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Chef der Kassenärzte tritt zurück : Gröhe mahnt Ärzte zu „respektvollem Umgang“

  • -Aktualisiert am

Gesundheitsminister Hermann Gröhe Bild: AFP

Nach dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ruft Gesundheitsminister Gröhe die streitenden Haus- und Fachärzte zur Ordnung: Er wünscht sich einen „kollegialen und respektvollen Umgang“.

          Die Nachricht war keine Überraschung, der Zeitpunkt schon: Am Mittwochmorgen erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, vorzeitig seinen Rücktritt: „Aus gesundheitlichen Gründen habe ich die für mich schwere Entscheidung getroffen, mein Amt zum 1. März niederzulegen.“ Mitte November hatte er einen Herzinfarkt erlitten. Seit Montag war er wieder im Dienst. Zwei Tage später der Rücktritt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Gesundheitliche Gründe wiegen schwer, doch sind sie nicht der alleinige Treiber für Köhlers Abgang nach fast zehn Jahren an der Spitze der KBV, die die Interessen von 155.000 Kassenärzten und Psychotherapeuten vertritt. Auch der Ende 2013 aufgebrochene Streit zwischen Haus- und Fachärzten über die Zukunft der KBV dürfte dabei eine Rolle spielen.

          Darauf bezog sich die dringende Mahnung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) an die Ärzte: „Für die ärztliche Selbstverwaltung wünsche ich mir einen kollegialen und respektvollen Umgang.“ Die Funktionsfähigkeit der Selbstverwaltung der gesamten Vertragsärzteschaft dürfe nicht gefährdet werden. Kernelement der historisch gewachsenen Versorgungsstrukturen sei das Prinzip der Selbstverwaltung und damit auch der ärztlichen Selbstverwaltung. Gröhe dankte Köhler persönlich, der „herausragendes für die vertragsärztliche Versorgung geleistet“ habe. In der Ärzteschaft wurde der Rücktritt Köhlers vielfach als „Zäsur“ bewertet.

          Köhlers Rücktritt eine „Zäsur“

          Köhler war, wie das KBV-Systeme, nicht immer einfach im Umgang: Mehrfach hatte der Arzt und Betriebswirt Streit mit seinen Stellvertretern, die die innerärztlichen Auseinandersetzungen der Haus- und Fachärzte, aber auch um die Rolle des Kassenarztsystems widerspiegelten. In der Vertreterversammlung der Kassenärzte konnte er sich aber immer auf eine solide Mehrheit verlassen.

          Erst im Dezember war ein Abwahlantrag gegen ihn gescheitert. Zu dem Zeitpunkt hatte Köhler bereits seinen Abschied angeboten, das aber daran geknüpft, dass der  für Hausärzte verantwortliche zweite Vorstand, Regina Feldmann, den Posten aufgeben werde. Das hatte sie abgelehnt. Einen Abwahlantrag überstand sie knapp mit 22 von 20 notwendigen Stimmen der 60 Ärztevertreter. Gremien der KBV berieten am Mittwoch über das weitere Vorgehen. Ein Nachfolger könnte Ende Februar, auf der nächsten ordentlichen Vertreterversammlung  gewählt und so  eine Vakanz an der Spitze der KBV vermieden werden.

          Spahn: „Gut und verlässlich zusammengearbeitet“

          In öffentlichen Kommentaren wurde Respekt und Bedauern über Köhlers Rücktritt geäußert. Für die Union sagte deren gesundheitspolitischer Sprecher, Jens Spahn (CDU), man habe immer „gut und verlässlich zusammengearbeitet“. Die Grünen stellten fest, Köhler habe die KBV „geprägt wie kaum ein anderer“. Die Vorsitzende des Spitzenverbands der Krankenkassen Doris Pfeiffer lobte Köhler als „überzeugten Verfechter der gemeinsamen Verantwortung von Ärzten und Kassen für die gute Versorgung der Menschen“. Der frühere Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) lobte Köhlers Kompetenz und Kooperationswillen.

          Die Vorsitzenden der Vertreterversammlung der KBV stellten fest, Köhler habe „für das gesamte System der Kassenärztlichen Vereinigungen Großes geleistet“. Seit Rücktritt stelle einen Einschnitt dar. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der im Streit mit Köhler aus der KBV-Führung geschieden war, erklärte, man nehme die Rücktrittsentscheidung mit Respekt zur Kenntnis und hoffe, dass die Neuwahl des fachärztlichen KBV-Vorstandes zu mehr Konsens zwischen Fach- und  Hausärzten führen werde. Den von Heinrich und anderen verlangten Rücktritt Feldmanns schloss er damit indirekt aus.

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