https://www.faz.net/-gqe-70ako

Britisches Königshaus : Die Firma

Das 60. Dienstjubiläum der Queen kurbelt den Tourismus und die Konsumlaune der Briten an Bild: AFP

Europas teuerste Monarchin feiert Dienstjubiläum. Wie das königliche Geschäftsmodell der Windsors in der Wirtschaftskrise floriert und zum Wohlstand des Landes beiträgt.

          5 Min.

          Den Begriff soll Prinz Philip geprägt haben: Wenn der Ehemann von Elizabeth II.von der königlichen Familie redet, dann bezeichnet er sie mit Vorliebe als die „Firma“. Das klingt ziemlich profan und ist doch treffend. Ist nicht auch der königlichste aller Königshöfe, mal nüchtern betrachtet, heute in erster Linie ein Dienstleistungsunternehmen? Wenn auch ein ziemlich seltsames: Was genau stellt der Weltkonzern mit Hauptsitz Buckingham Palace eigentlich her? Unternehmensstrategie, Profitabilität und Corporate Governance der verschwiegenen Familiengesellschaft sind weitgehend rätselhaft. Die Windsors sind eine Firma, wie es keine zweite gibt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Wochenende feiert die Vorstandschefin ihr 60. Dienstjubiläum. Die Betriebsfeier zu Ehren des „Diamond Jubilee“ der Königin fällt etwas größer aus als in anderen Unternehmen üblich, wie die staunende Weltöffentlichkeit im Fernsehen erleben wird. Aber welcher andere Chef hält schon sechs Jahrzehnte durch und ist auch mit 86 Jahren noch im Dienst? Außerdem ist die Fete schließlich Teil des patriotischen Geschäftsgegenstands. Die Kosten allerdings sind gewaltig.

          Das Thronjubiläum kostet 1,4 Milliarden Pfund

          Das britische Marketingunternehmen Brand Finance, Spezialist für die Bewertung von Unternehmensmarken, schätzt den royalen Gesamtaufwand im Jubiläumsjahr auf 1,4 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro). Der Großteil davon, rund 1,2 Milliarden Pfund, entfalle auf die volkswirtschaftlichen Kosten des zusätzlichen Feiertags am kommenden Dienstag, den die Regierung den Briten spendiert hat. Die britische Notenbank hat bereits darauf hingewiesen, dass der königliche Extra-Urlaubstag das ohnehin schwache britische Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal zusätzlich belasten werde.

          Brand Finance behauptet dagegen, Britanniens Monarchie schreibe auch im Jubiläumsjahr einen Gewinn von 1 Milliarde Pfund. Den Kosten stehe nämlich ein volkswirtschaftlicher Nutzen der königlichen Familie von 2,4 Milliarden Pfund gegenüber. Auf der Einnahmenseite wird unter anderem verbucht, dass die Royals den Tourismus ankurbelten und das Jubiläum zumindest vorübergehend die eher trübe Konsumlaune der Briten aufhellen werde. Konsumgüterhersteller und Supermärkte auf der Insel überschlagen sich seit Wochen mit patriotischen Extraangeboten zum „Diamond Jubilee“.

          Windsor-Sammeltasse: Die Royals sind eine der wichtigsten britischen Marken.

          Die königliche Familie sei eine der „wertvollsten britischen Marken“, glaubt David Haigh, der Geschäftsführer von Brand Finance: „Man mag von der konstitutionellen Monarchie halten, was man will, aber es gibt wenig Zweifel, dass sie erheblich zum Wohlstand Großbritanniens beiträgt.“ Erhielten die Investmentbanker im Londoner Bankenviertel den Auftrag, den Königshof zu verkaufen, könnten sie einen Erlös von 44 Milliarden Pfund erzielen. Diesen Marktwert der britischen Monarchie haben Haighs Markenschätzer errechnet, und man wird nie überprüfen können, ob er auch nur annähernd stimmt.

          Denn tatsächlich sind die Windsors natürlich kein Unternehmen wie Coca-Cola, Adidas oder Starbucks, deren Produkte man im Laden kaufen kann, wenn man denn will. Ökonomisch betrachtet ähnelt die Monarchie eher einem öffentlichen Gut. So bezeichnet die Wirtschaftstheorie Güter, die allen nützen und für die auch alle zahlen müssen, unabhängig davon, ob der Einzelne nun ein konkretes Konsuminteresse hat oder nicht: In Großbritannien gibt es kein Entrinnen vor dem allgegenwärtigen Diamond Jubilee.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Die Gesellschafter von Schüttflix: Christian Hülsewig, Schauspielerin Sophia Thomalla und Thomas Hagedorn (von links).

          Start-Up für Bauschutt : Die Schotter-Schieber von Schüttflix

          In Gütersloh wird mit einer App an der Zukunft der deutschen Bauindustrie gefeilt. Das Start-up Schüttflix kann sogar eine prominente Investorin für sich gewinnen, wie die F.A.Z. exklusiv berichtet.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.