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Bevölkerungsmangel : China öffnet sich für Ausländer

Auch Europäer kommen künftig leichter nach China. Bild: picture alliance / Antonio Pisac

In China fehlen bald qualifizierte Arbeitskräfte. Deshalb will die Regierung die Bedingungen für die „Green Card“ lockern. Japan dagegen will keine Ausländer – dabei ist der Mangel dort noch größer.

          In den beiden größten asiatischen Volkswirtschaften China und Japan wird die Zahl der erwerbstätigen Menschen bis Ende dieses Jahrzehnts spürbar zurückgehen. Die Zahl der Chinesen im erwerbsfähigen Alter ist bereits 2012 erstmals geschrumpft. Den Rivalen Japan trifft der demographische Wandel schon jetzt mit Wucht. Zehntausende Bauarbeiter fehlen im Land der aufgehenden Sonne, auch Facharbeiter werden langsam knapp. Was tun alternde Gesellschaften, wenn Arbeitskräfte knapp werden und Wirtschaft und Wohlstand zu schrumpfen drohen? Auf den ersten Blick könnten die Lösungswege unterschiedlicher nicht sein, die China und Japan in dieser Woche aufzeigten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Um gut ausgebildete Ausländer ins Land zu holen erwägt die kommunistische Staatsführung in Peking, die rigiden Zuwanderungsregelungen zu lockern. Gedacht ist an eine Art „Green Card“ nach amerikanischem Vorbild. China denke über „flexiblere und pragmatischere“ Wege nach, qualifizierten Ausländern das unbegrenzte Aufenthaltsrecht in der Volksrepublik zu geben, hieß es zum Wochenauftakt überraschend aus dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei.

          Die „Green Card“ gibt es in der Volksrepublik bereits seit 2004. Nur: Bislang sind es gerade mal gut 5000 Menschen, die so einen unbegrenzten Aufenthalt in China bekommen haben. Mehr Flexibilität soll die Zahl erhöhen, berichtete die Zeitung „South China Morning Post“ in ihrer Ausgabe vom Dienstag. Experten schätzen, dass das schrumpfende Arbeitskräftepotential China schon bald 2 bis 3 Prozentpunkte beim Wirtschaftswachstum kosten könnte. Von 2015 an werde sich das deutlich bemerkbar machen, heißt es.

          Japan sieht Zuwanderung nicht als Lösung

          Japan spürt die Folgen der rapiden Alterung bereits jetzt. Doch Zuwanderung ist für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bis heute kein Lösungsweg. Japans nationalkonservativer Regierungschef Shinzo Abe hat das erst in dieser Woche in einer Fernsehschau wieder deutlich gemacht. Es ging um die Frage, ob das Land sich für mehr Zuwanderung öffnen sollte. „In Ländern, die Zuwanderung akzeptieren, gibt es eine Menge Spannungen, viel Unglück für beide, für die Neuankömmlinge und für die Alteingesessenen“, sagte Abe und hielt demonstrativ ein Pappschild mit einem roten X in die Höhe. Nein, hieß das.

          Japan, eine der führenden Wirtschaftsmächte der Welt, müsste wegen seines hohen Lebensstandards eigentlich ein attraktives Zielland für Arbeitsmigration sein. Doch der Anteil von Ausländern an der Erwerbsbevölkerung liegt bei gerade mal knapp 0,6 Prozent. An der Gesamtbevölkerung verharrt der Anteil bei unter 2 Prozent. Umfragen zeigen, dass die überwältigende Mehrheit der Japaner es ablehnt, die Zahl der Ausländer deutlich zu erhöhen.

          Ende des Monats will Regierungschef Abe seine Ideen für Wirtschaftsreformen vorstellen. Eine Idee, die ihm seine Berater dafür aufgeschrieben haben: Längere Lebensarbeitszeit, eine höhere Frauenerwerbsquote – die in Japan im internationalen Vergleich eher niedrig ist – und Anreize für die Japanerinnen, wieder mehr Kinder zu bekommen. Ziel ist es, Frauen finanziell stärker zu unterstützen, bei Kindertagesstätten, Bildung und wenn sie mehr als zwei Kinder haben wollen. Der seit Jahren anhaltende demographische Trend – Japan gehört zu den Ländern mit den weltweit niedrigsten Geburtenraten – müsse wieder gedreht werden, heißt es in den Empfehlungen, die der Rat für Wirtschaft und Finanzpolitik der Regierung Abe mit auf den Weg gibt. Auch in 50 Jahren soll Japan nach den Plänen der Regierung noch eine Bevölkerung von mehr als 100 Millionen haben. Derzeit gibt es 127 Millionen Japaner. Sollte die Geburtenrate nicht steigen, dürften es im Jahr 2060 nur noch 87 Millionen sein.

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