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China und Indien : Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung

Steht China kopf: Die Werbung für Wohnungen verspricht neuen Glanz Bild: dpa

Dank der wachsenden heimischen Nachfrage steigt die Stimmung in den beiden großen Schwellenländern Asiens. Chinesische Aktien notieren um die höchsten Stände seit 14 Monaten. Und in Indien hat der Börsenindex alleine im Juli gut 8 Prozent zugelegt. Die Hoffnung auf einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung ist da.

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          Dank der wachsenden heimischen Nachfrage steigt die Stimmung der Industrieunternehmen in den beiden großen Schwellenländern Asiens: Die Indizes der Einkaufsmanager (PMI) sowohl in China als auch in Indien haben im Juli weiter zugelegt. In China rangiert der Index nun seit fünf Monaten im positiven Bereich, in Indien im vierten Monat. Der PMI gilt als wichtiger Frühindikator für die Konjunktur. Ein Wert oberhalb der Wasserscheide von 50 Punkten steht für eine Expansion der Industrieproduktion, ein Wert darunter für ein Schrumpfen. In China lag der Wert des Einkaufsmanagerindex für Juli bei 52,8 Punkten (Juni: 51,8 Punkte), in Indien bei stabilen 55,3 Punkten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Die Herstellung der Industrie in China gewinnt weiter an Fahrt“, sagte der Analyst Eric Fishwick. „Die Nachfrage wird von heimischen Kunden getrieben, während die Exportnachfrage dünn bleibt“, erklärt Fishwick, der den Einkaufsmanagerindex für China bei den Analysten von CLSA in Hongkong betreut. Auch ein staatlicher Index gewann im Juli weiter an Fahrt. Für China ist der nun gemessene PMI-Wert der höchste seit einem Jahr. „Die Geschäftsbedingungen für die Industrie haben sich im Juli weiter verbessert. Der heimische Markt bleibt die wichtigste Quelle für Wachstum, obwohl der Export nun in der Erholungsphase ebenfalls an Fahrt gewinnt“, kommentierte die Analystin Gemma Wallace von Markit Economics die indischen Werte, die ihr Unternehmen erhebt. Der Tiefstand in Indien lag im Dezember, als der PMI nur bei 44,4 Punkten notierte.

          In China ist eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland zu verspüren

          Für dieses Fiskaljahr, das am 31. März 2010 endet, erwartet die indische Regierung eine Wachstumsrate von immerhin noch 6 Prozent. Im vergangenen Fiskaljahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens um 6,7 Prozent gewachsen. Dies war das langsamste Wachstum seit sechs Jahren. Die Wachstumsrate blieb deutlich hinter den Erwartungen der Regierung von rund 9 Prozent zurück. Die offiziellen Daten für Juni zeigen, wie hart die Wirtschaftskrise auch den Subkontinent trifft: So lag die Ausfuhr im Juni 27,7 Prozent unterhalb ihres Vorjahresniveaus, im Mai war es sogar ein Minus von 29,2 Prozent gewesen. Die Einfuhr lag im Juni 29,3 Prozent unter dem Vergleichswert 2008. Indiens neuer Handelsminister Anand Sharma kündigte unterdessen weitere Konjunkturhilfen an, die in der zweiten Augustwoche bekanntgegeben werden.

          In China ist dagegen eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland zu verspüren, wenngleich sie auch hinter den erhofften Werten und dem Niveau der jüngsten Vergangenheit deutlich zurückbleibt. Der Index für die Aufträge aus dem Ausland liegt seit zwei Monaten oberhalb der 50-Punkte-Linie. Auch ein wichtiger Beschäftigungsindex legt seit nun zwei Monaten zu. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde wuchs im zweiten Quartal offiziell um 7,9 Prozent. Analysten rechnen nun damit, dass China sehr wahrscheinlich das von der Regierung angepeilte Wachstumsziel von 8 Prozent in diesem Jahr erreichen werde.

          „Firmen dürften nun willens sein, ihre Lager weiter aufzufüllen“

          „Nun können sich die Politiker mehr und mehr der Qualität und Struktur des Wachstums widmen“, sagte Qian Wang von der Bank J.P. Morgan. Allerdings gibt es auch zahlreiche warnende Stimmen: Da der PMI weiterhin unter dem Durchschnittswert von 54,5 Punkten rangiere, den er zwischen 2005 und 2007 erlangt hatte, sei mit einer nur mäßigen Erholung zu rechnen, sagte Li Wie, Volkswirtin bei Standard Chartered. „Der Abbau der Vorräte liegt aber hinter uns. Firmen dürften nun willens sein, ihre Lager weiter aufzufüllen“, sagte sie.

          Die Börsen beider Länder haben die Entwicklung vorausgenommen: So notieren die Aktienkurse in China um den höchsten Stand seit 14 Monaten. Seit Jahresbeginn hat der Shanghai Composite Index 90 Prozent gewonnen. Zuletzt wurde er vor allem durch Gewinne bei Reedereien und Stahlkonzernen getrieben, die bei einem weiteren Aufschwung profitieren dürften. In Indien hat der Index allein im Juli gut 8 Prozent zugelegt, da die Quartalsergebnisse der Unternehmen positiv überraschten. Seit Anfang des Jahres hat der Sensex der Börse in Bombay 60 Prozent gutgemacht. Nun allerdings macht sich in Indien Sorge um einen schwächeren Monsunregen breit, der die Landwirtschaft beeinträchtigen könnte.

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