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Krisengewinnler : Das große Geschäft mit den Flüchtlingen

Migranten drängen sich an einem Bus am Hafen von Piräus bei Athen. Bild: AFP

Nicht nur Schlepper verdienen an der Not, sondern auch staatliche und private Transportbetriebe auf dem Balkan. Einige sagen: „Hoffentlich kommen bald wieder mehr Flüchtlinge.“

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          Sie saßen alle im selben Boot, Ahmad Elewa aus Damaskus, Nader Alsayed aus Tartus und Bassam Hammadi aus Homs. Vor ihrer Flucht aus Syrien kannten sie sich nicht, doch seit der gemeinsamen Fahrt auf einem überladenen Kutter über die Ägäis sind sie enge Gefährten. Freunde in der Not.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          In der Türkei vertrauten sie sich demselben Schlepper an. Zuerst versteckte er sie in den Wäldern bei Çanakkale, dort, wo die Dardanellen am engsten sind – und wo es in diesen Nächten kaum wärmer als zwei, drei Grad wird. Kurz vor dem Jahreswechsel fuhr die frierende Gruppe die Küste hinunter Richtung Süden. Dort setzte der Schleuser sie in einer stockdunklen Nacht zusammen mit anderen Flüchtlingen in einen ausgedienten Fischerkahn, 240 Männer, Frauen, Kinder.

          Zwei Stunden später erreichten sie die griechische Insel Lesbos. „Endlich in Europa, endlich in Sicherheit“, sagt Hammadi. „Das Risiko und der Preis waren hoch, aber wir hoffen, dass sich das lohnt.“ Er hat dem Schlepper 900 Dollar gezahlt, vergleichsweise wenig. Der junge Ingenieur schaut seine Kameraden ein wenig schadenfroh an: „Man muss gut handeln. Nader hat ihm 1600 gegeben, Ahmad sogar 2500.“ Die anderen bestätigen das. Immerhin hätten sie nicht im Voraus bezahlt, auf die Gefahr hin, nie anzukommen oder sogar unterzugehen.

          „Es gibt jetzt so etwas wie Menschenschmuggel mit Versicherung“, sagt Alsayed, ein ehemaliger Sozialarbeiter, und ringt sich ein Lächeln ab. Sie hätten das Geld bei einem Treuhänder in Çanakkale deponiert, der es nur gegen Nennung eines Passworts auszahlt. Gesund auf Lesbos angelangt, verrieten sie den Code einem Kompagnon des Schleppers. Wohlhabende Verwandte, die einige Wochen vor Hammadi aufgebrochen waren, hatten nicht wie er den Landweg in die Türkei genommen, sondern das Flugzeug. „Es gibt jetzt viel mehr Flugverbindungen als früher“, weiß er.

          „Flüchtlinge sind gute Kunden“

          Die Flugkosten und das Schlepperhonorar sind die höchsten Einzelbeträge, die die Flüchtlinge auf ihrem langen Weg aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufbringen müssen, aber bei weitem nicht die einzigen. Bis sie in Österreich, Deutschland oder Schweden anlangen, verdienen Dutzende weitere Unternehmen an ihnen und ihrer Not gutes Geld.

          Die Fähre von Mytilini auf Lesbos bis zum Hafen Piräus nahe Athen kostet für Erwachsene knapp 50 Euro. Ebenso teuer ist die anschließende Busfahrt nach Evzoni in Nordgriechenland an der Grenze zu Mazedonien. Auf dem Schotterweg von dem improvisierten Übergang zum mazedonischen Durchgangslager Gevgelija liegen Hunderte gebrauchte Fahrkarten im Staub. Sie sind maschinell auf die Namen der Passagiere ausgestellt, mit Barcodes versehen, und sie weisen sogar Steuern aus, stattliche 28 Prozent.

          Von Gevgelija geht es mit dem Zug weiter. Sehr zum Verdruss der örtlichen Bus- und Taxifahrer, die zu Dutzenden auf Fahrgäste warten. „Flüchtlinge sind gute Kunden, die haben reichlich Bargeld dabei und zahlen, ohne zu murren“, sagt der Taxifahrer Marko Mitreva. 100 Euro berechnet er für die zweistündige Fahrt nach Norden an die Grenze zu Serbien.

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