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Das Lego-Prinzip : Autoindustrie vor Fusionswelle

  • -Aktualisiert am

Fiat-Chef Sergio Marchionne Bild: REUTERS

Unter ihrem Blechkleid werden die Automodelle immer gleicher: Warum die Fusion von Fiat und Chrysler der Auftakt für weitere Zusammenschlüsse in der Autoindustrie werden könnte.

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          Als bekennender Krawattengegner ist Sergio Marchionne bekannt für seine immergleichen schwarzen Pullover sowie die gleichzeitige Nutzung von fünf verschiedenen Blackberrys und den ständigen Konsum von Espresso. Mit all diesen Attributen hat er sich als rastloser Vorstandsvorsitzender des italienischen Autokonzerns Fiat im Gedächtnis der Branche eingeprägt. Jahrelang pendelte Marchionne zwischen dem Fiat-Stammsitz in Turin und der Konzernzentrale von Chrysler in Auburn Hills. Er war ständig unterwegs, schlief zeitweise öfter im Flugzeug als zu Hause, um die beiden Unternehmen zusammenzuführen. Erst jetzt ist er am Ziel: Fiat übernimmt Chrysler komplett, es entsteht der siebtgrößte Autokonzern der Welt. Nur Toyota, General Motors, Volkswagen, Renault-Nissan, Hyundai und Ford verkaufen noch mehr Autos als die italienisch-amerikanische Allianz.

          Doch was ist der Treiber hinter solchen Fusionen? Immer wieder suchen die Autokonzerne nach neuen Größenvorteilen. Es geht darum die Milliardensummen für die Entwicklung neuer Antriebstechnologien – vom Benziner über den Diesel und den Hybrid bis hin zu Elektroauto und Brennstoffzelle – auf eine möglichst große Zahl an verkauften Autos zu verteilen. Nur so können die Unternehmen den Kunden im Wettbewerb gute Preise bieten.

          Standardisierung spart Geld

          Als eine der wichtigsten Folgen aus der Jagd nach Größenvorteilen dürfte sich die Anzahl der Grundgerüste – im Fachjargon: „Plattformen“ –, auf denen verschiedene Automodelle aufbauen, verringern, um dadurch die Kosten zu senken. Die Autokonzerne bauen möglichst viele verschiedene Modelle auf der Basis von möglichst wenigen Plattformen.

          Dem gleichen Zweck dient der vermehrte Einsatz von Baukastensystemen mit Komponenten, die nach dem Lego-Prinzip funktionieren: so viel Standardisierung wie möglich, so viel Vielfalt wie nötig. Trotz der verwirrenden Vielfalt der neuen Modelle auf den Automessen unterscheiden sich die Autos unter ihrem Blechkleid im Kern also immer weniger, dafür stärker an der Oberfläche.

          Studie: Von 32 Herstellern werden nur 6 unabhängig bleiben

          Die Fusion von Fiat und Chrysler könnte einer Studie zufolge der Auftakt für weitere Zusammenschlüsse in der Autoindustrie werden. Wie aus einer Erhebung der Beratungsfirma KPMG hervorgeht, schätzen Führungskräfte, dass von zuletzt weltweit 32 Herstellern lediglich sechs dauerhaft unabhängig bleiben werden. Der Rest werde wahrscheinlich von stärkeren Konzernen geschluckt oder sich zu Allianzen verbünden, um zu überleben.

          Bilderstrecke

          Zu den sechs Firmen mit den größten Chancen auf Eigenständigkeit zählten die befragten Manager BMW, Volkswagen, Toyota den koreanischen Hersteller Hyundai mit der Schwestermarke Kia sowie den indischen Autohersteller Tata Motors und den amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla. Die japanischen Marken Mazda, Isuzu und Subaru werden der Umfrage zufolge als Übernahmekandidaten eingestuft. Auch bei den zahlreichen chinesischen Herstellern wird mit einer Konsolidierung gerechnet.

          Die große Mehrheit der Unternehmen aus der Automobilbranche will laut der KPMG-Umfrage in den kommenden fünf Jahren aus eigener Kraft wachsen (84 Prozent) und setzt dabei vor allem auf die Entwicklung neuer Technologien (89 Prozent). Der Weg in die Elektromobilität führt den Befragten zufolge über Fahrzeuge mit so genannter Plug-in-Hybrid-Technologie – also Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb und einer an der Steckdose aufladbaren Batterie kombinieren.  „An der Technologieführerschaft wird sich die Frage entscheiden, welches Unternehmen es schafft, unabhängig zu bleiben“, sagt Mathieu Meyer, Leiter der globalen Autosparte bei KPMG. Sowohl der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors als auch der Plug-in-Hybridtechnik kommte hierbei in den kommenden Jahren die entscheidende Rolle zu. Ein guter Ruf alleine werde auf Dauer jedenfalls nicht mehr ausreichen, um sich als selbständige Marke am Markt behaupten zu können, glaubt Meyer.

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