünsche sich natürlich in erster Linie einen Verbleib der EMA in Großbritannien.

          Die EU hat derzeit 37 so genannte dezentrale Agenturen. Das sind Einrichtungen mit meist eigener Rechtsfähigkeit, die Mitgliedstaaten und Bürger unterstützen sollen. Die Grenzschutz-Agentur Frontex etwa fällt darunter, die Polizeibehörde Europol und die Europäische Umweltagentur. Ihre Standorte sind über die ganze EU verteilt. Viele Länder beherbergern mehrere solcher Agenturen, Großbritannien tatsächlich nur eine einzige: eben die Arzneimittelagentur.

          Schweden, Dänemark – oder lieber Italien?

          Es ist wahrscheinlich, dass sie umziehen müsste, wäre Großbritannien nicht mehr Teil der Gemeinschaft. Doch wohin? Für Schweden als künftigen Sitz des Medizin-Regulierers spräche, dass die dortige nationale Arzneimittelagentur schon häufiger als alle anderen nationalen Agenturen den Vorsitz über Zulassungsprüfungen von Arzneimitteln in der EU hatte. „Es geht um Prestige und um ein positives Signal an die Pharmaindustrie“, sagte Anders Blanck, Chef des obersten schwedischen Pharmaverbandes.

          Nachdem aber gleich zwei große schwedische Pharmaunternehmen, Astra und Pharmacia schon in den Neunzigerjahren an das Ausland verkauft wurden, könnte Dänemark einen relativen Vorteil haben. Hier sitzen noch zwei Branchengrößen: Novo Nordisk und H. Lundbeck. Henrik Vestergaard, der stellvertretende Chef des dortigen Branchenverbandes sagte, Kopenhagen sei ein Zentrum der Pharmaindustrie, das auch Teile von Südschweden mit umfasse, da in Göteborg ein großes Forschungs- und Entwicklungszentrum von Astra Zeneca sitzt. Trotzdem gibt es ein gewichtiges Argument gegen Dänemark als Sitz für die Agentur: In dem Land selbst gibt es heftige Diskussionen über einen möglichen EU-Austritt. So zöge die EMA abermals in eine unsichere Zukunft.

          Bliebe Italien. Luca Pani, Chef der italienischen Arzneimittelregulierungbehörde AIFA sagte: Gerade weil sein Land keinen einheimischen Pharmariesen beherberge, sei es prädestiniert als Sitz für die Arzneimittelagentur: So gebe es kein wichtiges Unternehmen der Brache, das von der neuen Nachbarschaft zur EMA profitieren könne. Allerdings sei Italien ein sehr wichtiges Herstellungsland vieler multinationaler Arzeimittelkonzene und – pro Kopf gerechnet – der größte Medikamentenexporteur der Welt, so Pani. „Made in Italy gilt längst nicht nur für Gucci und Prada“, sagte er.

          Ein Umzug könnte zu vielen Kündigungen von Mitarbeitern führen

          Egal für welches Land die Entscheidung fiele, ein Umzug der Arzneimittelagentur werde eine sehr „schmutzige Angelegenheit“, sagte Richard Bergström, Chef des Europäischen Pharmaverbandes (EFPIR). Eine riesige Anzahl von Spezialisten könnte die Agentur verlassen, so sie in ein anderes Land gehe, befürchtet er. Dabei könne wichtiges Wissen verloren gehen.

          Eine EMA-Sprecherin sagte dem „Wall Street Journal“, es ergebe zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn über den Ausgang des britischen Referendums und die Konsequenzen zu spekulieren, doch sie fügte hinzu: Wie auch immer die Entscheidung ausfalle, die politische Debatte in Großbritannien werde die EMA nicht davon abhalten, ihre Pflichten weiterhin zu erfüllen.

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