https://www.faz.net/-gqe-14bwb

Datenschutz : Missbrauch der Jobbörse der Arbeitsagentur

Anonyme Bewerber? Offenbar sind nicht alle Nutzer der BA-Online-Jobbörse anonym geblieben Bild: AP

Die Bundesagentur für Arbeit reagiert auf einen abermaligen Fall von Datenmissbrauch und verschärft die Zulassung für ihre Internet-Jobbörse. Zuvor hatte die BA bekannt gegeben, dass 2500 fiktive Stellenangebote auf dem Internet-Portal gelandet seien - offenbar um Bewerberdaten abzuschöpfen.

          2 Min.

          Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist Ziel eines großangelegten Datenmissbrauchs geworden. Wie die Behörde am Dienstag mitteilte, soll das Berliner Personalberatungsunternehmen Econsulting24 Ltd. 2500 fiktive Stellenangebote auf das Internet-Portal gestellt haben, um an die Daten möglicher Bewerber zu gelangen. Die Bundesagentur reagierte auf diesen und ähnliche Vorfälle und verschärft die Zulassungsbedingungen für Arbeitgeber, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker gegenüber der F.A.Z. sagte. Künftig soll die Pflicht zur Angabe der Betriebsnummer dubiose Anbieter abschrecken. Diese Kennzahl braucht jedes Unternehmen mit Angestellten unter anderem zur Abrechnung mit den Sozialkassen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          „Gegebenenfalls müssen die Unternehmen auch noch weitere Unterlagen nachreichen“, sagte Becker. Damit kommt die Behörde einer Forderung von Datenschützern nach. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte erst kürzlich vor dem zu laxen Zulassungverfahren gewarnt. Ein Sprecher Schaars zeigte sich mit der Neuregelung zufrieden.

          Größter bekanntgewordener Verdachtsfall

          Die Vorgänge um Econsulting24 sind der mit Abstand größte bekanntgewordene Verdachtsfall von Datenmissbrauch im Zusammenhang mit der Jobbörse. Nachdem das Unternehmen während einer routinemäßigen Kontrolle aufgrund der hohen Stellenzahl aufgefallen war, versuchten Agenturmitarbeiter Kontakt aufzunehmen und die Angaben zu überprüfen. Weil dies nicht gelang, wurde das komplette Arbeitgeberprofil in der Nacht zum Dienstag aus der Datenbank gelöscht, sagte eine Behördensprecherin.

          Die Stellen richteten sich an Ärzte, Sozialpädagogen, Ingenieure, Manager und Piloten. Zudem wurden rund 500 weitere Angebote von Schwestergesellschaften entfernt, für die der gleich Verdacht bestand. Econsulting24 war auch am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen. Es ist nicht der erste derartige Vorfall. Im Winter hat die BA einen privaten Arbeitsvermittler gesperrt.

          Jobbörse umfasst Profile von mehr als 3,8 Millionen Bewerbern

          Derzeit umfasst die Jobbörse die Profile von mehr als 3,8 Millionen Bewerbern und Angebote von mehr als 400.000 Arbeitgebern. Die meisten Stellen werden über örtliche Arbeitsagenturen eingegeben, die für die Unternehmen auch eine Vorauswahl unter den eingehenden Bewerbungen treffen. Jedes dritte Angebot wird aber von Arbeitgebern direkt ins Netz eingespeist. Vor allem von diesen Eingaben sortiert ein zehnköpfiges Team der BA offiziellen Angaben zufolge 100 bis 200 in der Woche aus, weil Zweifel an deren Seriosität bestehen.

          Generell bestehe die Gefahr fiktiver Stellenangebote natürlich auch bei privaten Internetplattformen oder Zeitungsinseraten, räumen die Datenschützer ein. „Geschieht dies auf der Seite einer offiziellen Behörde, bekommt das aber nochmal eine andere Qualität“, sagte Schaars Sprecher. In der Regel handele es sich bei Arbeitssuchenden um Personen, die sich in einer gewissen Zwangslage befänden. Allein aus dieser Information lasse sich mitunter schon Kapital schlagen, etwa für Anbieter vermeintlich attraktiver Kredite. Noch heikler werde es, wenn sensible Daten etwa über die Lebensumstände oder den Gesundheitszustand der Arbeitssuchenden in falsche Hände gerieten. Deshalb rät der Datenschützer verunsicherten Benutzern, mit Angaben im Profil sparsam umzugehen, da viele Felder nicht ausgefüllt werden müssen.

          Weitere Themen

          Volkswagen drohen neue Strafen in Amerika

          Abgasskandal : Volkswagen drohen neue Strafen in Amerika

          Der Autokonzern erleidet eine Niederlage vor einem amerikanischen Berufungsgericht. Die Entscheidung könnte aus Sicht der Richter zu weiteren „atemberaubenden Belastungen“ für VW führen.

          Eckhard Schulz stellt sie noch her

          Steeldrums : Eckhard Schulz stellt sie noch her

          Der Dortmunder ist ein Urgestein des Instrumentenbaus. Er erzählt, wie es dazu kam, dass er Steeldrums baut und die inzwischen so angesagten Handpans.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende April in Berlin

          Machtkampf in der Union : Das Ende der Zerrissenheit?

          Merkel und Söder schrauben sich und ihre Parteien laut Umfragen in ungeahnte Höhen. Die Suche nach einem CDU-Vorsitzenden und einem Kanzlerkandidaten macht das immer schwerer.
          Wohin soll das Geld gehen? Jakob Blasel sagt: in die Zukunft. Zum Beispiel in die Windkraft.

          Fridays for Future : Verspielt nicht unseren Wohlstand!

          Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart. Deutschland wird Unternehmen retten müssen. Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel sagt: Da hat die junge Generation ein Wörtchen mitzureden. Sie zahle ja auch die Zeche. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.