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Britische Premierministerin : Mays Signal für einen harten Brexit

Großbritanniens Premierministerin Theresa May Bild: AFP

Großbritanniens Regierungschefin strebt einen harten Brexit an. Für eine klare Trennung ihres Landes von der EU will sie offenbar auch den freien Zugang zum Binnenmarkt opfern. Die Nachricht hat erste Folgen.

          Großbritanniens Premierministerin Theresa May steuert beim bevorstehenden Brexit auf eine klare Trennung ihres Landes von der EU zu. In einem Interview wurde die Regierungschefin gefragt, ob für sie die Begrenzung der Einwanderung aus der EU Priorität gegenüber einer weiteren Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt habe. „Häufig reden die Leute, als ob wir irgendwie die EU verlassen würden und trotzdem Teile der EU behalten wollten“, antwortete May im Fernsehsender Sky. Dies sei aber nicht der Fall: „Wir gehen, wir kommen raus. Wir werden nicht länger ein Mitglied der EU sein.“ Es ist Mays bisher deutlichster Hinweis darauf, dass sie bereit ist, den bislang freien Zugang zum Binnenmarkt aufzugeben.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Devisenmarkt setzten die Äußerungen Mays am Montag das britische Pfund unter Druck. Gegenüber dem Dollar sank die britische Währung auf den tiefsten Stand seit Oktober als die Premierministerin erstmals deutlich einen „harten“ Brexit signalisiert hatte. Die Investoren fürchten wirtschaftsschädliche Handelshürden, wenn Großbritannien keinen freien Zugang mehr zum Binnenmarkt hat. Neben möglichen Zöllen fürchten Unternehmen abweichende Produktstandards und andere sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse.

          Jede zweite Bank verlagert bereits Arbeitsplätze

          Das britische Pfund hat gegenüber Euro und Dollar im vergangenen Jahr um rund 18 Prozent abgewertet. In der wichtigsten britischen Exportbranche laufen die Vorbereitungen auf den Brexit schon auf Hochtouren: Die Finanzinstitute in der Londoner City rechnen mit Problemen in ihrem Europageschäft, wenn das Land aus dem Binnenmarkt ausscheidet. Schätzungen zufolge machen derzeit Finanzgeschäfte mit anderen EU-Staaten rund ein Viertel aller Erträge der britischen Geldbranche aus.

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          Eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Unternehmensberatung Ernst&Young unter 200 Finanzinstituten zeigt, dass die Hälfte der Unternehmen schon damit begonnen hat, wegen des bevorstehenden Austritts Arbeitsplätze aus Großbritannien weg zu verlagern. Internationale Großbanken wie Citigroup, Deutsche Bank und Goldman Sachs haben immer wieder mit dem Abbau von Arbeitsplätzen auf der Insel gedroht, wenn die Briten die EU verlassen. Sergio Ermotti, der Vorstandschef der Schweizer Großbank UBS sagte im Herbst, bis zu 30 Prozent von bisher mehr als 5000 Londoner Arbeitsplätzen des Instituts seien gefährdet.

          Die Regierung in London hat angekündigt, bis Ende März den Startschuss für die zweijährigen Austrittsverhandlungen mit den anderen EU-Staaten zu geben. Premierministerin May hat immer wieder bekräftigt, die bislang freie Zuwanderung von Bürgern anderer EU-Staaten auf die Insel solle mit dem Brexit beendet werden. Die sogenannte Personenfreizügigkeit zählt jedoch zu den Grundregeln des Binnenmarkts.

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