https://www.faz.net/-gqe-8nyal

Eingeschränkter Finanzverkehr : Chinas Kapitalkontrollen treffen deutsche Wirtschaft

Überweisung mit Hindernissen: China macht es mit seinen Plänen zur Stärkung des Yuan auch Unternehmen schwer. Bild: AFP

Peking könnte Dividenden-Überweisungen und Darlehenszahlungen von China nach Deutschland aufhalten, um seine Währung zu stärken. Die Aufregung ist groß.

          2 Min.

          Weil die chinesische Regierung mit scharfen Kapitalkontrollen den Verfall ihrer Währung aufhalten will, könnten in China tätige deutsche Unternehmen in den kommenden Monaten Probleme bekommen, Geld in ihre Heimatländer zu überweisen. Wie dieser Zeitung bestätigt wurde, hat das staatliche chinesische Devisenamt (SAFE) zu Wochenbeginn in Schanghai und anderen Städten hochrangige Vertreter nationaler und internationaler Banken einbestellt, um eine schärfere Prüfung von Auslandsüberweisungen ab einer Höhe von 5 Millionen Dollar anzukündigen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Dies könnte Zahlungen aus China auf unbestimmte Zeit verzögern oder auch ganz verhindern. Betroffen könnten davon auch die Dividenden-Ausschüttungen deutscher Firmen an ihre Muttergesellschaften sein. Ebenso könnten Rückzahlungen von Darlehen blockiert werden, die von der Muttergesellschaft in Deutschland gewährt wurden. Weil sie in China von lokalen Banken kaum Kredit erhalten, finanzieren sich Niederlassungen deutscher Konzerne meist über unternehmensinterne Darlehen.

          Chinesische Währung im Acht-Jahres-Tief

          Der Wert der chinesischen Währung Yuan, die auch Renminbi genannt wird, ist seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar um 5,6 Prozent gefallen. Zwischenzeitlich hat sie ein Acht-Jahres-Tief erreicht. Deshalb hat China in den vergangenen Monaten abermals hohe Abflüsse an Kapital erlebt.

          Da die Regierung in Peking trotz der Währungsreserven von 3,12 Billionen Dollar den Kurs des Yuans nicht für sehr lange Zeit stützen kann und will, beschränkt sie seit Wochenbeginn massiv die Ausfuhr und Umwandlung von Yuan in Fremdwährung von Privatpersonen. Ab sofort will sie wohl auch Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen deutlich erschweren und teils verbieten, um Kapital im Land zu halten.

          Dürfte nun tatsächlich ein ausländisches Unternehmen hohe Summen nicht oder nur zeitverzögert über die chinesische Grenze transferieren, wäre dies der erste bekannte Fall seit der Jahrtausendwende. Dass Auslandsinvestoren in China verdientes Geld außer Landes bringen dürfen, war das Versprechen, mit dem die Kommunistische Partei eine der Grundlagen für Chinas schnellen wirtschaftlichen Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaft geschaffen hat.

          Große Unklarheit über Kapitalkontrollen

          Die Schanghaier Zeitung „China Business News“ hatte bereits am Dienstag mit Verweis auf anonyme Bankmanager berichtet, dass die chinesischen Devisenkontrolleure der Behörde SAFE zu Wochenbeginn Bankmanager einbestellt habe. Diese hätten die Devisenkontrolleure auch über eine „striktere Prüfung von Gewinnrücküberweisungen“ von in China tätigen ausländischen Unternehmen in ihre jeweiligen Heimatländer unterrichtet. Der Bericht ist mittlerweile von der Website gelöscht.

          Ähnliche Berichte anderer chinesischer Medien sind ebenfalls zensiert. Weder ist ein Schriftstück über neue Kapitalkontrollen bekannt, noch ist klar, wie lange diese gelten. In der deutschen Wirtschaft in China hofft man, dass die Prüfungen spätestens zu Jahresbeginn wieder aufgehoben werden, wenn sich der Kurs des Yuan stabilisiert hat.

          Vor allem Großkonzerne betroffen

          Viele deutsche Mittelständler in China dürften von den Kontrollen nicht betroffen sein. Bei großen Unternehmen und der Industrie sieht es anders aus. Autobauer Volkswagen, der in China in früheren Jahren nach Analystenschätzung bis zu zwei Drittel des gesamten Konzerngewinns erzielt hat, teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass sämtliche Auslandsüberweisungen aus China bisher problemlos durchgegangen seien. Dies habe man auch besorgten Anlegern mitgeteilt.

          Das negative Signal, was von der erratisch anmutenden Politik Pekings ausgehe, sei jedoch nicht zu unterschätzen, heißt es in China. „Was Investoren am meisten hassen, ist Unsicherheit“, sagte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, dieser Zeitung. „Legal in China erwirtschaftete Gewinne an die Muttergesellschaft in Europa zurückzuführen ist legitim. Falls die chinesischen Behörden Zahlungen aufhalten, müssen wir klar wissen, nach welchen Kriterien hier vorgegangen wird. Stattdessen aber herrscht Intransparenz.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.