https://www.faz.net/-gqe-8hb13

Bundesfinanzminister : Macht Schäuble weiter?

Im Kreis der Mächtigen: Wolfgang Schäuble auf dem G7-Treffen in Japan. Bild: dpa

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ist mittlerweile 73 Jahre alt. Amtsmüdigkeit ist nicht zu erkennen. Ob er noch einmal antritt, hängt womöglich auch davon ab, „was Heinz macht“.

          4 Min.

          Diese Tage trifft er seine Amtskollegen in Japan, im April war er nach Washington geflogen und im Februar nach Schanghai. Zwischendurch gab es so einige Runden im Kreis der Finanzminister in Brüssel oder Amsterdam. Wolfgang Schäuble zeigt keinerlei Zeichen von Amtsmüdigkeit. Ende Juli geht es noch einmal zur Zwanzigergruppe nach China, im Oktober zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds nach Amerika.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wer den mittlerweile 73 Jahre alten Politiker auf seinem Flug nach Sendai begleiten konnte, erlebt einen Mann, der Freude an seiner Arbeit ausstrahlt und in sich ruht. Wie fit er derzeit ist, demonstrierte er auf der feierlichen Empfangsveranstaltung: Ein Schlag mit dem Holzhammer, und der Sake lief. Andere brauchten länger bei der Prozedur, die an das Anzapfen eines Bierfasses erinnert.

          Aber wie lange kann man so eine Aufgabe ausüben? In sechzehn Monaten wird gewählt. Bei der nächsten Regierungsbildung wird Schäuble 75 Jahre alt sein. Im Hintergrund sortieren sich langsam die Parteien, um die Kandidaten für die Wahlkreise zu bestimmen. Schäuble hat das Glück, dass er sich eines großen Rückhalts an der Basis gewiss sein kann, aber irgendwann brauchen auch seine lokalen Parteifreunde Klarheit.

          Kohl, Schäuble, Merkel

          Politische Weggefährten und Mitstreiter fragen sich immer öfter, ob Schäuble weitermachen oder aufhören wird. Man kann sich in Berlin weder vorstellen, dass er noch einmal eine Legislaturperiode dranhängen wird, noch kann man sich vorstellen, dass er aufhören wird, da Politik sein Leben ist.

          Was man öfter dahinsagt, gilt bei ihm wirklich. Das zeigte sich insbesondere nach dem Attentat, das ihn seit nunmehr gut 25 Jahren an den Rollstuhl fesselt. Als seine Familie ihn daraufhin damals noch im Krankenhaus bedrängte, mit der Politik Schluss zu machen, reagierte er empört: „Das könnt ihr mir nicht auch noch nehmen“, raunzte er sie da an, wie er selbst später freimütig berichtete. Schäuble kehrte wenige Wochen nach dem Anschlag in den politischen Betrieb zurück und übernahm die Führung der Unionsfraktion.

          Nach Helmut Kohls Abwahl stieg der ewige Nachfolgekandidat tatsächlich zum Parteivorsitzenden auf, in der kurz darauf akut werdenden Parteispendenaffäre verlor er das Amt wieder - seine Nachfolgerin wurde seine damalige Generalsekretärin: Angela Merkel. Schäuble machte wie immer weiter: Er wurde 2005 unter Bundeskanzlerin Merkel zum zweiten Mal in seinem Leben Innenminister, bis er im Jahr 2009 das wurde, was er schon länger angestrebt hatte: Er rückte an die Spitze des Bundesfinanzministeriums. Vier Jahre vorher hatte das die große Koalition noch verhindert.

          Der Start ins erträumte Amt war alles andere als traumhaft. Der Badener begann in der Finanzkrise, erbte von seinem Vorgänger Peer Steinbrück einen Haushaltsentwurf mit einem eingeplanten Defizit von rund 80 Milliarden Euro und durfte nach wenigen Monaten in seiner neuen Funktion erleben, dass ein Euromitglied seinen Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Der Fall Griechenlands sollte sich als der Auftakt einer fulminanten Staatsschuldenkrise im Euroraum erweisen - und ausgerechnet da ließ der Körper den Willensmenschen Schäuble im Stich.

          Der Finanzminister musste auf dem Weg zu einem Krisentreffen in Brüssel ins Krankenhaus. Und er fiel in der Folge lange aus. In dieser in jeder Hinsicht heiklen Phase dachte er an Rücktritt, aber Merkel hielt ihn davon ab. Die Bundeskanzlerin rief extra Schäubles Ehefrau an, um ihr zu sagen, dass sie ihrem Mann ausrichten möge, er solle sich die Auszeit nehmen, die er benötige: Sie wolle auf jeden Fall auf ihn warten, sie brauche ihn. Diese Aktion dürfte für die weitere Zusammenarbeit der beiden Politiker prägend gewesen sein.

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regen der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.
          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.