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Deutsche Wirtschaft : „Chinas Entwicklung ist für uns Chance, nicht Bedrohung“

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Bereit zur Auslieferung: Roboter aus dem Hause Kuka - der Hersteller ist von einem chinesischen Unternehmen gekauft worden. Bild: dpa

Erst die Diskussion um Kuka, nun Aixtron: Wenn chinesischen Firmen in Deutschland investieren wollen, geht es gerade hoch her.

          Erst die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka, nun das Gezerre um den Maschinenbauer Aixtron: Wenn chinesische Firmen deutsche Firmen kaufen (wollen), erreicht das derzeit immer wieder auch die Politik. Diskutiert werden beispielsweise Ängste, ob Fachkompetenzen in Schlüsseltechnologien aus der Bundesrepublik nach Fernost abwandern könnten - und dann hierzulande fehlen.

          Der entsprechende Interessenverband der deutschen Wirtschaft warnt nun eindrücklich davor, in Deutschland höhere Schutzwälle zu errichten gegen chinesische Firmenaufkäufe. „Wir wollen keine Änderung oder Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes, das staatliche Prüfungen ausländischer Investitionen bisher nur dann erlaubt, wenn sie die öffentliche Sicherheit oder die öffentliche Ordnung gefährden könnten“, sagte der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA), Hubert Lienhard.

          Darüber nachzudenken, die deutsche Offenheit für ausländische Investoren einzuschränken, „weil andere bei sich das auch tun, halte ich für den falschen Weg“, warnte er. Es müsse bei der Investitionsfreiheit in Deutschland und Europa bleiben.

          Gabriel fliegt nach China

          Lienhard äußerte sich im Vorfeld einer China-Reise, zu der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Begleitung einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation am Montag aufbrechen wird. Gabriel hatte in jüngster Zeit immer wieder unfaire Handelspraktiken der Volksrepublik kritisiert und chinesischen Unternehmen vorgeworfen, sich gezielt und mit staatlicher Unterstützung in deutsche Technologiefirmen einzukaufen. Erst jüngst legte er Eckpunkte vor, wie sich Deutschland und Europa besser gegen den Ausverkauf strategisch wichtiger heimischer Firmen ins Ausland wehren könnten.

          Vor Lienhard, dessen Unternehmen Voith kürzlich die Übernahme des Roboterhersteller Kuka durch ein chinesisches Unternehmen über einen Anteilsverkauf erleichtert hatte, hatte bereits der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer vor neuen Hürden gegen ausländische Investoren gewarnt. Schweitzers Unternehmen Alba soll bald in Teilbereichen Miteigentümer aus China erhalten.

          Das Endes des „Turbo-Wachstums“ hat Folgen

          APA-Chef Lienhard gestand ein, dass es im Verhältnis zwischen Deutschland und China schwieriger und konfliktreicher als früher zugehe. China befinde sich in einer entscheidenden Transformationsphase in der Wirtschaft, die mit einem moderaten Wachstumsrückgang einhergehe.

          Deutschland habe lange von einem „Turbo-Wachstum“ Chinas profitiert. Wenn es an Märkten schwieriger werde, steige aber der Wettbewerbsdruck. Auch träten dann Probleme des Marktzugangs deutlicher zutage, wobei sich die Hemmnisse beim Marktzugang in China kaum verändert hätten. „Nach wie vor bestehen in vielen Bereichen Restriktionen und Marktzugangsbeschränkungen, etwa der Joint-Venture-Zwang“, klagte er. Das sei in einer Zeit, in der immer mehr chinesische Firmen auf den deutschen und europäischen Märkten als Käufer drängten, „immer weniger hinnehmbar“.

          Dieser Dissens sollte in konstruktiven Gesprächen gelöst werden, mahnte Lienhard. Dazu sollte auch Gabriels China-Besuch beitragen. „Wir brauchen China. China braucht auch weiterhin das Engagement westlicher Firmen im chinesischen Markt. Deshalb setzen wir auf den Dialog und die Lösung der Probleme beim Marktzugang und bei Überkapazitäten.“ Das widerspreche nicht dem Ansatz, den Druck auf Länder zu erhöhen, die in Deutschland auf einen offenen Markt träfen ohne selbst Offenheit zu bieten.

          Vom nun geringeren Wirtschaftswachstum in China und den gesunkenen Ausfuhren dorthin im vergangenen Jahr lässt sich Lienhard wiederum nicht irritieren. Im ersten Halbjahr 2016 seien die chinesischen Ausfuhren bereits wieder leicht um 0,7 Prozent gestiegen. „China bleibt auf absehbare Zeit ein Top-Absatzmarkt für deutsche Unternehmen.“ Die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft auf mehr Nachhaltigkeit bringe zudem neue Möglichkeiten für deutsche Firmen. „Chinas Entwicklung ist für uns Chance, nicht Bedrohung.“

          Über China hinaus ist die gesamte Asien-Pazifik-Region für die deutsche Wirtschaft nach Lienhards Worten von großer und wachsender Bedeutung. „Asien-Pazifik steckt voller Potential.“ Die Region sei eine Bank für die Zukunft. „In Asien laufen viele Prozesse schneller als bei uns“, sagte er mit Blick auf die Urbanisierung, die Entwicklung der Mobilität und vieles mehr. „Das alles bietet auf vielerlei Jahre gute Chancen für uns.“ Dazu bedürfe es aber fairer Wettbewerbsbedingungen. Ein Schwerpunkt der Gabriel-Reise ist die Eröffnung der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft Mitte nächster Woche in Hongkong.

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