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Brics-Gipfel : Südafrika fürchtet um Rolle als „Afrikas Eingangspforte“

Südafrika startet auf dem Gipfeltreffen der großen Schwellenländer (Brics) eine Charmeoffensive. Weil das Land um seine Attraktivität für Investoren bangt, verspricht es ihnen Erleichterungen.

          3 Min.

          Nach einer verheerenden Streikwelle und enttäuschenden Wirtschaftsdaten wittert Südafrika auf dem kommenden Gipfeltreffen der großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) die Chance, das Ansehen bei internationalen Investoren zurückzugewinnen. Das fünfte Treffen der Staats- und Regierungschefs, das von diesem Dienstag an im südafrikanischen Durban stattfindet, stelle einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer engeren Kooperation der Schwellenländer dar, sagte Handelsminister Rob Davies in Johannesburg. Südafrika war dem Brics-Club 2010 beigetreten und richtet das Treffen zum ersten Mal aus.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die größte Volkswirtschaft Afrikas wirbt seit Mitte der neunziger Jahre damit, die „Eingangspforte zum Kontinent“ für internationale Unternehmen zu sein. Diese Rolle hat dem Land auch den Zugang zum Brics-Club verschafft, denn gemessen an Bevölkerungszahl und Wirtschaftsleistung kann es eigentlich nicht mit den anderen Mitgliedern mithalten. Wirtschaftsfachleute aber befürchten, dass Südafrika an Bedeutung als Eintrittstor verliert. Arbeitskämpfe, soziale Spannungen und schwaches Wirtschaftswachstum verschrecken ausländische Investoren. Gleichzeitig holen andere afrikanische Länder auf. „Länder wie Kenia oder Nigeria werden Südafrika bald den Rang ablaufen. Neuankömmlinge gehen jetzt schon öfter direkt in afrikanische Länder, statt den Umweg über Südafrika einzuschlagen“, sagte Michael Power, Stratege beim Finanzdienstleister Investec Asset Management.

          Weiterhin viele Standortvorteile

          Ratingagenturen hatten die Bonitätsnoten Südafrikas im vergangenen Jahr erstmals seit dem Ende der Rassentrennung herabgestuft. Sie beklagten unter anderem Führungsschwäche der Regierung. Streiks in der Minenindustrie waren zuvor in einem Massaker in einer Platingrube gegipfelt, das international für Schlagzeilen sorgte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für Afrika südlich der Sahara in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von fast 6 Prozent, aber nur 2,8 Prozent für Südafrika.

          Hafen in Kapstadt: Südafrika will internationale Investoren anlocken
          Hafen in Kapstadt: Südafrika will internationale Investoren anlocken : Bild: Gaby Mayr

          Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young kann das Land weiterhin mit vielen Standortvorteilen wie einem verlässlichen Rechtssystem und politischer Stabilität aufwarten. Um in Afrika vorzupreschen, legte die britische Barclays Bank vor kurzem ihr Afrika-Geschäft mit demjenigen der südafrikanischen Absa Bank in einer Milliardentransaktion zusammen und führt dieses nun von Johannesburg aus. Zuvor hatte der amerikanische Handelskonzern WalMart die Mehrheit an dem südafrikanischen Handelshaus Massmart für 2,4 Milliarden Dollar übernommen. Deutsche Autobauer beliefern von Südafrika aus seit langem auch den afrikanischen Markt.

          Lockerung der Vorschriften für den Kapitalexport

          Insbesondere Investoren aus Schwellenländern seien jedoch nicht mehr automatisch von der Fortschrittlichkeit Südafrikas beeindruckt, die auch höhere Kosten mit sich bringe, sagt Power. So baue der chinesische Schuhkonzern Huajian nicht in Südafrika, sondern in Äthiopien eine Fabrik für 2 Milliarden Dollar. Brasilianische Konzerne ziehe es ohnehin in portugiesischsprachige Länder wie Angola und Moçambique. Unternehmen aus der entwickelten Welt zögen nach.

          Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan will jetzt gegensteuern. In seiner jüngsten Haushaltsrede kündigte er Erleichterungen für in Südafrika ansässige Konzerne an, unter anderem die seit langem geforderte Lockerung der Vorschriften für den Kapitalexport. Die Beschränkungen, die eine abrupte Abwertung der Landeswährung Rand verhindern sollen, gelten als Grund, weshalb selbst große südafrikanische Konzerne ihren Sitz ins Ausland verlagert haben. Die Erleichterungen sollen für Unternehmen gelten, die in Afrika oder in den Bric-Staaten expandieren wollen, sagte der Finanzminister mit Blick auf das Gipfeltreffen. Auf Unternehmensseite wurden die Vorschläge befürwortet, aber als nicht ausreichend bezeichnet.

          Neben engeren Wirtschaftsbeziehungen soll in Durban die Gründung einer gemeinsamen Entwicklungsbank als Gegengewicht zu Institutionen wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds beschlossen werden. Außerdem wollen die Staats- und Regierungschefs über einen Pool von Währungsreserven beraten, um sich in Krisenzeiten gegenseitig unterstützen zu können. Die Reserven aller Länder summieren sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg auf 4,4 Billionen Dollar. Eine Entscheidung jedoch gilt als unwahrscheinlich. „Wir können nicht zu viel erwarten, aber wir schaffen hoffentlich einen Konsens über Themen, die uns alle angehen“, sagte Gordhan. Chinas Präsident wird nach dem Gipfeltreffen direkt in die Demokratische Republik Kongo weiterreisen, um dort Geschäfte in die Wege zu leiten; vorher war er schon in Tansania.

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