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Angst vor Pleite : Bezirksgouverneur bekämpft Bankrun in Ostchina

  • Aktualisiert am

Kunden der Rural Commercial Bank of Huanghai in der Provinz Jiangsu wollen ihre Geld abheben. Bild: REUTERS

Im Osten Chinas heben Kunden einer kleinen Bank in Panik ihr Geld ab. Sie fürchten, dass das Institut pleitegeht. Nun schreitet die kommunistische Führung ein.

          Ein Kundenansturm auf kleinere Banken im Osten Chinas hat die kommunistische Führung auf den Plan gerufen. Mit einer Garantieerklärung versuchte ein Bezirksgouverneur an diesem Mittwoch, Bewohnern der betroffenen Region Jiangsu die Angst vor dem Verlust ihrer Ersparnisse zu nehmen.

          Auslöser des Bankruns waren Gerüchte über die Insolvenz eines Geldhauses. Der betroffenen Jiangsu Sheyang Rural Commercial Bank in der Stadt Yancheng war es zuvor nicht gelungen, selbst die Sparer zu beruhigen. Vor Zweigstellen der Bank bildeten sich den dritten Tag in Folge lange Schlangen, da in Panik geratene Kunden Geld abheben wollten. Auch ein zweites kleines Institut erlebte einen Kundenansturm.

          Um die Sparer von ihrer (ausreichenden) Liquidität zu überzeugen, plazierten einige Filialen Geldbündel an den Schaltern und horteten weitere Vorräte gut sichtbar in den hinteren Bankräumen. Laut Mitarbeitern der Sheyang-Bank waren einige Zweigstellen rund um die Uhr geöffnet, um dem Kundenansturm standzuhalten. Augenzeugen berichteten, einige Sparer hätten Bargeld in Wäschekörben aus den Filialen getragen. Gepanzerte Geldtransporter lieferten ständig Nachschub.

          Keine Einlagensicherung

          Der Ansturm auf die Banken wirft ein Schlaglicht auf die Nervosität vieler Sparer in der Volksrepublik, da es bislang keine staatliche Einlagensicherung gibt. Die Aufsicht hat eine rasche Einführung in Aussicht gestellt, ohne ein konkretes Datum zu nennen.

          Auslöser der Panik in Jiangsu war das am Montag aufgekommene Gerücht, dass einem Kunden die Auszahlung eines Geldbetrags in Höhe vom umgerechnet mehr als 23.000 Euro verweigert worden sei. Die Bank wollte sich nicht dazu äußern.

          In China sind Bankpleiten bislang praktisch unbekannt, da der Staat die Zahlungsfähigkeit der Institute garantieren kann. Eine Umfrage unter Firmen mit höherer Verschuldung ergab zudem, dass die Banken mittlerweile mehr auf Sicherheit achten, wenn sie neue Kredite vergeben. Als Gründe gelten die schwächere Konjunktur und die geringere Neigung des Staates, bei Finanzproblemen als Nothelfer einzuspringen.

          Das viertgrößte Geldhaus Chinas überraschte unterdessen mit einem hohen Gewinn. Die Bank of China (BOC) steigerte den Netto-Überschuss im vierten Quartal 2013 um elf Prozent auf umgerechnet 4,3 Milliarden Euro. Zugleich hielt das Institut die Rate vom Ausfall gefährdeter Kredite unter der Grenze von einem Prozent.

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