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Bundesweite Razzia : Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen

  • -Aktualisiert am

Die Arbeit auf den Schlachthöfen wird oftmals von Rumänen oder Ungarn übernommen Bild: ddp

Rumänen, Ungarn oder Bulgaren zerlegen als Akkordarbeiter im Schichtbetrieb auf deutschen Schlachthöfen Fleisch. Und bekommen dafür fast nichts. Bekannt ist das schon lange. Jetzt bestätigt die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf, dass sie gegen ein Firmengeflecht von zwei Dutzend Unternehmen ermittelt.

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          Die miserablen Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in der Schlachtindustrie sind seit langem bekannt. In einer langen Wertschöpfungskette der Verantwortungslosigkeit stehen Osteuropäer, die offenbar wie Sklaven leben, als schwächstes Glied. Das ist längst auch der Fleischindustrie peinlich. Sie hatte Jahre lang die Augen vor diesem Problem verschlossen und sich die Verhältnisse schöngeredet: Die Rumänen machten die Arbeit doch freiwillig, und man sei nicht verantwortlich für die Arbeitsbedingungen der Subunternehmer.

          Die Zustände auf den Schlachthöfen sind inzwischen in den Blick von Ermittlungen geraten. Es werde gegen 22 Beschuldigte und ein Firmengeflecht von rund zwei Dutzend Unternehmen ermittelt, bestätigte Staatsanwalt Ralf Möllmann am Montag in Düsseldorf Informationen des „Norddeutschen Rundfunks“. Durchsuchungen gab es in Kamp-Lintfort und Moers.

          Bereits Mitte Mai hätten 450 Ermittler bundesweit an 90 Orten Büros und Wohnungen durchsucht, hieß es weiter von der Staatsanwaltschaft. Sie geht dem Verdacht nach, dass mit dem Einsatz der Leiharbeiter aus Rumänien und Polen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen wurden.

          Die Lage der rechtlosen Rumänen oder Ungarn ist zumindest in Niedersachsen zum Politikum geworden. Vor einigen Wochen kamen erstmals Vertreter der sechs größten Fleischkonzerne wie PHW, Tönnies oder Danish Crown mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Agrarminister Christian Meyer (Grüne) zusammen. Die Unternehmensvertreter stimmten laut den Ministerien unter dem Druck zunehmend empörter Öffentlichkeit „fast alle“ einem bundesweiten Mindestlohn für die Schlachthöfe zu.

          Ferner hätten sie ihre „grundsätzliche Bereitschaft“ erklärt, „den Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter zu erhöhen“. Auch wollten sie sich finanziell an einer „Beratungsstelle für ausländische Beschäftigte in der Fleischindustrie“ beteiligen und gaben sich offen für eine Zertifizierung von Werkvertragsunternehmen. Konkret ist davon noch nichts geworden.

          „Wir müssen Widerstand leisten“

          Über die kriminelle Energie in diesem Sektor hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor rund zwei Monaten berichtet: Jenseits von Mindestlohnregelungen arbeiten hierzulande Rumänen, Ungarn oder Bulgaren als Akkordarbeiter und tragen so das enorme Produktions- und Exportwachstum der Branche mit. Sie leben in engen Unterkünften, etwa mit acht Mann in einem Vierbettzimmer - von denen dann vier tagsüber, vier in der Nachtschicht am Fließband zum Beispiel Putenteile zerlegen. Diese Lebens- und Arbeitsbedingungen kritisiert mittlerweile nicht nur die Gewerkschaft NGG, sondern auch die rot-grüne Regierung des größten Fleischerzeugerlandes Niedersachsens, wie auch Teile der CDU. Viele Aussagen der Arbeiter zeigen deutliche Missstände.

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