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Handel : Wie China seine Macht in Südamerika vergrößert

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Hoher Besuch in Havanna: Chinas Präsident Xi und Kubas Staatschef Raul Castro (l.) Bild: dpa

Es geht um Rohstoffe, Getreide, Eisenbahnen: China steckt Milliarden in Südamerika. Und macht sich unabhängiger von den Vereinigten Staaten.

          China baut seine Position in Lateinamerika aus. Nicht weniger als acht Tage war Chinas Staatspräsident Xi Jinping gerade in der Region unterwegs. Begleitet wurde er von einer aus 200 Personen bestehenden Wirtschaftsdelegation. Brasilien, Argentinien, Venezuela und Kuba waren die Stationen, nachdem Xi im vergangenen Jahr schon Mexiko sowie kleineren Staaten in Mittelamerika und der Karibik seine Aufwartung gemacht hatte. Die ausgedehnten Besuche zeigen, wie wichtig Lateinamerika als Wirtschaftspartner für China geworden ist. Und umgekehrt: Die wachsende Nachfrage Chinas nach Soja, Fleisch und Kupfer aus Südamerika hat den Aufschwung der Latinos in der vergangenen Dekade entscheidend vorangetrieben.

          Seit der Jahrtausendwende wächst der Handel zwischen China und Lateinamerika um 23 Prozent im Jahr. Allein der Warenaustausch zwischen Brasilien und China ist seit 2002 von 3 Milliarden auf 83 Milliarden Dollar 2013 rasant gestiegen. Schon vor fünf Jahren wurde China zu Brasiliens größtem Handelspartner noch vor den Vereinigten Staaten. Auch für Chile und Peru ist China der wichtigste Exportkunde, für Argentinien und Venezuela steht das asiatische Land an zweiter Stelle. China verbraucht 40 Prozent des auf der Welt exportierten Kupfers und 53 Prozent des Sojas. Südamerika ist für diese Produkte der wichtigste Lieferant.

          Zur Sicherung seiner Versorgung mit südamerikanischen Rohstoffen engagiert sich China mit Krediten und Investitionen beim Ausbau der Infrastruktur, die für den Abtransport von Getreide und Mineralien benötigt wird. So steckt China 2 Milliarden Dollar in die Modernisierung der argentinischen Eisenbahnlinie Belgrano Cargas, die den Transport von Soja zu den Atlantikhäfen kostengünstiger machen soll. Geprüft werden Pläne für den Bau einer Bahnverbindung von Brasilien durch die Anden bis zur Pazifikküste in Peru.

          Devisenvereinbarung mit Argentinien

          Mit attraktiven Finanzierungsangeboten sichert sich China zugleich Aufträge für seine Unternehmen. Der brasilianische Bergbaukonzern Vale erhält einen Kredit von 7,5 Milliarden Dollar für den Erwerb von Schiffen und anderen Ausrüstungen aus China. Im argentinischen Patagonien finanzieren chinesische Banken mit 4,7 Milliarden Dollar den Bau von zwei Wasserkraftwerken. Den Auftrag sicherte sich der chinesische Baukonzern Gezhouba mit lokalen Partnern. Xi stellte bei seinem Besuch jetzt weitere 35 Milliarden Dollar für südamerikanische Infrastrukturprojekte in Aussicht.

          Für klamme Staaten wie Argentinien und Venezuela ist China eine der wenigen Quellen von ausländischem Kapital. Chinas Geldspritzen beruhen freilich nicht auf Solidarität; sie sichern Rohstoff-Lieferungen und chinesische Exporte. Rund 50 Milliarden Dollar hat China in den vergangenen Jahren allein Venezuela geliehen. Die Rückzahlung erfolgt in Erdöl. Mit Argentinien schloss China jetzt ein Währungstauschabkommen, das der von akuter Devisenknappheit geplagten argentinischen Notenbank Zugriff auf Yuan-Kreditlinien im Wert von 11 Milliarden Dollar eröffnet. Der Umfang des Swapkontingents entspricht ziemlich genau dem Gesamtwert der chinesischen Jahresexporte nach Argentinien, die bisher in Dollar bezahlt wurden.

          Den Anfang von Xis Südamerika-Reise hatte dessen Teilnahme am Gipfeltreffen der BRICS-Staaten in Brasilien gemacht. Dort wurde unter anderem die Gründung einer neuen Entwicklungsbank und die Einrichtung einer gemeinsamen Währungsreserve der BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika vereinbart. Auch in Lateinamerika dürften diese beiden neuen Finanzgebilde künftig in Konkurrenz zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds treten. China wird allein 41 Milliarden Dollar zu dem Reservekontingent in Höhe von 100 Milliarden Dollar beisteuern.

          Das Muster der Handelsbeziehungen zwischen China und Südamerika entspricht ganz den althergebrachten Beziehungen zwischen westlichen Industrieländern und der Region. Lateinamerika liefert Rohstoffe, China verkauft im Gegenzug Fertigwaren und Technik. Allerdings sind die Austauschbedingungen heute günstiger für die Rohstofflieferanten. Für jede Schiffsladung Soja können die Latinos heute deutlich mehr Technikprodukte kaufen als zur Jahrtausendwende. Der jüngste Rückgang der Rohstoffpreise zeigt indes, dass sich die Verhältnisse auch wieder drehen könnten.

          Schwerpunkte der chinesischen Direktinvestitionen in Südamerika sind bisher der Bergbau und die Ölförderung. Doch auch Industrie, Handel und Finanzen gewinnen an Bedeutung. Der chinesische Nahrungsmittelkonzern Cofco übernahm vor kurzem mit den Unternehmen Nidera und Noble zwei der wichtigsten Getreidehändler der Welt, die gerade in Südamerika führend sind. Die Übernahmen machen China weniger abhängig von amerikanischen Konzernen, die sonst den globalen Getreidehandel dominieren.

          Chinas bis vor einigen Jahren noch unbedeutende Direktinvestitionen in Lateinamerika erreichen seit 2010 immerhin einen Umfang von etwa 10 Milliarden Dollar im Jahr, schätzen Ökonomen in einer Studie für die UN-Wirtschaftskommission Cepal. Das entspräche einem Anteil von etwa 6 Prozent an den gesamten ausländischen Investitionen in Lateinamerika. Genaue Daten sind schwer zu ermitteln, da die Chinesen ihre Anlagen vorzugsweise über Steuerparadiese kanalisieren. In jedem Fall liegen die chinesischen Investitionen in Lateinamerika bisher noch weit abgeschlagen hinter den traditionell dominierenden Investitionen aus Europa und Amerika.

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