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Putin sucht Nähe zu China : China und Russland könnten neuen Ostblock bilden

„Wie alte Freunde von der Universität“: Wladimir Putin und Xi Jinping, hier auf eine Foto aus dem Februar. Bild: dpa

Angesichts der Sanktionen des Westens setzt Moskau auf Peking: Präsident Putin sucht die Nähe zu China und dürfte am Dienstag große Gaslieferungen und einen Währungstausch vereinbaren. Fachleute sehen China als Gewinner der Ukraine-Krise.

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          Xi Jinping hat Wladimir Putin schon einmal aus der Isolation geholt. Während des Apec-Gipfels im Oktober 2013 auf Bali wurde der russische Präsident 61 Jahre alt. Da er in dem Treffen nur eine Randfigur war, interessierte sich kaum jemand dafür. Allein Chinas neuer starker Mann, der Partei-, Staats- und Militärchef Xi, besuchte den Jubilar in seinem Hotel und gratulierte ihm. Später sagte Putin, man habe Wodka getrunken und Sandwiches gegessen, „wie alte Freunde von der Universität“.

          Christian Geinitz
          (itz.), Wirtschaft

          Die beiden Politiker kennen und schätzen sich und wollen die Beziehungen ihrer Staaten seit langem ausbauen. Xis erste Auslandsreise führte folgerichtig nach Moskau. In dieser Woche könnte Peking das Nachbarland abermals aufwerten: Während Putin von Europa und den Vereinigten Staaten geschnitten wird, empfängt Xi den Kollegen am Dienstag zum Staatsbesuch in Schanghai. Dort nehmen die beiden an der wenig bekannten Konferenz für Zusammenarbeit und Vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA) teil.Vor seiner Abreise nach China sagte Putin, die Beziehungen zwischen Moskau und Peking seien auf einem Höhepunkt: „Der Ausbau der Beziehungen zu China ist zweifellos Russlands diplomatische Priorität.“

          Abkommen zu Erdgaslieferungen

          Der große Bahnhof für Putin wird mehr sein als ein Signal, dass China es für falsch hält, Russland wegen der Annexion der Krim und seines resolutes Auftretens in der Ukraine international auszugrenzen. Zu erwarten sind weitreichende Wirtschaftsverträge und Ankündigungen. Eine Außenamtssprecherin in Peking verriet, es werde eine gemeinsame Erklärung „von Gewicht“ geben. Geplant scheint eine Vereinbarung zum Währungstausch, wodurch Handel und Investitionen erleichtert würden. Auch wollen die Asiaten eine Partnerschaft mit ihrer Kreditkartengesellschaft Union-Pay anbieten. Sie könnte als Alternative zu Visa und Master-Card dienen, die im Zuge der amerikanischen Sanktionen einige Dienste in Russland eingestellt haben.

          Wichtiger noch dürfte ein Abkommen zu russischen Erdgaslieferungen sein. Die Gespräche darüber ziehen sich seit mehr als 20 Jahren hin, doch seit einiger Zeit geht es überraschend schnell vorwärts. In Kürze werde man die Verhandlungen abschließen, kündigte die russische Regierung Mitte April an. China sei zudem an Energievorhaben auf der Krim interessiert, die sich Russland im März einverleibt hatte.

          Nach Angaben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte Putin am Montag, das Abkomme haben die „Endphase“ erreicht. Der staatliche russische Gaskonzern Gazprom hatte schon am Sonntag mitgeteilt, der auf 30 Jahre lautende Liefervertrag stehe kurz vor dem Abschluss.

          China entwickelt sich zu Moskaus wichtigstem Kunden hinter der EU

          Der Gasvertrag sieht bis 2018 die Inbetriebnahme einer neuen Rohrleitung nach Nordostchina für 38 Milliarden Kubikmeter im Jahr vor. Das ist in etwa die Liefermenge nach Deutschland. Auch entspräche das Volumen 72 Prozent aller heutigen Gaseinfuhren in die Volkrepublik und 21 Prozent ihres gesamten Gasverbrauchs.
          Noch liefert Russland kaum Gas hierher, in Zukunft jedoch wird es Turkmenistan von Platz eins der Lieferländer verdrängen.

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