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Bundesfinanzminister : Macht Schäuble weiter?

Nach dem schwierigen ersten Jahr lief es für Schäuble sichtlich besser. Nicht nur er, sondern auch der Bundeshaushalt gesundete: Die erste schwarze Null seit 1969. Die Eurostaaten-Schuldenkrise konnte zumindest eingedämmt werden. Nur Griechenland blieb sich treu: verschleppte Reformen, Krisentreffen, das Ringen um Hilfen, das alles gibt es heute wie damals. Die nächste Runde in dieser schier unendlichen Geschichte steht kommenden Dienstag in Brüssel an.

Schäuble ficht das ewige Hin und Her nicht an. Im Gegenteil. Dieses ernste Spiel mit ökonomischen, politischen und strategischen Elementen reizt ihn nach wie vor. Das gilt nicht nur im Fall Griechenland, das gilt genauso für innenpolitische Fragen. Als es beispielsweise um die Kaufprämie für Elektroautos geht, hat der Herr der Bundeskasse den drei Parteivorsitzenden so lange wie möglich Widerstand geleistet.

Stoppen konnte er den ordnungspolitischen Sündenfall nicht, aber Schäuble tröstet sich nun damit, dass es für den Bundeshaushalt zumindest spürbar billiger wird, als nach den ersten Plänen zu erwarten war. Problematischer ist aus seiner Sicht das schwierige Verhältnis mit den Ländern. Einer gegen sechzehn, die nur darauf erpicht sind, mehr für sich herauszuholen, ohne auf das bundesstaatliche Gefüge zu achten - das empört einen Menschen wie Schäuble, der bei aller Freude an taktischen Manövern stets die Folgen für die staatlichen Strukturen im Auge behält.

Also wie lange noch diese Mischung aus Feilschen, Fortschritt und Frustrationen? Der in die Jahre gekommene Mann, der selbst immer mal wieder mit seinem Alter kokettiert, sollte am besten seine Kräfte einschätzen können. Kann man die mit dem Amt des Finanzministers verbundenen Aufgaben mit Mitte 70 noch bewältigen und das im Rollstuhl? Schäuble weiß, dass die Öffentlichkeit mit Recht solche Fragen stellen wird. In diesem Punkt ist der Flug nach Japan für ihn hilfreich. Der Gastgeber ist noch älter als er selbst. Finanzminister Taro Aso feiert im September seinen 76. Geburtstag.

Was macht der Heinz?

Es ist davon auszugehen, dass Schäuble sich so spät wie möglich öffentlich erklären wird. Wenn er in den nächsten Tagen ankündigen sollte, wieder antreten zu wollen, droht ihm über die Sommerpause eine Debatte über sein fortgeschrittenes Alter. Falls er ankündigen sollte, aufhören zu wollen, wäre er dann sofort das, was die Amerikaner eine „lahme Ente“ nennen. Wenn er dagegen abwartet, kann er hoffen, dass Bundespräsident Joachim Gauck, der noch ein bisschen älter als Schäuble ist, bei der Altersfrage helfen wird. Wenn Gauck, den derzeit fast alle Parteien bedrängen, sich für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stellen, noch einmal antritt, kann der Finanzminister auf Gaucks Beispiel verweisen.

Selbst seine engsten Mitstreiter im Ministerium wissen noch nicht, was der gebürtige Freiburger plant - beteuern sie zumindest glaubhaft. Das letzte Mal, als diese Frage „Weitermachen oder nicht“ anstand, fragte Schäuble eine kleine Führungsrunde: Was macht Heinz? Der Heinz heißt mit Nachnamen Riesenhuber, ist mittlerweile 80 Jahre alt und ebenfalls altgedienter Abgeordneter. Der Parteifreund und Fliegenträger ist seit 1976 Mitglied des Bundestags. Schäuble ist vier Jahre länger dabei.

Damit kommt der Minister auf ein Sternchen mehr im rot-weiß gestreiften Handbuch, das die Lebensläufe der Abgeordneten enthält. Wenn Schäuble aufhören sollte, aber Heinz weitermachte, gäbe es ein Sternchen-Patt. Seine Rekordbilanz als Abgeordneter ist Schäuble wichtig. Bei seiner persönlichen Entscheidung werden viele Aspekte eine Rolle spielen, möglicherweise eben auch, was der Heinz macht.

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