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Autoindustrie : „In China droht quasi eine Enteignung“

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Der Zulieferer ElringKlinger ist eigenen Angaben zufolge (noch) nicht im Fokus der chinesischen Behörden. Bild: dpa

Erst die Hersteller, nun die Zulieferer: China macht Druck auf die deutsche Autoindustrie. Das Land will genauso innovativ werden wie seine Wettbewerber. Ein Firmenchef findet drastische Worte.

          China drängt deutsche Autozulieferer offenbar zu Partnerschaften mit lokalen Konkurrenten, um der eigenen Industrie auf die Sprünge zu helfen. „Der chinesische Staat hat einigen Zulieferern vorgeschrieben, dass sie ihre chinesischen Töchter nicht mehr alleine betreiben dürfen, sondern künftig nur als Gemeinschaftsunternehmen“, sagte Stefan Wolf, Chef des Dichtungsherstellers ElringKlinger, der „Stuttgarter Zeitung“. Er wisse von insgesamt drei größeren Zulieferern, die sich einen Partner suchen müssten. Namen nannte Wolf nicht. Sein Unternehmen sei nicht darunter.

          Wolfs Äußerungen sorgten in der Branche für Aufsehen, da der chinesische Markt für viele Unternehmen enorm wichtig ist - nicht nur, um schwächere Geschäfte in anderen Regionen auszugleichen. Der ElringKlinger-Chef vermutet hinter dem Vorgehen der chinesischen Regierung ein System, um die eigene Industrie aufzupäppeln. Wenn chinesische Firmen zu 50 Prozent an deutschen Lieferanten beteiligt würden, bedeute dies quasi eine Enteignung, warnte Wolf. „Wenn es so kommt, wäre das ein Angriff auf geistiges Eigentum.“ Die Unternehmen hätten viel Know-how in ihre Tochtergesellschaften nach China transferiert.

          Sanfter Druck der Behörden

          Konkurrent Bosch wurde nach eigenen Angaben nicht von den chinesischen Behörden über eine geplante Veränderung der Richtlinien für Auslandsinvestitionen in China informiert. Man gehe davon aus, dass ausländische Investitionen auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas spielten und erwarte faire Wettbewerbsbedingung, teilte der Stuttgarter Konzern mit. Bosch unterhält mehrere Gemeinschaftsunternehmen in China.

          Auch der weltgrößte Automobil-Zulieferer Continental teilte mit, man sei nicht von der chinesischen Regierung über Änderungen informiert worden. Ähnlich äußerte sich der Kabelhersteller Leoni. Das Unternehmen aus Nürnberg machte allerdings klar, dass es in der Vergangenheit von den chinesischen Behörden wegen des Themas mehrfach kontaktiert worden sei. Leoni hat aktuell keine Joint Ventures in China.

          Die Investmentbank China International Capital Corp geht davon aus, dass die Behörden ausländische Firmen mit sanftem Druck dazu bewegen wollen, Partnerschaften „freiwillig“ einzugehen. Drastische Änderungen der Politik seien eher unwahrscheinlich.

          China versucht seit Jahren, die eigene Automobilindustrie zu stärken, kommt dabei aber kaum voran. Westliche Hersteller wie Volkswagen, General Motors oder BMW beherrschen den Riesenmarkt. Allein die deutschen Autobauer steigerten ihren Absatz auf dem weltgrößten Personenwagen-Markt zuletzt um ein Fünftel. Ihr Marktanteil erreichte einer Studie der Unternehmensberatungs-Gesellschaft EY zufolge im ersten Halbjahr den Rekordwert von 23 Prozent.

          „Der chinesische Staat merkt, dass sich die automobile Welt zu 50 Prozent in China abspielt, ohne dass die eigenen Hersteller entsprechend profitierten“, sagte ElringKlinger-Chef Wolf. Er vermutet, das China nun versuchen will, seinen Rückstand in Sachen Know-how und Innovation aufzuholen. Während die Autobauer bereits seit langem mit chinesischen Partnern zusammenarbeiten müssen, gilt diese Vorgabe für Lieferanten noch nicht.

          Die Behörden in der Volksrepublik haben westliche Autohersteller bereits ins Visier genommen: Die chinesischen Kartellwächter sprachen Audi und BMW unlängst wegen eines Missbrauchs ihrer Marktstellung schuldig. Auch Daimler drohen deshalb Strafen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission NDRC wirft ausländischen Fahrzeugbauern und Zulieferern vor, zu viel Geld für Ersatzteile und Werkstatt-Service zu verlangen.

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