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Burnout : Überfordert und ausgebrannt

Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RÜCHEL

Mehr Deutsche denn je fühlen sich tief erschöpft. Doch es ist nicht die Arbeit allein, die uns krank macht. Es sind auch unsere überzogenen Erwartungen an ein perfektes Leben.

          12 Min.

          Wenn die Erschöpfung da ist, sind die meisten Menschen schon so abgestumpft, dass sie es gar nicht mehr bemerken. Es braucht einen Schlag von außen. Manchmal sendet ihn der Körper. Für Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski war es seine siebzigste Panikattacke, bei der er sagte: So geht es nicht mehr. Für Modemanager Carsten Voss waren es zwei Hörstürze und ein Schlaganfall. Oft ist es auch die Familie, die eingreift. Ein Vorstand aus Norddeutschland ließ sich behandeln, als seine Frau drohte, sonst auszuziehen. Eine Verkaufsmanagerin aus dem Ruhrgebiet wurde von ihrer Mutter zum Arzt geschickt. Und gar nicht so selten sind es die Chefs - sonst meist die Bösen in den Burnout-Geschichten -, die Hilfe bringen. Der Mercedes-Manager Jan Bredack dachte, er habe ein Meeting zur Teamentwicklung. Doch die beiden Psychologen, die zum Meeting riefen, rieten ihm dringend, eine Pause zu nehmen. „Das war hardcore“, sagt er heute. „Aber auch erleichternd.“

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst wenn dieser Schlag von außen kommt, sind viele Erschöpfte bereit, sich einzugestehen, dass sie nicht mehr können. Dass sie vollkommen ausgebrannt sind. Später können sie es kaum fassen, was sie sich selbst angetan haben. Warum haben sie nicht eher Hilfe gesucht, um ihr Leben umzukrempeln?

          Burnout ist keine Krankheit, sagen Mediziner. Burnout ist ein Risikozustand. Das wichtigste Erkennungszeichen: Man fühlt sich überwältigend erschöpft. Aufstehen, Duschen, Kaffee kochen, alles, was zur Tagesroutine gehört, wird zur unzumutbaren Kraftanstrengung. Die eigene Arbeit wird als wirkungslos erlebt, was häufig auch stimmt: Denn die Leistungsfähigkeit nimmt dramatisch ab. Mercedes-Manager Bredack beobachtete stundenlang eine Fliege in seinem Büro. Tagelang fuhr er mit dem Auto herum, statt zu arbeiten. Und noch etwas kommt hinzu: Die Distanz zur Umwelt wird größer. Die Erschöpften werden zynisch, apathisch.

          Dieser Risikozustand kann irgendwann, schleichend, in eine handfeste Krankheit münden: meist in eine Depression, dann oft Erschöpfungsdepression genannt. Möglich sind aber auch Panikattacken wie bei Bertelsmann-Chef Ostrowski oder körperliche Krankheiten. Erst wenn es so weit ist, geraten die Ausgebrannten richtig aus dem Tritt.

          Burnout ist ein gesellschaftliches Problem. Denn es melden sich immer mehr Betroffene. Gab es 2004 noch lediglich 4,6 Krankheitstage durch Burnout je 1000 Krankenversicherte, so waren es im Jahr 2012 schon 87,5 Krankheitstage. Eine Steigerung um 2000 Prozent in acht Jahren. Seelische Erkrankungen sind heute der häufigste Grund für die Frühverrentung. Ein wichtiger Auslöser dafür: Burnout.

          Perfektionisten und Idealisten sind besonders anfällig

          Die Arbeit sei schuld, heißt es gerne. Die hohen Anforderungen in den Firmen, der globale Konkurrenzkampf, die unsicheren Jobs, die schnelle Kommunikation, der Kapitalismus überhaupt - das alles frisst die Menschen auf. Die Erklärung ist naheliegend. Schließlich ist eines bewiesen: hoher beruflicher Stress und Burnout hängen eng zusammen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Stress wird sehr unterschiedlich empfunden. Was den einen fertigmacht, beflügelt den anderen. „Das Problem unserer Zeit ist weniger die Verdichtung der Arbeit als der Umgang damit“, sagt Helen Heinemann, die Gründerin des Instituts für Burnout-Prävention in Hamburg. „Es sind die Leute selbst, die nicht Stopp sagen.“

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