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Entwicklungshilfe : So bekämpft man Armut

So ging es in der ersten Runde: Die „Millennium-Ziele“ der Vereinten Nationen brachten auch 14 „Millennium-Dörfer“ hervor, in denen Armen geholfen werden sollte. Bild: dapd

Eine Expertengruppe mit zwei Nobelpreisträgern hat 19 Langfristziele für Mensch, Planet und Wohlstand entwickelt. Dieser „Kopenhagen Konsens“ ist ein Angriff auf die Pläne der Vereinten Nationen.

          Wenn die Vereinten Nationen ihre Entwicklungshilfe auf wenige Ziele, dafür aber genauer ausrichten würden, könnten sie erheblich mehr bewirken als mit ihren bisherigen Plänen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe von Wissenschaftlern des Projektes „Kopenhagener Konsens“.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die Wissenschaftler, darunter die Wirtschaftsnobelpreisträger Tom Schelling und Finn Kydland, halten das Vorgehen der Vereinten Nationen für unwirksam. Sie wollen sich im Herbst auf eine lange Liste von 169 Zielen verständigen, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. So sollen Milliarden Dollar an Entwicklungsgeldern beeinflusst werden. „169 Prioritäten zu haben bedeutet etwa dasselbe, wie gar keine zu haben“, sagte Björn Lomborg, Präsident des Kopenhagener Konsenses. Die Vereinten Nationen hatten mit den Millenniumszielen selbst bislang auf eine überschaubare Liste von Zielen fokussiert. Künftig will sie aber auf die ausführliche und nun angegriffene Variante setzen.

          Als Alternative haben die Forscher eine eigene Prioritätenliste vorgelegt, die sie am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentieren wollen und die der F.A.Z. vorliegt. Die Liste umfasst lediglich 19 Ziele. Würden diese erreicht, könnten die Staaten der Welt mit jedem investierten Dollar das Zwei- bis Vierfache erreichen, sind die Fachleute überzeugt.

          Ganz oben: Der Kampf gegen den Hunger

          Auch die Pläne der Vereinten Nationen seien hilfreich – doch eine größere Konzentration sei noch besser. „Unsere Liste kann den Vereinten Nationen helfen, sich wie ein schlauer Einkäufer zu verhalten, der mit einem begrenzten Budget auskommt“, sagte der Amerikaner Schelling. Es sei eher kontraproduktiv, jedem alles zu versprechen – was durch die breite Zielsetzung der Fall sei.

          Eines der Ziele, das in der Liste der Forscher ganz oben steht, ist der Kampf gegen die Unterernährung von Kindern. „Sicherzustellen, dass junge Menschen genug zu essen haben, verbessert nicht nur ihr Wohlbefinden und ihr Wachstum, es hat auch lebenslange Auswirkungen für ihre Gesundheit, die Intelligenz und ihren Wohlstand“, sagte Nobelpreisträger Kydland (University of California). Laut Empfehlung der Forscher müssten die Staaten der Welt anstreben, die Mangelernährung von Kindern bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent zu verringern.

          Die Forscher haben ihre Liste in drei Bereiche unterteilt: Menschen, Planet und Wohlstand. In der ersten Kategorie findet sich neben der Ernährungsfrage das Ziel, vor allem Ziele, die mit Krankheitsbekämpfung zu tun haben: Bis 2030 sollen die Häufigkeit von Malaria-Infektionen halbiert werden, die Todesursache Tuberkulose soll um 90 Prozent verringert werden. 1,1 Millionen HIV-Infektionen sollen vermieden werden, die Kindersterblichkeit um weitere 70 Prozent reduziert werden. In der Kategorie findet sich aber das Ziel, Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu verringern, um so eine bessere Entwicklung zu ermöglichen.

          Keine Subventionen für Kohle

          Zum Schutz des Planeten soll auf Subventionen für fossile Energien wie Kohle verzichtet werden. Momentan fördern etliche Länder diese umweltschädlichen Energieträger Jahr für Jahr mit Milliardenbeträgen. Die Vernichtung von Korallenriffs soll halbiert, Umweltverschmutzung stärker besteuert werden.

          Die Wissenschaftler definieren zudem Ziele, die kurz- oder langfristig den Wohlstand erhöhen sollen: Handelsbarrieren sollen vollständig abgebaut werden, wodurch unnötige Kosten wegfallen würden. Die Gleichberechtigung der Geschlechter soll zunehmen, die durchschnittliche Ausbildungsdauer von Mädchen soll sich um zwei Jahre verlängern. Und vor allem in den Sub-Sahara-Gebieten müsse der Zugang zu Schulbildung rapide ausgeweitet werden.

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