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Auslandsinvestitionen : Chinesen lieben Portugals „goldenes Visum“

  • -Aktualisiert am

Luxus-Appartements an der Algarve sind ein Grund für reiche Ausländer, sich in Portugal einzukaufen. Bild: Bloomberg

Mit dem käuflichen Visum für Ausländer wollte Portugal dringend benötigtes Geld einnehmen. Das funktioniert. Besonders aus China sind viele gekommen. Allerdings zieht das Programm auch die Falschen an. 

          Der erste Empfänger eines portugiesischen „goldenen Visums“ war der indische Geschäftsmann Muthu Nesamanimaram. Der damalige Außenminister und jetzige stellvertretende Ministerpräsident Paolo Portas brachte ihm das Papier, welches eine Investition in Portugal mit einer Aufenthaltserlaubnis belohnt, im März vorigen Jahres sogar eigenhändig nach Neu-Delhi. Portas und sein Regierungschef Pedro Passos Coelho hatten sich das Programm, welches frisches ausländisches Geld in das europäische Krisenland bringen sollte, gemeinsam ausgedacht. Bislang hat es nach nun veröffentlichten Zahlen des Ministeriums für Außenhandel Portugal schon 817 Millionen Euro, vor allem aus chinesischen Quellen, eingebracht.

          Das übertrifft sogar die Voraussagen des Berufsoptimisten Portas, der mit etwa 500 Millionen in diesem Jahr gerechnet hatte. Diese Summe ging allein in den ersten sieben Monaten ein. Im Premierenjahr waren es 306 Millionen. Geht es so weiter, könnte bis Ende 2014 die Ein-Milliarden-Grenze überschritten werden.

          Von 1360 Visa gingen 1101 an Chinesen

          Das goldene Visum hat sich so zu einer der wichtigsten Quellen für ausländische Direktinvestitionen in Portugal entwickelt. Interessenten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union, die sich mit dem Erwerb einer Aufenthaltsgenehmigung – wider alles gelegentliche Stirnrunzeln in Brüssel – auch den ungehinderten Zugang zu allen „Schengen“-Ländern erkaufen, haben drei Möglichkeiten: Entweder sie kaufen eine Immobilie zum Preis von mindestens einer halben Million Euro; oder sie investieren mindestens eine Million in ein portugiesisches Unternehmen; oder sie schaffen mindestens 10 Arbeitsplätze.

          Ein Immobilienmakler in Portugal hängt seine Angebote aus: Im letzten Jahr allein eine Preissteigerung um 53 Prozent im Immobilienmarkt

          Dafür bekommen sie zunächst eine einjährige Aufenthaltserlaubnis, die im Anschluss jeweils um zwei Jahre verlängert werden kann. Dabei müssen sie gar nicht längere Zeit in Portugal verbringen. Sieben Tage im Jahr genügen. Das reicht offenbar auch vielen Investoren, die dann bei einem Ausflug an den Tejo nach ihren Besitztümern schauen. Weitere Vorteile sind zusätzliche Visa im Zeichen der Familienzusammenführung. Das kann Töchtern und Söhnen den Zugang zu europäischen Universitäten ebnen.

          Von den 1360 goldenen Visa, die bis Ende Juli dieses Jahres ausgestellt wurden, gingen 1101 an Chinesen. Ihnen folgen 43 begüterte Russen und 38 Brasilianer. Es kamen aber auch Menschen aus Südafrika, Angola, dem Libanon, Pakistan, Indien, der Türkei und der Ukraine.

          Der Inder Muthu Nesamanimaram, der in Portugal schon vor seinem Visum 50 Millionen investiert, mehrere hundert Arbeitsplätze geschaffen und drei Hotels an der Algarve gekauft hatte, zählt bislang noch zu den Ausnahme-Investoren. Von den 817 Millionen aller Gold-Kunden gingen nämlich 749 Millionen ausschließlich in Immobiliengeschäfte. Das hat den Markt in der Hauptstadt Lissabon und den Ferienzentren an der Algarve belebt.

          Ein Schein zum Geldverdienen?

          So sind die Durchschnittspreise für Luxuswohnungen in Lissabon nach Angaben des „Confidencial Imobilário“ unter dem Einfluss der goldenen Visa schon im Vorjahr um 53 Prozent auf 4266 Euro je Quadratmeter – für richtig teure Objekte sogar bis zu 6800 Euro – gestiegen. Ein Chinese, der in dem Nobelvorort Cascais eine Villa gefunden hatte, erfreute sich daran indes nur kurze Zeit. Er wurde im Frühjahr mit einem internationalen Haftbefehl festgenommen. Sein Heimatland hatte ihn wegen verschiedener dort vermutlich begangener Delikte auf die Fahndungsliste gesetzt. Das war den Portugiesen noch nicht bekannt, als sie ihm ein Visum ausstellten und ihm mutmaßlich einen Hauskauf mit Schwarzgeld ermöglichten.

          Die portugiesischen Behörden versichern derweil, dass die Antragssteller „streng überprüft“ würden und keine Vorstrafen haben dürften. Sie bewegen sich aber auf einem verminten Gelände. Zum einen versuchen sich ausländische Interessenten als Geldwäscher. Zum anderen versuchen inländische Makler gelegentlich unlautere Profite zu machen, indem sie Immobilien für eine halbe Million feilbieten, die manchmal nur die Hälfte wert sind. Hier kamen die meisten Beschwerden bislang von Chinesen, die sich betrogen fühlten. Allerdings waren hier die Vermittler, die sich eine „Kommission“ von bis zu einem Viertel des Verkaufspreises gönnten, nicht selten Landsleute.

          Portugal ist mit seinen goldenen Visa nicht alleine. Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten mit einem ähnlichen Programm 6895 Visa an Chinesen vergeben, berichtet das „Wall Street Journal“. Kanada hat ein Programm wieder eingestellt.

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