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Unerwartete Brexit-Fragen : Und was wird jetzt aus den Studenten?

Bei diesem Besuch im Labor war David Cameron noch unangefochten Premierminister. Bild: AFP

Das Brexit-Votum zieht manch unerwartete Detailfrage nach sich. Gibt es Kohlendioxidrechte bald zum Schleuderpreis? Wohin zieht die Bankenaufsicht? Werden britische Unis richtig teuer?

          3 Min.

          Schon bevor die Briten sich mehrheitlich für einen Austritt aus der Europäischen Union entschieden, war klar: Dieser Schritt wird auch viele kleine Detailfragen und Kuriositäten mit sich bringen. Das gilt zum Teil auch an Stellen im Wirtschaftssystem, über die so mancher britische Stimmbürger nicht nachgedacht haben dürfte, als er sein Kreuzchen für „Leave“ machte. Einige kleine Kostproben:

          Crash der CO2-Zertifikate

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das EU-Emissionshandelssystem, also der Markt für Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte, erlebt zum Beispiel gerade seinen eigenen kleinen Crash. Der Brexit war für den Emissionshandel ein Worst-Case-Szenario, schließlich fragen britische Unternehmen mehr Emissionsrechte nach als jedes andere EU-Land – ausgenommen Deutschland. Das System ist simpel: Mit den in der EU handelbaren Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten hat die EU eine Obergrenze für den CO2-Ausstoß aller Mitgliedstaaten gesetzt. Umweltfreundliche Unternehmen, die wenig Kohlendioxid in die Luft pusten können ihre Rechte gewinnbringend verkaufen. Wer viel Verschmutzung verursacht, muss Rechte zukaufen. Dadurch, dass Großbritannien so ein großer Emittent ist, sind mit dem Austritts-Referendum die Preise für die Rechte stärker gefallen, als das seit 2014 je der Fall war – um mehr als zehn Prozent. Jetzt herrscht Sorge vor Schleuderpreisen: Sind die vielen britischen Umweltsünder nicht mehr dabei, könnte es bald nicht mehr so viele Kaufinteressenten für Emissionsrechte geben.

          Teurer studieren

          Großbritannien ist bei internationalen Studenten äußerst beliebt: Insgesamt waren 2013 etwa 15.700 Deutsche an einer britischen Hochschule eingeschrieben, hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Wer sich künftig aber für ein Auslandsstudium auf der Insel interessiert, dem drohen höhere Studiengebühren. Denn Studenten aus dem EU-Ausland zahlen bislang den günstigeren Satz, den auch britische Studenten berechnet bekommen. Künftig könnten sie mit dem deutlich teureren Satz für EU-Ausländer belangt werden. Außerdem könnte das Vereinigte Königreich aus dem europäischen Bildungsprogramm Erasmus herausfallen. Erasmus unterstützt Studenten im Ausland finanziell. Allerdings ist es keine Pflicht, für eine Teilnahme EU-Mitgliedschaft zu sein. Island etwa oder auch die Türkei machen ebenfalls bei Erasmus mit.

          Wohin geht die Bankenaufsicht?

          Der Brexit könnte aber auch in verschiedenen Fällen, in denen England der Sitz einer europäischen Institution ist zum Problem werden. Zum Beispiel im Fall der Europäischen Bankenaufsicht EBA. Nach Worten ihres Chefs Andrea Enria will die Bankenaufsicht ihren Behördensitz in London aufgeben. „Wenn sich die Briten für einen Austritt aus der EU entscheiden, müssten wir tatsächlich in eine andere europäische Hauptstadt umsiedeln", hatte der aus Italien stammende Bankenaufseher schon vor der Brexit-Abstimmung kundgetan.

          Brexit : Wenig Folgen für deutsche Wirtschaft befürchtet

          Wer überwacht die Arzneimittel?

          Ein anderer Fall ist die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Sie beurteilt und überwacht Medikamente und spielt eine zentrale Rolle in der Arzneimittelzulassung in der EU. Und: Sie sitzt ausgerechnet in London. Das wirft natürlich die Frage auf, wo sie künftig sitzen soll, Und es weckt Begehrlichkeiten. Nach dem Willen des deutschen Pharmaverbands BAH soll die EMA nach Bonn umziehen. „Wir bedauern das Ergebnis der Abstimmung zutiefst und halten es für politisch wie wirtschaftlich verheerend", erklärte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller am Freitag. „Wir fordern die Verantwortlichen auf Bundes- wie Landesebene daher auf, sich für Bonn als neuen Standort der EMA einzusetzen“, sagte der stellvertretende BAH-Hauptgeschäftsführer Hermann Kortland. Zuvor hatten sich aber auch schon Dänemark, Schweden und auch Italien mit verschiedenen Argumenten für eine zukünftige Ansiedlung der EMA in Stellung gebracht.

          Das Ende des Patentsystems droht

          Kommt der Brexit, steht zudem das gesamte neue europäische Patentsystem wieder auf der Kippe – noch bevor es überhaupt gestartet ist. Seit Jahrzehnten doktert die Politik schon an dem Problem herum, künftig europäische Patente vor dem neuen einheitlichen Patentgericht durchsetzbar zu machen. Doch Großbritannien muss das Regelwerk ebenso wie viele andere Länder noch ratifizieren. Doch das erscheint nun schwierig, solange das Land wegen des Brexit-Votums in einer zwei Jahre langen Austritts-Verhandlungsphase steckt. Auch nach vollzogenem Austritt scheint eine Teilnahme Großbritanniens am europäischen Patentsystem zumindest fraglich – ebenso wie die eigentlich geplante Außenstelle des Patentgerichts, die eigentlich in London angesiedelt werden sollte.

          Bauern in Angst

          Nicht zuletzt machen sich sicherlich auch die britischen Landwirte an diesem Freitag große Sorgen hinsichtlich des Brexit-Votums. Immerhin werden sie derzeit von der EU stark subventioniert. Nach Daten des Instituts für Europäische Umweltpolitik, aus denen das Nachrichtenportal „N-TV“ zitiert, bekommt ein Bauer im Königreich im Schnitt 27.000 Pfund (rund 33.000 Euro nach neuem Pfund-Kurs) je Jahr aus den Programmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik. Wenn die Landwirte in Großbritannien keine Subventionen mehr bekämen, würde das für etliche von ihnen womöglich zum nackten Überlebenskampf. Es sei denn die britische Regierung zahlte den Bauern künftig ebenso viel, wie sie heutzutage von der EU bekommen.

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