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Stromtrassen : Höchstspannung in Bayern

Ein Hochspannungsmast. Bild: dpa

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer wehrt sich gegen neue Stromtrassen durch sein Bundesland. Doch die Bundesnetzagentur sieht das anders. Sie hat eine neue Planung aufgestellt - und will die Trassen immer noch.

          2 Min.

          Trotz der Blockadehaltung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer hält die Bundesnetzagentur in ihren Planungen für die Energiewende an den neuen Höchstspannungsleitungen nach Süddeutschland fest.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In ihrem Entwurf für den aktualisierten Netzentwicklungsplan stuft sie die drei großen Nord-Süd-Verbindungen weiter als „energiewirtschaftlich notwendig und vordringlich“ ein. Seehofer stellt die Südost-Leitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern ebenso in Frage wie die als „Südlink“ bezeichnete Trasse, die Windstrom von der Nordsee in den Freistaat transportieren soll. Das dritte große Leitungsprojekt führt von Emden nach Philippsburg in Baden-Württemberg. „Der Bedarf wird durch die Prüfungsergebnisse zum wiederholten Mal klar belegt“, sagte Behördenpräsident Jochen Homann.

          Der Netzentwicklungsplan (NEP) wird alljährlich fortgeschrieben, um ihn an die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Zum ersten Mal hat die Netzagentur nun die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes berücksichtigt, mit dem die Bundesregierung unter anderem die Ziele für den Ausbau der Windkraft im offenen Meer zurückgenommen hatte.

          In der Planung wird außerdem unterstellt, dass das Stromnetz nicht mehr für die letzte erzeugte Kilowattstunde von Wind- und Sonnenstrom ausgebaut werden muss. Grundlage dafür ist ein Grünbuch des Bundeswirtschaftsministeriums, wonach in Zukunft bis zu 3 Prozent der Spitzenlast abgeregelt werden dürfen, um die Kosten für den Netzausbau zu begrenzen.

          Aber trotz Spitzenkappung und weniger Offshore-Windkraft: Weil immer mehr Strom aus Solaranlagen und Windrädern an Land in die Netze drängt, werden auch mehr Leitungen benötigt als zunächst erwartet. Der 2013 verabschiedete „Bundesbedarfsplan“, die gesetzliche Grundlage für den Stromnetzausbau, reiche nicht mehr aus, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, heißt es in den Unterlagen der Netzagentur. Dabei geht es aber weniger um den Bau neuer Trassen als um die Verstärkung von vorhandenen Wechselstromleitungen.

          Nach den aktualisierten Modellrechnungen der Netzagentur müssen bis 2024 rund 2750 Kilometer Leitungen neu durch Deutschland gezogen werden. Eine ebenso großer Teil des bestehenden Netzes muss auf größere Leistungen aufgerüstet werden. Die Übertragungsnetzbetreiber kalkulieren sogar mit 3300 Kilometern Neubau und 3700 Kilometern Nachrüstung. Die Gesamtkosten dafür würden sich nach früheren Angaben auf mindestens 22 Milliarden Euro belaufen. Von den eingereichten 92 Projekten hat die Netzagentur bisher nur 63 akzeptiert und in ihre Planung aufgenommen. Im Juli wollen die Netzbetreiber neue Planungsdaten für die nächste Aktualisierung einreichen.

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