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Rieseninvestition : 250 Milliarden für den chinesischen Traum

Herzlich Willkommen: ein chinesischer Investor am Nicaragua-Kanal Bild: AFP

Für den geplanten Aufstieg zur reichen Industrienation brauchen die Chinesen viel Öl. Das sichern sie sich jetzt in Lateinamerika – und investieren viel Geld. Auch bei einem „alten Freund“.

          3 Min.

          Im Herbst stellt China seinen neuen Fünf-Jahres-Plan vor: Bis zum Jahr 2020 soll sich das Pro-Kopf-Einkommen der Chinesen verdoppeln. Die bereits heute zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt will zur reichen Industrienation werden – und sichert sich dafür Rohstoffe auf der ganzen Welt. Nun soll Lateinamerika erobert werden.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Während eines Treffens mit der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) kündigte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping an, sein Land wolle 250 Milliarden Dollar in Lateinamerika investieren. Im Gegenzug wird Öl nach Fernost verschifft.

          Noch sind die Vereinigten Staaten Lateinamerikas größter Handelspartner. Doch wie in anderen Regionen auch, etwa in Asien, drängt China die Vormachtstellung der Amerikaner zurück. Präsident Xi besuchte die Region im vergangenen Sommer für zehn Tage. Im Herbst verkündete der Überwachungsstaat China, den Latinos beim Bau ihrer Überwachungssysteme behilflich zu sein: Ecuador, Bolivien und Venezuela verdanken die Elektronik ihrer Sicherheitszentralen chinesischen Staatsunternehmen.

          Chance niedriger Ölpreis

          Der Handel zwischen dem Reich der Mitte und den Ländern Lateinamerikas und der Karibik ist von den Jahren 2000 bis 2013 um das 22-fache auf 275 Milliarden Dollar gewachsen. Der Anteil Chinas an den gesamten Importen der Region stieg dabei von 2 auf 16 Prozent. Schon im Jahr 2010 hatte China die Europäische Union als zweitwichtigsten Lieferanten Lateinamerikas hinter den Vereinigten Staaten abgelöst.

          Allerdings haben Chinas Investitionen in Lateinamerika erst ab 2010 an Bedeutung gewonnen. Seither belaufen sie sich Schätzungen zufolge auf etwa 9 bis 10 Milliarden Dollar im Jahr. Das entspricht etwa 6 Prozent der gesamten ausländischen Investitionen in der Region.

          Bisher entfallen 90 Prozent der chinesischen Kapitalanlagen in Lateinamerika auf die Ausbeutung von Rohstoffen. Und seit der Preis des Öls fällt wie seit sieben Jahren nicht mehr, ist die Zeit günstig für die Chinesen, die Krise vom Ölexport abhängiger Länder zu nutzen. Bereits in den vergangenen Tagen hat Chinas Präsident seine Amtskollegen aus Venezuela und Ecuador mit allen Ehren empfangen. Einen „alten Freund des chinesischen Volkes“ nannte er Venezuelas Präsident Maduro. Dieser hatte China zuvor als „Schwester“ gepriesen.

          China hat auch einen Fuß auf Kuba

          Nun darf allein Venezuela, dem dieser Tage die Devisenreserven schwinden, auf 20 Milliarden Dollar aus Peking hoffen. Das teilte die staatliche venezolanische Nachrichtenagentur Agencia Venezolana de Noticias mit, nachdem Staatschef Nicolás Maduro in Peking mit Xi gesprochen hatte. China soll das Breitbandnetz und die Computerproduktion im Land fördern – und natürlich Öl. Ecuador hat sich nach eigenen Angaben Kredite über 7,5 Milliarden Dollar gesichert.

          Die Struktur der lateinamerikanischen Handelsbeziehungen zu China ist dabei nicht anders als die zu westlichen Industrieländern. Lateinamerika liefert Rohstoffe, China verkauft im Gegenzug Fertigwaren und Technologie – in der vergangenen Dekade war das für Lateinamerika ein gutes Geschäft. Zu Zeiten des globalen Rohstoffbooms konnten die Latinos für Erze, Öl und Sojabohnen immer mehr Handys, Computer und Maschinen aus China kaufen.

          In Zeiten billigen Öls verschlechtern sich die Austauschbedingungen für die Rohstofflieferanten allerdings rapide: Venezuelas Erdöl, mit dem es die chinesischen Kredite bezahlt, ist nur noch halb so viel wert wie Mitte des vergangenen Jahres. Auch die Preise für Eisenerz aus Brasilien, Kupfer aus Chile und Peru oder Soja aus Argentinien sind eingebrochen. Lateinamerika hofft darum auf chinesische Investitionen in den Ausbau seiner Industrie und der Infrastruktur.

          Allerdings nicht ohne Vorbehalte. In Argentinien wächst die Kritik an Abkommen mit China, bei denen die Volksrepublik Infrastruktur finanziert, im Gegenzug aber Aufträge ohne internationale Ausschreibungen erhalten soll und auch chinesische Arbeitskräfte unter Vorzugsbedingungen ins Land bringen darf.

          Die Vergabe von günstigen Krediten Chinas an Argentinien spiegelt sich im Warenhandel. Argentiniens Defizit im bilateralen Handel mit China stieg 2014 nach Schätzung der Analysefirma Abeceb trotz der Rezession auf einen Rekordwert von 6,3 Milliarden Dollar.

          Auch in Kuba, das sich jetzt gegenüber den Vereinigten Staaten öffnet, hat China frühzeitig seine Pflöcke eingeschlagen. Die Volksrepublik tritt vor allem als Kreditgeber für große Investitionsprojekte in der Öl- und Gasindustrie sowie in der Elektrizitätswirtschaft auf. Zudem ist China bereits Kubas zweitwichtigster Handelspartner nach Venezuela.

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