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Brexit : Und was ist mit uns?

Die Party ist vorbei, jetzt wird aufgeräumt. Bild: Reuters

Die Briten wollen raus aus der EU. Was heißt das für die Deutschen? Die F.A.S beantwortet die wichtigsten Fragen nach dem Referendum.

          6 Min.

          Was müssen die Briten tun, um die Europäische Union zu verlassen?

          Das Verfahren für den Austritt eines Mitgliedstaates ist zumindest formell klar geregelt. Artikel 50 des Lissabon-Vertrags legt fest, dass das Vereinigte Königreich der EU seine Pläne mitteilen muss - und zwar nicht der Europäischen Kommission, sondern dem Europäischen Rat, also den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten. Erst zwei Jahre später wird der Schritt auch vollzogen, die Frist kann verlängert werden. In der Zwischenzeit muss die EU mit den Briten ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aushandeln. Dabei geht es vor allem darum, wie eng Großbritannien künftig an die EU angebunden ist: Wollen beide Seiten eine enge Kooperation, bei der auch Waren frei gehandelt werden und Personen sich frei bewegen können? Oder wird es eher eine lockere Verbindung geben? Geschlossen wird das Abkommen zwischen Großbritannien und dem Europäischen Rat, der mit qualifizierter Mehrheit entscheiden muss. Die Stimmen der Mitgliedstaaten werden dabei nach ihrer Einwohnerzahl gewichtet. Auch das Europäische Parlament muss zustimmen.

          Wer wird uns noch verlassen?

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Eine der größten Befürchtungen ist, dass nun noch andere Länder dem britischen Beispiel folgen könnten: Auch Rechtspopulisten in den Niederlanden, in Österreich, Dänemark und Frankreich fordern ähnliche Referenden. Allerdings könnten im Gegenzug andere Völker die EU-Mitgliedschaft beantragen, insbesondere die Schotten sind ganz wild darauf. Dazu müssten sie allerdings erst einmal aus dem Vereinigten Königreich austreten, denn in der EU können nur souveräne Staaten Mitglied werden. Auch in der Stadt London gibt es eine wachsende Bewegung, die sich für eine Abspaltung vom Rest der Insel ausspricht. Auf Twitter gibt es Bemühungen für eine „London Independence Party“, rund 60.000 Menschen haben schon eine Petition unterschrieben.

          Kann ich jetzt noch ohne große Umstände nach London reisen?

          Nach Großbritannien kam man schon bisher schwerer hinein als in andere EU-Staaten, denn das Land ist am Schengener Abkommen nicht beteiligt. Deshalb musste sich am Londoner Flughafen Heathrow auch bisher schon jeder Passagier ausweisen – immerhin durften sich EU-Bürger in der gleichen Schlange anstellen wie die Briten. Das wird in der Übergangszeit bis zum endgültigen Austritt auch so bleiben. Danach könnten sich EU und Großbritannien auf eine gängige Lösung einigen, die in anderen Nicht-EU-Staaten gilt. Dort dürfen sich EU-Bürger bis zu 90 Tage visumsfrei in dem Land aufhalten.

          Werden Flüge auf die Insel teurer?

          Flüge auf die Insel könnten nach einem Brexit bald mehr kosten - jedenfalls wenn sich Großbritannien nicht mehr am europäischen Binnenmarkt für den Luftverkehr beteiligen darf, der in den neunziger Jahren geschaffen wurde. Seitdem können EU-Fluggesellschaften frei zwischen allen Mitgliedstaaten fliegen. Allerdings sind auch Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island und die Schweiz Teil dieses Systems.

          Muss ich in England beim Telefonieren mit dem Handy Roaming-Gebühren bezahlen?

          Fällt einem so gar kein Vorteil der Europäischen Union ein, nennen Verbraucherschützer gerne die Roaming-Gebühren als Beispiel. Am Ende eines Spanien-Urlaubs drohte früher beim Blick auf die Handyrechnung das böse Erwachen, weil die Telefonanbieter horrende Roaming-Gebühren aufschlugen. Das verstößt gegen den europäischen Geist, deshalb kämpfte die EU-Kommission dagegen einen langen Kampf. Nun dürfen ausgehende Anrufe höchsten 5 Cent netto pro Minute teurer sein als im Heimatland, für eine SMS sind es 2 Cent und bei mobiler Internetnutzung 5 Centje Megabyte. Vom 15. Juni 2017 an sollen die Auslandsgebühren komplett wegfallen, einige Telefonanbieter verzichten auch jetzt schon darauf. Nach einem Austritt gilt das nicht automatisch auch für Großbritannien. Dann dürfen die Unternehmen selbst entscheiden, ob sie die Aufpreise wieder einführen.

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